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Neue Nationalzeitung · 1914-01-09 · Heft 1 (9.1.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 1 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 5 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 JNeue National-Zeitung" 5eite 5 schlechter Anfang, um die Stellung des Judentums in Palästina zu befestigen und zu stärken. Der Inhalt dieses Schulstreites ist an und für sich eine rein pädagogische Frage. Der Hilfsverein hat in seinen städtischen Schulen in Palästina als Lehrziel des Unterrichtes die völlige Beherrschung des Hebräischen und die Beherrschung einer europäischen Sprache, nämlich des Deutschen, aufgestellt, das letztere, um die Jugend auch mit den Bestrebungen der großen Kulturnation in Zusammenhang zu bringen. Der Zionismus bekämpft nicht diese Lehrziele, aber er will das Lehrziel im Hebräischen dadurch erreichen, daß das Hebräische zur allgemeinen Unterrichtssprache gemacht wird. Ohne auf diese pädagogische Frage an dieser Stelle näher einzugehen, sei hervorgehoben, daß Dr. Tschlenow, also der heutige Präsident in der ausführenden Behörde des Zionismus, über die Schulen des Hilfsvereines, und zwar in einer Broschüre vom Jahre 1913 mit dem Titel „Fünf Jahre Arbeit in Palästina", das folgende geschrieben hat. (Folgt ein Auszug aus dieser Schrift, worin zugegeben wird, daß in den Schulen des „Hilfsvereines" zielbewußte nationale Arbeit geleistet wird. Anm. der Red.) Seitdem dies geschrieben worden ist, hat sich in dem Programm der Schulen des Hilfsvereines nichts zuungunsten des Hebräischen geändert. Tm Gegenteil. Wenn wahrheitswidrig etwas anderes von zionistischer Seite behauptet wird, so geschieht das, um für die sinnlose Hetze, die gegen das Schulwerk des Hilfsvereines unternommen wird, der Öffentlichkeit gegenüber einen Vorwand anzuführen. Ebenso verwerflich ist es, die Abstimmung in der Frage der Unterrichtssprache des Technikums anzuführen, denn allen Beteiligten war es wohl bekannt, daß auch im Technikum das Hebräische in so ausgiebiger Weise vorgesehen war, wie in den Schulen des Hilfsvereines, die mit diesem Ausmaß des Hebräischen das begeisterte Lob der Zionisten bisher erhalten haben. Es mutet nicht weniger seltsam an, daß man es in der zionistischen Presse wagen darf, den Hilfsverein terroristischer oder sonstiger Akte zu beschuldigen, obwohl er nichts weiter tut, als sich gegen einen plötzlichen, gewalttätigen und unmotivierten Ueberfall zur Wehr zu setzen. Wie weit die Verhetzung getrieben wird, ist vor allem auch daraus zu entnehmen, daß die zionistischen Blätter auch die russische Judenheit, für die die zehnjährige Tätigkeit des Hilfsvereines am meisten vollbracht hat, aufzureizen sucht unter Berufung darauf, daß ein Sonderabdruck eines Blattes versandt worden sei — mit dem sich der Hilfsverein natürlich nicht in jeder Einzelheit identifiziert. Ohne jede vorherige offizielle Ankündigung und ehe Herr Dr. Nathan noch Palästina erreicht hatte, verließ mitten im Semester unter Bruch der Verträge ein Teil der Lehrer der Jaffaer Knabenschule seine Stellungen und suchte die Gesamtheit der Schüler ohne vorherige Benachrichtigung der Eltern zu veranlassen, mit ihnen in eine neue Schule auszuwandern; nur mit einem teilweisen Erfolge. Die der Hilfsvereinsschule treu gebliebenen Lehrer wurden, nachdem dieses Mißglücken offenbar geworden, bedroht, geschlagen, ebenso wurden die Schüler und deren Eltern gleichfalls bedroht. Die Fenster des Schulgebäudes wurden eingeschlagen, kurz, durch empörende Akte der Gewalttätigkeit verschiedenster Art wurde versucht, die Schule des Hilfsvereines vollständig zu sprengen, was gleichwohl dank der Anhänglichkeit eines Teiles der Schüler und Lehrer nicht gelang. In Haifa änderte gleichfalls vor Ankunft des Herrn Dr. Nathan der dortige Hauptlehrer unter Bruch von Treu und Glauben selbständig den Lehrplan und führte den zionistischen