Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2425679-2425912-2425913--2830-2429338- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Öeite 4 freventlich zerstören. Und das war nieim Vergeben', das gesühnt werden mußte. Und so schweißte Herford 139 talmiudiisclie mä 'midraschi'scfie Stellen zusammen, in welc'hen er Jesus wind1 -das *e>ntsteilende Christentum „beleuchtet" finden will. — Wie vorauszusehen, wurde sein Buch von einigen gleichgestimmten Kritikern rfiit unverhohlener Freude und Qen'ufftong begrüßt. So sagt Fi'ehlg m meiner Besprechung dieses BuchJes Tlieolg. Lite. 1904. Nr. 21: ..HeTfords Polerrok gegen Friedlänider ist schlagend." Und doch räumt er später wieder in demselben Bl'atte ein : „Daß Fried) ander mit seiner These vom Voriiaiid»en.siei>n eines vorchristlichen jüdischen Gnostfeismois recht hat. trat 'ihm Otto iPfleid'erer mit Recht zugegeben." — Sichtlich erfreut, wenn aiuch vorsichtiger, äußert .«ich Büusset über Herfords „Christen tarn in Tctlnrud und Madrasch": ..Tch verweise," siagt er Theolog. <Litiz. 1904. S. 633, ..zum Schlüte a-uf das vortreff!:iche Buch von >R. Trav. rferford: Christiawity in Talmud nnd Midrasdi. Hier ffndet man in beoirem'pr Zii^arnmen'ste'H'inTsr eine an ß er orden t1;j dr br nu chba r? Zu s a minens tellvng des Materials. Friedländers Ansichten werden scharf abgewiesen. Doch bezieht «der Verfasser dis 'Minirn -nun wieder gar z u e i n s e i t i g a u f J n d e nc h r i s t e n". — Derselbe Bousset aber sieht sich zwei Seiten früher bemüssigt. mir zuzugestehen: ..Weiter iist es ein Verdienst 'Fried'läwders. d!aß er «dne merkwürdige UeberHeferuw eines Gespräches zwischen R. Isma-ett aindi R. Tarplron über die Giljonim und die in ihnen enthaltenen Askaroth (,Qo■ttesn'a!men,) in Sabb. 116 riebtig gedeutet 'bat. Es kairn. Wenn1 freilich' zugestanden werden mnß, dnß bereits spätere Rabbin'er die OiMoTciim1 auf die Evangelien bezogen, docti tourn bezweifelt Werden, daß die Giljon'im (wie die Bücher der MinJm) nichts 'anderes 'als die nns jetzt zur Qen üg e bekannten Zaiibe rb ü c'her mit ihren a;l ttes tarnen tlicb en Gottesn;a rn e n g e w e s e n s e i e n." Sind aber die Qiijon'im nnd dfte Bücher der Min'äer nrsnri.»ngl-icb nicht Evanve 1 ien: dann brechen die ffani-ptstüfzen1 für das Christcnfr'm der Minn er in sieb zusammen. 'Herfords „Christentum in Talmud und Midrasch" zwang mich1 also, auf diese* Thema von ne'nem efinzugehien1. und 'so widmete ich ihm1 d;pnn auch in meinen 1905 erschienenen „Pelienösen r>- wesrunffeu im Zeitalter Jesu" (S. 169—234) ein eigenes Kapitel, auf welches ich den Leser verweise. Auf diese scharfe Znriiekweisnnqr hni\ soviel mir bekannt geworden, Herford nirht mehr reagiert. Dafür tritt er jetzt — 'zehn Jahre floatet — zu meiner 'angenehmen U^berra^-rnny mit einer begeisterten AnolopTh auf das nbarisansehe JüdentU'm urchristbch'er Zeit hervor. (Fortsetzung folgt.) r e a 11 y e x i s t e d, a fact which has by soine been called in question. But if, beyond this, the Rabbinical Jesus-Tradition has no value for the history of Christianit^ i t rln«? th r o \v s o rn e Ii g h t u p o « t h o a t1 i t u e n f J v ri x i s m. a s r e p t e s e n t e d by t h c Rabbis towa rtl Jesus. It shows how the v A o 1 e n t h o s t i 1 i t y directet against him durin g bis life lcft only the vagtie and careless memory of a deoeiyer and a. apostat^," Der Kampf um die hebräische Unterrichtssprache in Palästina.