Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 LNeu eJ^atjonal-Zeitung," Seite 3 das Judentum; erhobenen Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen. ■ So schrieb Emil S c h ü r e r «damals in Haruack- Sehürers „T h e o 1 o g i s c 'h er L i t e r a t u r z e itung" 1899 Nr. 6 wörtlich: ,,'B,e,i den christltcheii Theologen ist bekanntlich -die Meinung vorherrschend', daß unter 'Minim mrwrier Judenchristen gemeint seien; auch die neueren jüdischen Gelehrten haben diese Meinung sich angeeignet. — Ich freute mich, 'daß diese Identifizierfiin'g von Minim und Judenchristen, die ich stets für falsch gehalten habe, von Fried! ander «n i t großer E n t s c h i e d e nh e i t b e k ä rn p f t w i r d." Tn der Evangelischen Kirchenzeitung 1899 Nr. 10 sagt Zöekler: „Radikale Gesetzvcrächtler von guostisiereTider Art und Haltung wird es <iim Diiasporajudentum! der letzten v o rch ristlichen Zeit jedenfalls gegeben -haben, und 'daß die talmudsche Literatur mit ihren M i n i m nicht etwa Christen, sondern solche antinomistische Pseudop'biiosophen i n n e r h a 1 b d e s J u d entums meint, erscheint ziemlich 'gewiß; die vom Verfasser (des vorchristl. jüd;. Gnostizismus) hierüber 'beigebrachten Gründe dürften als stichhältig anzuerkennen sein." Der hervorragende holländische Theologe W. C. van Manen äußert sich („Theolog. Tijdschr." 1897) wie folgt: „Um die Existenz einer vorpaulinischen religiösen Partei, die sich ganz von dem Gesetze losgerissen hatte, 'unserer ■Kenntnis näher zu bringen, hat Friedländer seinen vorchristlichen jüd. Gnostiizisimlus geschrieben — hauptsächlich, um abschließend •nachzuweisen, daß man bei den Minim dtor Talmudisten des ersten Jahrhunderts nicht an Christen und bei ihrem Giljonim, die ebensowenig wie iure Schriften vor .dem Verbrennen geschützt werden dürfen, nicht an Evange- 1 i e n d e n k e n d a r f. Diese Auff assunig ist zwar w e i t verbreite t, a b e r w n r i c h t i g." Wendland, „Deutsche Literaturzeitung" 1902, Nr. 42 sagt: „Daß unter Minim nicht immer Juden- Christen verstanden werden, scheint Friedländer bewiesen zu ha'ben." „Es ist das Verdienst Fried'länders", sagt G. Ho enick e, „Tbeolog. Literatmrbl." 1912 Nr. 32, ^nachdrücklich 'darauf aufmerksam gemacht zu hüben-, daß unter den Minim in der tu hündischen Literatur nicht .spezre-M Christen zu verstehen seien." Aehnlich L. H a c k s p i 11 in der „Revue b ib 1 i q u e" 1903: „. . . . Dans ses grandes lignes la Th&s-e de M. Friedender nws parait assez solide - ment assise et dans rhistoire des partis rel.igieux du Juda'iyme nes-testamentaire il faudra tenir compte des „Minim". Que ce nom ait designe plus recement tous les nonjuifs, y compris les chretiens, surtout ih\v:\ les editions revisees du Talmud, on Tadmettra assez generalement; mais l'attribution de ce nom a u x s e u 1 s antin omistes j u i f s v e r s l'e r e c h r e t i e n n e nous parait prouve e." Ebenso zustimmend' zu meiner MinimTheorie äußert sich G. W i 1 d e b o e r in den T h e o 1 o r. Studien 1805, S. 292—304, wo er seine Ausführungen mit den Worten schließt: „Hierin nu heeft Friediläuder voor ecu groöt deel »g-oed gezien. Inde-rd'aad beteekniet Min niet overal een Joodsch Christen." Ich habe hiernit einige der gewichtigsten und maßgebendsten