Lehrplan an Spelle des bestehenden ein, so daß bei Herrn Dr. Nathan die Absicht vorlag, die Schule zu suspendieren. Durch den Treubruch eines Teiles der Lehrer war der Unterricht nicht weiter möglich. Auch dort wurden die Eltern durch nachträgliche Beeinflussungen dahin zu bringen gesucht, ihre Kinder den Hilfsvcreinsschulen nicht ferner anzuvertrauen. Als Herr Dr. Nathan nach Jerusalem kam, streikten dort bereits die Schüler des Lehrerseminars, ohne daß die führenden Lehrer der Anstalt auch nur den Versuch gemacht hätten, die Schüler zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Ein Teil der Lehrer überreichte vielmehr nach vorhergegangenen Unterhandlungen mit Herrn Dr. Nathan diesem ein Memorandum, in dem mitten im Semester die Bewilligung des zionistischen Lehrplanes verlangt wurde, und zwar sollte die Entscheidung binnen vier Tagen erfolgen, widrigenfalls die Lehrer nach zwei Monaten, also auch noch im Laufe des Semesters die Anstalt verlassen würden. Herr Dr. Nathan ließ den Lehrern sagen, daß in der gesetzten Frist eine Entscheidung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereines, der einzig zustehenden Instanz, überhaupt nicht herbeizuführen sei, und Herr Dr. Nathan folgerte aus der Aufstellung einer völlig unerfüllbaren Forderung, daß es den Herren nicht um einen Ausgleich zu tun sei, sondern darum, die Schüler in den nächsten zwei Monaten für eine Abwendung von den Anstalten des Hilfsvereines noch weiter zu bearbeiten. Das trat besonders deutlich dadurch hervor, daß vier Tage nach der Ueberreichung des Memorandums Herr Y e 11 i n die Schüler der obersten Klasse der Lämelschule aufforderte, in die neu zu gründende Schule überzugehen. Nachdem dies bekannt wurde, blieb natürlich kein anderer Ausweg, als die Lehrer sofort zu suspendieren, und es erfolgte am nächsten Tage die Suspension. Trotz dieser Suspension drangen die betreffenden Lehrer am folgenden Tage in die Schulen des Hilfsvereines ein und suchten durch aufreizende Ansprachen die Schüler und Schülerinnen zum Verlassen der Anstalten zu bewegen, ein Akt, der nach deutschem Recht a 1 s Hausfriedensbruch betrachtet werden müßte. Da es nicht möglich war, die Lehrer zum friedlichen Verlassen der Anstalten zu bewegen, so wurde, um der unhaltbaren Situation ein Ende zu machen, , der deutsche Generalkonsul um seine Intervention ersucht, und auch ihm gelang es erst unter Anwendung seiner ganzen Autorität, die suspendierten Lehrer und Lehrerinnen zum Verlassen der Anstalten zu bewegen, was Anstand und Takt von selbst geboten hätten. Da auch ein kleiner Kreis von Personen auf der Straße Aveiter randalierte, so fand sich auch die türkische Polizei ein und sorgtefür Ordnung. Daß bei dieser Gelegenheit Lehrer vergewaltigt worden seien, obgleich die Polizei zum Einschreiten Anlaß gehabt hätte, ist eine Erfindung. Die Vorgänge führten aber alsdann freilich dazu, daß der Gouverneur von Jerusalem, die höchste türkische Zivilautorität, in öffentlicher Proklamation die unruhigen Elemente verwarnte, sich zu Tätlichkeiten durch die zionistische Agitation hinreißen zu lassen, da es jedermann freistehen mässe, se.'ne Kinder in die gesetzlich erlaubten Schulen des Hilfsvercins zu senden. An dem folgenden Tage beschimpften alsdann streikende Schüler Dr. Nathan auf öffentlicher Straße, und die Schüler und ein Teil der suspendierten Lehrer suchten Kinder, die sich in die Schulen des Hilfsvereins begeben wollten, abzufangen und am Schulbesuch zu hindern. Es wurde den Kindern gesagt, man wolle sie zu Deutschen machen, man wolle sie taufen, man wolle ihnen ihr jüdisches Herz aus dem Leibe reissen und den Mädchen überdies, man wolle ihnen die Zöpfe abschneiden. Das sind Mitteilungen, die die Kinder direkt Dr. Nathan alsdann gemacht haben. Es wurden überdies auch im Lehrerseminar in .1 erusalem die Fenster eingeschlagen und Stink-

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