Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 26 (26.12.1913)
- Date
- 1913-12-26
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 206 .Neue. National-Zeitung" Nr. 26 Hamburg. Diie Delegiertenversammlung des Deutsche-n Verbandes jüdischer Krankenpfrlegerinn e rivereine fand am 10. November in den Räumen des israelitischen Schwesternheims im Anschluß an den Verbandstag der deutschen Juden statt. Die Versammlung, die den Stadtverordneten Louis Sachs (Berlin) zum Vorsitzenden wählte, war von etwa 40 Delegierten besucht. Der Vorsitzende gedachte in seinem Bericht zunächst der in der Zeit seit der letzten, 1911 stattgehabten Delegiertenversammlung; verstorbenen Mitglieder, die sich um die Schwesternsache große Verdienste erworben haben. Dann fand eine Debatte statt und wurden sehr wichtige Beschlüsse gefaßt. In bezug auf diie Erhöhung des Gehaltes wurde eine Einigung dahin erzielt, daß das bisherige Höchstgehalt von 600 Mark auf 720 Mark erhöht werden kann. Ferner können die Vereine das bisher auf höchstens 1000 Mark festgesetzte Ruhegehalt auf 1200 Mark erhöhen. Nach einer 25jährigen Dienstzeit haben die Schwestern bei Dfenstuntauglichkeit und einem Alter von 55. Jahren Anspruch auf Ruhegehalt. Die staatliche Prüfung der Schwestern ist nach Beendigung oder während der Lehrzeit, die VA Jahre l)eträgt abzulegen. Zum Vorort wurde bis zur nächsten Delegiertenversammlung der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin wiedergewählt, der den Vorstand sowie drei Kassenrevisoren wählen wird. AUS ZILLEN WELTTEILEN An die rumänischen Juden hat sich endlich m der ungarischen Delegation der Graf Karolyi erinnert. Er hat den Minister des Auswärtigen, Grafen Berchtold^ interpelliert, warum er als Vertreter einer Signatarmacht des Berliner Vertrages nicht im Interesse der Gleichberechtigung der rumänischen Juden interveniere. Darauf erhielt er prompt zur Antwort, daß nur alle Signatarmächte zusammen intervenieren können. Eine faule Ausrede, wie sie eben zum Rüstzeug eines Ministers gehört. Der Minister wollte offenbar damit sagen, daß, wenn auch Rumänien von uns abgerückt ist, unsere Monarchie nach wie vor gegenüber den antisemitischen Brutalitäten der rumänischen Regierung beide Augen zudrücken werde. So lobenswert die Initiative des Grafen Karolyi ist, so bedauerlich ist die passive Haltung der großen jüdischen Korporationen. Es rührt sich einfach gar nichts. Den Plan Dr. Strauchers, einen Kongreß einzuberufen, haben sie nicht unterstützt; selbst tun sie aber auch nichts. Soll den rumänischen Juden mit dieser Duckmäuserei und Leisetreterei geholfen werden? ... Das ist sehr zweifelhaft. Der Wiederaufbau der Preßburger Jeschiba. Das Preßbürger Jeschibägebäude ist bekanntlich anläßlich der großen Brandkatästrophe ein Raub der Flammen geworden. Aus StadtregHlierungsrücksichten wollte die Preßburger Stadtbehörde bislang nicht gestatten, das Jeschibägebäude auf seinem bisherigen Platze wieder aufzubauen. Jetzt wird aber aus Preßburg berichtet, daß die Behörde endlich die Erlaubnis gab, das Gebäude auf der bisherigen Stätte zu errichten. Mit dem Bau wird aber erst im Frühling begonnen. Wahrscheinlich wird in dem eigentlichen Jeschibägebäude auch ein Bachiurim-Internat errichtet werden. In dem Eröffnungsvortrage, mit welchem Oberrabbiner Schreiber die Vorlesungen am Beginne des Semesters eröffnete, hob er die Opferwilligkeit hervor, welche sich der Preßburger Jeschiba gegenüber anläßlich der Brandkatästrophe in allen Kreisen und in allen Ländern, .wo Juden wohnen, geäußert hat, und sprach hiefür von heiliger Stätte allen den wärmsten Dank aus. Einberufung der russischen .Rabbinerkonferenz. Ganz urplötzlich wurde vom russischen Ministerium des Innern für