christlichen Stimmen über meinen „vorchristlichen Onosfeismus", beMeibe nicht aus aligiameiin üblicher Selbstgefälligkeit, sonderniediglichi zu dem Zwecke gestreift, um dem Leser vor Augen zu »führen, was hier auf dem Spiele steht und ihm zu zeigen, wie unschwer mit Hilfe der jüdischen Theologen zwischen hüben 'und drüben eine Verständigung hätte erzielt werden können, um endlich die Schmach, die man dem Judentum angetan, indem man aus seinem tahniudischen Sdirift- 'tuim im denkbar verkehrter Weise niedrige Beschimpfungen des Stifters der Kirche und grimmige Verfolgungen des entstehenden Christentums hieraii'slas, endgültig auszutilgen. IDa trat plötzlich in diese fortschreitende Verständigung eine unerwartete Störung ein. Fünf Jahre später, nachdemi ich' inzwischen meine Ansichten über die Minim des Talmud des ferneren im „Antichrist" und in der „Geschichte der jüd1. Apologetik" noch; mehr vertieft und' gestützt hatte, erscheint Herford, der dermals begeisterte Panegyrikler der Pharisäer urchristlieher Zeit, mit eiinem dickleibigen Buche: „Christianity in Talmud and Midrasch", gegen meinen „vorchriisiliehen GnostiÄius" auf den Plan, worin er alle möglichen und unmöglichen Anstrengungen macht, die hergebrachte Behauiptung aufrecht zu erhalten: daß der Talmud authentische Kenntnis von Jesus und dem entstehenden Christentum habe, da ja; die M i n i m Christen seien. Er führt gegen meine Position' einien Riesienapparat von wenig oder oft sogar das .Gegenteil beweiisenden talmiudiischen und1 midraschischen Stellen auf. will durch ein Masseugeschoß wirken, das allerdings von einer 'blendenden, den Oberflächlichen leicht mit sich fortreiß enden Methode unterhalten wird, richtet impetuose Angriffe 'gegen mich!, die in der Kitze des Gefechtes hie und da sogar einen persönlichen, nicht gerade sehr würdigen Charakter annehmen, als hätte ich ihn mit meinen unschuldigen Theorien ins Herz getroffen. Und was habe ich eigentlich mit meinem „Vorchristlichen Gnostizismus" verbrochen? Nichts weiter als die Feststellung: daß die in den ältesten talmudischen Quellen so splitternackt gezeichneten Minim jüdische Häretiker, nicht aber J ude n Christen waren! Damit habe ich ihn in seinem christlichen Bewußtsein tief verletzt. Die Minim waren ihm bislang — wie seine taLmudischen Lehrmeister jüdischer und christlicher Konfession übereinstimmend dozierten — Judenchristen, und so war er -inder doppelten Ueberzeugunig aufgewachsen: daß einmal die talmudischen Quellten vollständig unabhängig von den Evaingeiien, 'die von manchen Seitlen bestrittene historische Existenz Jesu verbürgten — wias jedenfalls ein nicht zu iiHiterse'häteendier Gewinn —, und: dann, daß diese Quellen ein grelles „L i cht a u f d i e a g g r e s s i v f e i n d- 1 i c h e H a 11 u n g d e s d u r c h 4 i e R a b b i n e r v e r t r e t e n e n. Judentums Jesu gegeu'iiber werfen".* — Die^e fromme Illusion wollte ich ihm *) Das verrät er ganz tinzweideuti};: in seinem Buche: %Christianity in Talmud and Mlidrasch, S. 359 f., wo er sich über die Wichtigkeit dieser talmudischeir Quellen folgendermaßen äußert: „In sjeneral, tough not in detail they serve to confiirin tlre Christian tradiition, by givins i n d e pe n de n t, a ii d indeed h o s t i 1 c evidence, that Jesus of Nazareth