*) 1. Bericht des Berliner „Hilisvereines". Im Hilfsverein der Deutschen Juden fand unter Vorsitz von Herrn Dr. James Simon am 4. Jänner eine Sitzung des geseliäftsfiihrenden Ausschusses statt. Nachdem die Formalien erledigt waren, erteilte Herr Dr. James Simon das Wort an Herrn Dr. Nathan zur Berichterstattung über seine Reise nach Palästina, von der er soeben zurückgekehrt ist. Herr Dr. Nathan gab eine eingehende Schilderung der Zustände und Ereignisse, die er in Palästina zu beobachten Gelegenheit gehabt hat. Seine Ausführungen lauteten in den allenvesentlichsten Teilen folgendermaßen: Es ist Tatsache, daß bis in die allerneueste Zeit hinein das Schulvvcrk des Hilfsvereines in Palästina sowohl die Anerkennung der Zionistcn wie der streng religiösen Kreise gefunden hatte. Gerade die Zustimmung dieser sich in Palästina schroff entgegenstehenden Kreise war es, was der Hilfsverein bewußt als einen Segen für das Land anstrebte. Diese langsame Annäherung der extremen Richtungen hätte bei ruhiger Entwicklung ganz allmählich zu einem Ausgleich der Gegensätze und zur Heranbildung einer einheitlich empfindenden und denkenden jüdischen Generation in Palästina führen können, die unter strengem Festhalten an dtr religiösen Tradition doch zugleich mit genügend praktischen Kenntnissen für das Leben ausgestattet gewesen wäre, so dafl sie auf eigenen Füßen im modernen Erwerbsleben des Orients hätte stehen können. Diese Schulpolitik mit dem Zwecke der Abstumpfung der Gegensätze ist zurzeit durch die zionistische Agitation in Palästina zu einer Unmöglichkeit geworden, sehr zum Nachteil des Judentums, aber auch zum Nachteil des Zionismus, da nunmehr durch den Schulstreit die Gegensätze zwischen religiösem Judentum und Zionismus in Palästina auf das äußerste verschärft worden sind — ein *) Der Kampf um die hebräische Unterrichtssprache an den vom Berliner „Hilfsverein" erhaltenen Schulen in Palästina hat Dimensionen angenommen, die an S t r e i k r c y o 11 e n erinnern. Sabotage, Boykott, Vergewaltigungen aller Art sind auf der Tagesordnung. Und es ist nicht abzusehen, wohin die durch die zionistischen Agitatoren und ihre Presse entfachte Hetze führen soll! Sollen diese Gewaltakte die Mittel sein, um der hebräischen Unterrichtssprache von heute auf morgen zum Siege verhelfen? Soll auf dem heiligen Boden Palästinas die türkische Polizei Juden gegen Juden in Schutz nehmen müssen? Es wäre endlich an der Zeit, daß sich die Gemüter in Palästina beruhigen. Die zionistische Partei hat es in der Hand, die Ruhe wieder herzustellen; soll nicht der Zionismus ein Synonym für Gewaltherrschaft werden. Selbst Volksideale können nur auf dem Wege langsamer Evolution realisiert werden Zur Information unserer Leser veröffentlichen wir in dieser Nummer die uns aus beiden gegnerischen Lagern zugekommenen Berichte. Gleichzeitig wollen wir die in der vorigen Nummer anläßlich der Veröffentlichung des Artikels „Der Hilfsverein und die Zionisten" unterlaufenen störenden Druckfehler dahin richtigstellen, daß in der Aufschrift selbstverständlich die Worte „in Galizien" zu entfallen haben, und daß es in der zweiten Spalte, dritte Zeile, auf Seite 203 statt „Charakters" heißen soll: „Charters". Die Aufregungen, die der Lohnkampf beim Setzerpersonal hervorgerufen hat, sind leider bei der Korrektur des Blattes ganz iiberfliissigerweise zum Ausdruck gekommen. Anm. der Red.