Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 25 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- Seite 197 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Seite 197 -i: ^ine gewaltige Ausdehnung erfuhr «das jüdisatoe Klubwesen, als die Jewis'h Athletic Association organisiert; wunde, in 'deren Sabutze heute an jedem Freiitiag nachmittag Tausend« jüdliscber Kinder lUMter ider Aursidbt von Lebret'-n <m Freien spielen .und turnen. Ein anderer Zweig sozialer Tätigkeit wurde 'ciiisrdh die Begr ihidumg 'des L a id's E m p 1 o y im e in t C o m m i 11 e e äuigenommeii, idas auf dem Gebiet der Kimdenarbeiit iselbständlig Bedeutender leistete, bis dlie Tätigkeit dieser Organisation von der Handelskammer übernommen wurde. Die bald darauf eingerichtete Loyal Jewiisih Lodge, die jetzt über 900 Mitglieder bat, aber auch die einzelnen schon bestehenden Vereine, führten ferner 'ein Vers:icheruings-Syste.m für 'ühne Mitglieder ein, .das sich vorzüglich bewährt bat. Gemeindeu. Vereinsnachrichten Wien. Der G a 1 j z i s c h e Hilis verein veranstaltet in den Räumen der B'nai B'rith-Vereinigungen, Wien IX, Universitätsstraße 4, Mezzanin, eine Verkaufsausstellung von echten Spitzen, gespickter Leib- und Tischwäsche zu ganz besonders billigen Preisen. Die Ausstellung ist geöffnet von 9 bis 1 und von 3 bis 7 Uhr: Donnerstag, den 4. bis einschließlich Samstag, den 13. Gleichzeitig versendet der Verein nachstehenden Aufruf: „Euer Hochwohlgeboren! Lähmender noch als auf den übrigen Erwerbszweigen lastet die traurige wirtschaftliche Lage, von der gegenwärtig Oesterreich betroffen ist, auf der hausindustriellen Produktion von Mode- und Luxusartikeln, die durch die Tätigkeit unseres Vereines in Galizien ins Leben gerufen wurden. Durch die im Frühjahr 1912 seitens der Banken erfolgte Krediteinschränkung, die sich häufig zu einer gänzlichen Kreditentziehung steigerte, durch die politischen Ereignisse, die seit Beginn der Balkanwirren auf das Erwerbsleben störend einwirkten, durch den in den Jahren 1912 und 1913 in Galizien infolge ungünstiger Witterung eingetretenen Mißwachs, endlich durch eine im laufenden Sommer stattgefundene Ueberschwemmung, die weite Gebiete Galiziens verheerte, hat sich die Notlage der Bewohner dieses Landes, die schon sonst eine chronische ist, so mächtig vergrößert, daß die Bevölkerung förmlich dem Hunger und Elend preisgegeben ist. Jede Einnahmsquelle aus Handel, Handwerk und Hausindustrie ist versiegt, dagegen aber die Teuerung der Wohnungen und Lebensmittel ins Unerschwingliche gestiegen. Es ist daher ein Gebot der Menschlichkeit, diesen armen Leuten Hilfe zu bringen. Jeder, der mit ihrer gräßlichen Notlage Mitleid empfindet, muß dazu sein Scherflein beitragen. Nicht dadurch, daß er Almosen spendet — die Verteilung von Almosen liegt außerhalb unseres Vereinszweckes — sondern daß er von den hausindustriellen Produkten, die auf unserer Verkaufsausstellung feilgeboten werden und die zu den schönsten Erzeugnissen in diesen Branchen zu zählen sind, kauft und uns dadurch in den Stand setzt, neue Aufträge den hungrigen Arbeiterinnen zu erteilen. Wir bitten daher Euer Hochwohlgeboren inständig, unsere Ausstellung zu besuchen und sich an diesem edlen Werke durch den Ankauf der vorzüglichen und zugleich äußerst billigen Waren zu beteiligen. Das Präsidium des galizischen Hilfsvereines." -. Wien. V o rir äge aus j ü d i s che r Gescb i cih