Anfang Januar 1914 eine neue Rabbiner-Konferenz in P e t e r s b ü r g einberufen. Die Verhandlungen und Beschlüsse der Rabbiner, so heißt es im Einberufungsschreiben des Ministeriums, sollen als Material für Behandlung der F r a ge de r G 1 e i c hb e r e c h ti g u n g der Juden und de r A u f heb u n g der Rayonsgesetze dienen. Von einflußreicher Seite wird darauf hingewirkt, daß die Konferenz um einige Monate verschoben wird, um den Rabbinern Gelegenheit zu geben, die unumgänglichen Vorarbeiten zu treffen. Der Talmud in ungarischer Sprache. Eine Gruppe von ungarisch-jüdischen Notabilitäten hat es unternommen, den Talmud, der so oft von Unkundigen fälschlich zitiert und in judenfeindlichem Sinne ausgebeutet wird; in ungarischer Uebersetzung zu veröffentlichen, damit Jedermann sich von dem wahren Inhalte dieses großangelegten Werkes überzeugen könne. Die Herausgabe hat — wie das ungarische Blatt „Egyenlöseg" meldet — die Verlagsbuchhandlung Ph.Wodianer und Sohn «übernommen. Am der Spitze dies Hieiratusgiebier^Komütees stehen: Dr. .Moria Mezei, Franz Szekiedy, iBaron Dr. AidoH Kohiiier, Miamfred Weiß de Gsepdl umd Bairon Moria Herzog; an der Spitze dies RedaiktJans-Kamliltiöeis diie Herren Professor Dr. Ludwig Blaiu, Professor Miohaiel Giuttfmianm, Rabbiner Dr. Sini'fMi Hevesi 'und Redlaktiauir Max Szalbo'lcsi. Dais Werk, dlas zehn 'Sterke Bäinde luimifassen wiiind, isoM m 4—5 Jalhren völleiu'et vorliegen. Die Juden auf Hawai. „Jewish Chronicle" meldet aus Honolulu:: ..Das einzige Sefter Thora, auf den Hawaiischen Inseln, welches von einem „wandernden Juden als Zeichen der Freundschaft dem König K a 1 a k a u a zum Geschenk gemacht wurde, ist am 11. Oktober d. J. von der Residenz der Prinzessin Kawananakoa, in deren Besitz es gegenwärtig war, geholt und in der temporären Synagoge in der St. Antonio-Halle untergebracht worden. Die Thorarolle wird mit 6000 Dollar bewertet, ist sehr alt, und die Griffe sind aus Elfenbein und Perlmutter gearbeitet. Nach dem Tode des Königs Kalakaua gingen seine Reliquien in das Eigentum seiner Gattin, der Königin-Witwe Kapiolani, über. Als diese starb, wurde die hebräische Rolle ihrem Neffen, dem Prinzen Dapid Kawananakoa zugewiesen, der s':e der jetzigen Besitzerin, Prinzessin Kawananakoa, hinterließ. Anläßlich des jüngsten Jom-Kippur-Gottesdienstes, waren außer den in Honolulu ständig lebenden Juden auch 175 jüdische Soldaten aus den im Shofields Baracks stationierten Regimentern anwesend." _ Literatur. Julius Rosenfeld: Die Matrikelführung der Israeliten in Oesterreich nach den bestehenden staatlichen Vorschriften. Verlag R. Löwit in Wien. S. 222. Das vorliegende Handbüchlein enthält eine leicht übersichtliche und zusammengedrängte Darstellung aller auf die jüdische Matrikelführung Bezug habenden Bestimmungen. Jeder, der, sei es als Partei, sei es als Parteien-Vertreter in die Lage kommt, über die diesbezüglichen Vorschriften, und zwar auf dem Gebiete der Geburts-, Todes- und Trauungsmatrikel Aufschluß zu suchen, wi rd hier d:e gewünschte Auskunft erhalten. Allerdings gibt es viele zweifelhafte Fälle, die hier nicht aufgeklärt erscheinen und daher würde es die Brauchbarkeit dieser Arbeit wesentlich erhöhen, wenn auch die einschlägigen Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes und des Verwaltungs-Gerichtshofes beigefügt wären. Wir möchten hiemit dem Verfasser diese Ergänzung anläßlich der Veröffentlichung einer neuen Auflage nahelegen. Dennoch ist das vorli egende Büchlein als der erste Versuch, die innerhalb einer bestimmten Disziplin für die jüdische Bevölkerung geltenden gesetzlichen und administrativen Vorschriften zusammenzufassen, sehr zu begrüßen und' zur Nachahmung auf anderen Gebieten zu empfehlen. L.