Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 7 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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iv. ___________ ^Ngug^ajiojal-Zeitung*^______=_______________________S^L? Antrag wurde als Resolution dem Vertreter-Kollegium zugewiesen. Sohin erfolgte die Annahme des Budgets en bloc. Wir werden auf die einzelnen Budgetposten noch zurückkommen. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Neuwahlen im Kultusvorstand. Wien. Bei den am 6. d. M. stattgefundenen Neuwahlen wurden die bisherigen Funktionäre, deren Mandate erloschen sind, wiedergewählt, und zwar: Erster Vizepräsident: Dr. Gustav Kohn. Zweiter Vizepräsident: Hofrat Dr. Rappop o r t. Mitglieder des Vertreter-Kollegiums: Salo C o hn, K a u d e r s, Dr. Leopold K o h ri, Wilhelm K u f f n e r, Prof. P o 11 a k, S c h r a m e k, Doktor Spitzer. Neilgewählt: Dr. K a t z a u. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Frauen -Wohltätigkeitsverein „Providentia".) In stiller, beinahe der Oeffentlichkeit entsagender Weise wirkt der jüdische Frauen-Wohltätigkeitsverein „Providentia" in Wier, und docli verdient diese edle Gemeinschaft die Förderung weiterer Kreise. Der Vorstand unterstützt regelmäßig kranke, arme Frauen, bietet ihnen Kur- und Hilfsbeiträge, verteilt an dürftige Familien reichlich Kohle, spendet für arme Wöchnerinnen größere Beträge und hat seine Hauptaufgabe darin konzentriert, daß er im eigenen Hause eine Heimstätte für schwachsinnige Kinder schuf, in der Knaben und Mädchen von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends verbleiben. Am Sabbath Chanukkoh abends fand in diesem Hause (Wien II, Darwingasse 5) eine herrliche Chanukkoh-Feier statt, an der die Vorstandsdamen: Frau Hofrat Dr. Löwner, die Frauen Sidonie Wolf, Anna Brandt, Dr. Berta Hecht» Dr. Ernestine The u mann sowie zahlreiche Gäste teilnahmen. Frau Hofrat Dr. Löwner begrüßte die anwesenden Gäste namens des Vorstandes in herzlicher Weise, worauf Direktor B. Planner die Chanukkoh-Lichter anzündete, den Kindern die Bedeutung des Festes erklärte und den Damen für ihre aufopfernde, erfolgreiche Tätigkeit im Namen der Schützlinge den wärmsten Dank aussprach. Die Kinder trugen hierauf unter Leitung des Frl. Auguste W i 11 e r einige Gedichte vor, sangen einige Lieder und schlössen mit der Volkshymne, worauf sie mit Kleidern, Sclmlrequisiten, Bäckereien und Obst reichlich beteilt wurden. /WS ALLEN WELTTEILEN Professor Dr. Bacher gestorben. Am 25. Dezember starb in Budapest der Rektor der Landes-Rabbinerschule, Doktor Wilhelm B a c Ii c r, im Alter von 64 Jahren. Bacher gehörte zu den bedeutendsten semitischen Philologen der Gegenwart iind war eine allseitig anerkannte Autorität auf dem Ciesamtgebicte der Wissenschaft des Judentums. Sein großes Agadawerk („Die Agada der babylonischen Amoräer", 1878, „Die Agada der Tannaiten", 2 Bde. 1884—90) bildet eine wahre Fundgrube für die Erforschung dieses wichtigen Teiles des altjüdisclien Schrifttums. Bacher zählte auch zu den besten Kennern der arabisch-jüdischen und der persisch-jüdischen Literatur. Auf diesen und <ien: verwandten Gebieten schrieb er u. a.: „Leben und Werke des Abu'l-Walid Merwan Ibn Ganah" (1885), „Die Bibelexesese Mose Maiuitini's" (1>96), „Die hebräische Sprachwissenschaft des 10. bis 16. Jahrhunderts" (1893), „Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung" (1899), „Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maimuni'" (1692), Hebräisch-persisches