te, Literatur aiind 'Koiltuir. Donneirsta<g, 'den 18. d M., Halb 8 Uhr abends, Irndet liim Festsaale des Ingeniemirwnd Architekten-Vereines, I. Eschenbaobgasse 9, ein Vortrag des Herrn Schriftstellers Dr. Adolf K o h u i (Berlin) statt. Thema: „Die deutschen Humoristen des Judentums in der Gegenwart." Eintritt frei ohne Karten. Wien. P r o b e p r e d i g t e ii im Tiinihauser Temp e 1. Herr Rabbiner Dr. Armän Abel e s wird im Fünihiamser Geniekidetempel, XV, Turrrergaisse 22, am Freitag, den 12. Dezember, beim Abendgottesdienste eine Gastpredigt halten. AUS ZILLEN WELTTEILEN Eine unglaubliche, aber doch wahre Geschichte. In Wien, dar Stadt der Massentauren. in der speziell jüdische Advokaten sehr gerne ihre Familien mit cder ohne Einschkiß ihrer eigenen Person taufen lassen, „um den Kindern die Karriere nicht zu verdarben", hat vor vielen Jahren ein Advokat sehr bekannten Namens, seinen einzigen Sohn taufen lassen wollen. Da die konfessionellen Gesetze die Taufe des siebenjährigen Knaben — Papa wollte selbst doch noch Jude bleib&n — nicht zulassen, kam der geniale Advokat auf eine nicht minder „geniale" Idee: Er fuhr mit dem Sohne nach Preßburg und brachte ihn von dort als Christen heim. Seitdem vergingen viele Jahre, bis der junge Mann volljährig wurde, um dann als — Christ die voraussichtliche Karriere zu machen. Aber er dachte nicht daran. Er ging nach Deutschland und wurde Dissident. Hierauf heiratete er in Wien eine Jüdin. Sie gebar ihm ein Mädchen. Wegen Eintragung dieses Kindes in die Geburtsmatrikel wandte sich der junge Vater an das israelitische Matrikelamt, „da er eigentlich nicht weiß, welcher Konfession er angehört". Das Matrikefamt erklärte sich mit der Eintragung einverstanden, da die Taufe des Kindesvaters seinerzeit der Gemeinde nicht angezeigt wurde. So zerrann der Traum des Vaters von der Karriere des Sohnes. Die Geschichte hat den Vorzug, daß sie wahr ist, und den Fehler, daß sie nur einzig dasteht in dem Strome der Wiener Massentaufen. Rabbiner Bär Graubart gestorben. In Breslau starb kürzlich der allbekannte Rabbiner aus ßendin (Polen), Rabbi Bär G r a u b a r t. Rabbi Graubart wurde 1846 in Schrenck (Polen) geboren und erwarb sich schon in jungen Jahren durch sein hervorragendes Thoraw;issen, wie durch seine unerschöpfliche Tatkrait auf allen Gebieten des jüdischen Lebens einen großen Namen in der jüdischen Welt. Er fungierte früher als Rabbiner in Plotzk, dann in Siedlitz, von wo aus er nach der altehrwiirdigen Gemeinde Bendin berufen wurde. Hier entfaltete er in der Gemeinde, wie in allen jüdischen Angelegenheiten eine so rege und segensreiche Tätigkeit, daß jhm unter den polnischen Rabbinern bald die Führerschaft zuerkannt wurde. Als erster Führer vertrat er auch die Interessen des Judentums, wie die seiner Standesgenossen in der vor einigen Jahren unter Mitwirkung des Ministeriums in Petersburg tagenden Rabbinerkonferenz und arbeitete mit liebevoller Hingebung in vielen Kommissionen derselben. Er hatte auch sonst mehr als einmal Gelegenheit, bei den höchsten Behörden die bedrohten Interessen Privater wie der Gemeinschaft mit Erfolg zu wahren. Er war ein glühender Freund und Förderer der Palästina- Arbeit, der?r eine warm gehaltene Broschüre widmete. Er gehörte auch zu den ersten russjsch-polnischen Rabbinern, die die Idee der orthodoxen Weltorganisation mit großer Begeisterung aufnahmen. An der Kattowitzer Versammlung nahm