Wörterbuch aus dem 14. Jahrhundert (1900), Zwei jüdisch-persische Dichter: Schahin und Imrani (1907), Les Juifs de Perse au 17. et "If; siecles (1907) und „Die hebräische und arabische Poesie der Juden Jemens1' (1910). ßezirksrabWuer Dr. Salvendi-Karlsruhe — gestorben. Der am 24. Dezember, im 77. Lebensjahr Verstorbene, hat sich auf den verschiedenen Gebieten der öffentlichen, vor allem der jüdischen Wohltätigkejit außerordentlich große Verdienste erworben. Seine erste größere Sammlung \cranstaltete Dr. Salvendi anläßlich der Hungersnot in Persien. Wie intensiv ihn die gestellte schöne Aufgabe beschäftigte, beweist der Umstand, daß er eine eigene Zeitschrift herausgeben konnte, die nur seinen Zwecken diente. Sein Lebenswerk dokumentiert sich darin, daß er nicht weniger als 1,5 Millionen Mark sammelte. — Der Dahlingegangene war Ehrenmitglied! der angesehensten jüdischen Vereinigungen. Er half den Lemaan- Zion-Hilfsvereiin gründen. Die Schaffung von PUgerwohnungeu in einer Kolonlie bei Jerusalem entsprang seiner Initiative. 1908 Avurde e,in großes Landgut bei dem Dorfe Fedje bei der Kolonie Petach Tikwa erworben und in kleineren Teilen verpachtet. Auf diesem Grunde wird zur Zeit, das neue deutsche israelitische Waisenhaus, sein letztes Werk, erbaut. Eine jüdische Wohltäterin 4m edelsten Sinne des Wortes war Miß Bertha R a y n e r - F r a n k, die jüngst im 66. Lebensjahre in New York verschieden ist. Wiewohl ihr Bruder, der jüngst verstorbene Senator Rayner, dem Judentum ganz ferne stand, war sie mit Leib und Seele Jüdin und widmete ihr ganzes Vermögen (250.000 Dollar, d. h. 1,250.000 Kronen) jüdisch-wohltätigen Zwecken. So spendete sie 500.000 Kronen zur Errichtung eines Zubaues beim jüdischen Spital in ihrer Gebürtsstadt Baltimore. Sie1 war eine Förderin der Gesellschaft der Töchter Israels und Begründerin zahlreicher gemeinnütziger Organisationen iii Baltimore, wie der Sabbatschule für arme jüdische Kinder, der Hilfsstation für eingewanderte jüdische Mädchen usw. Dem Klara de Hirsch-Mädchenheim schenkte sie das- Wohnhaus ihres Vaters behufs Errichtung einer Pflegerinnen-Schule. Wo ist in Wien mit seinen zahlreichen Millionärinnen auch nur eine da, die der Verstorbenen das Wasser reichen könnte?! .... Ehrungen für Rechtsanwalt Grusenberg. Der bekannte Verteidiger von B e i 1 i s, Rechtsanwalt Oskar Israel G r u s e n b e r g, der nach dem Abschluß des Prozesses ins Ausland! zur Erholung gereist war? kehrte Mitte Dezember nach Rußland zurück. Auf der Fahrt nach Petersburg passierte er das „Lithausche Jerusalem", Wilna, und war dort Gegenstand besonderer Ehrungen. Die Vertreter der jüdischen Gemeinde und der zionistischen Organisation dieser Stadt sind ihm bis zur Station Koschadary zur Begrüßung entgegengefahren. Dlie Vertreter der Gemeinde hießen G r u s e n b e r g herÄÜch willkommen und. überbrachten ihm den Beschluß der Wilnaer Judenlieit, ein Stipendium . auf sehnen Namen zur' Erinnerung an die ruhmreiche Vertejidügung von Wahrheit und Recht im Prozesse Beilis zu stiften. Die Vertreter der Ziomisten überbrachten Grusenberg das prachtvolle neue Golden buch- Diplom des Jüdischen Nationalfonds, das von Justizrat Bodenheimer und Wolffsolin unterfertigt ist. Das Bild |ist ein Werk des berühmten Kunstmalers Lesse; Ury und stellt den König David mit der Harfe in einer judäischen Landschaft