Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 25 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. 25 „Neue National-Zeitung^ Seite 195 die zwei zion i s t i <s c h e n Kultusvorsteher ihren Parteigenossen gegenüber die ausdrückliche Verpflichtung übernommen haben, mit ihrer ganzen Kraft für die Erweiterung des Wahlrechtes einzutreten. Im Laufe ihrer bisherigen Gemeinde-Betätigung stehen diese beiden Herren zum erstenmale einem, großen Problem gegenüber, welches das lebhafteste Interesse der Wiener jüdischen Bevölkerung berührt; jetzt müssen die Herren zeigen, was sie können und' wodurch sie sich' von allen andern Kultusvorstehern unterscheiden. Für Dr. Stern und für das Vertreter-Kollegium ist dile Frage der Steuerreform eine Frage des Gemeindesäckels; vom alljüdi'schen und vom zionistischen Standpunkte handelt es sich hier um weit mehr, und zwar um die Heranziehe ng d e r jüdischen Bürgerschaft zur Mittätigkei t im Gern ei ndedie n s t und zur Mite n t s c h e i d u n g ü b e r das Wo h 1 u n d W e h e d e r G e m ein,de. Die öffentliche Sitzung vom nächsten Samstag ist für die Wiener Kultusigemeinde von sehr großer Bedeutung. In dieser Sitzung wird sich zeigen, wo die Freunde und wo die Feinde der jüdischen Bevölkerung izu suchen sind. Und es könnte ihr doch zu dumm werden, sich von einer selbstgewählten Koterie bevormunden zu lassen, der das Mandatchen mehr gilt, als die 'allgemeinen noch so wichtigen Interessen, als die Achtung vor der Würde der jüdischen Mitbürger. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Kinderspital der israel. Kultusgemeinde Wien. Wien. Das zur Beurteilung der eingelangten Projekte für das neu zu errichtende Kinderspital beim k. k. Ausarten eingesetzte Preisgericht hat einhellig den 1. Preis per 4000 Kronen dem Architekten Friedrich M ah l er, Wien IV, Mühlgasse 30, für das Projekt „Aufgärten" zuerkannt. An Stelle der m der Ausschreibung vorgesehenen 2. und 3. Preise per 3000 Kronen, bezw. 2000 Kronen, wurde einhellig je ein 2. Preis im Betrage von je 2500 Kronen zuerkannt dem Architekten Ignaz R e i s e r, Wien II, Vereinsgasse 16, für das Projekt „Jeled" und dem Architekten Richard M o d e r n, Wien VIII. Josefstädterstraße 30, für das Projekt „Maimonides". Ferner hat das Preisgericht einhellig beschlossen, dem Vorstaride der israelitischen Kultusgenieinde Wien zu empfehlen, die unter den Kennworten „Vidlo" und „Charitas" eingereichten zwei Projekte um den in der Ausschreibung vorgesehenen Betrag von je 1000 Kronen anzukaufen. Als Preisrichter haben fungiert die Herren: Ing. Heinrich OoIdemund, Stadtbau-Direktor der k. k. Reichisbaupt- und Residenzstadt Wien, als Vorsitzender; ferner als Mitglieder UMDr. Josef B r e u e r, Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Wien, Architekt Ferdinand' Felln e r, k. k. •Oberbaurat, Wien, Architekt Jakob G ar tn e r, Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Wien, Dr. Karl Ritter v. Helly, k. k. Staitthaltereirat, Landes-Sanitäts-Reterent. Wien, Architekt Dr. techn. Arnold K a r p 1 u s, Bau-Direktor der Wiener Baugesellschaft, Wien, Dr. Wilh. Knoepfeimacher, k. k. Universitäts-Professor, dir. Primararzt des Karolinen-Kinderspitales, Wien, Wilhelm K u i i n e r, Großindustrieller. Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde Wien. Architekt Max S e t z, k. k. Baurat, Chef der Statthai terei-Bauabteilung für die Wiener k. k. Krankenanstalten, Wien, UMDr. Josef P o 1- 1 a k, k. k. Universitäts-Professor, Wien. Ferner war den Sitzungen des Preisgerichtes der zukünftige Leiter der Anstalt, Herr Primarius Dozent Dr. Julius Z a p p e r t zugezogen. Die bei dem Wettbewerb für die Erlangung von Skizzen für das zu errichtende Kinderspital beim k. k. Augarten preisgekrönten obigen fünf Projekte, von weichen, wie nachträglich enunziert wird, das Projekt „Vidlo" Herrn Architekten Joisef H a h n zum Verfasser hat, gelangen zusammen mit den anderen eingereichten Projekten, ab D i e n s t a g, d e n 9. D ez e m b e r 1913 durch 14 Tage im S i t z u n g ssaale der isr. Ku 11 u sg e m ei nd e, Wien T, Seitenstettengasse 4, II. Stock, zur Ausstellung. Die Besichtigung ist täglich (mit Ausnahme von Samstag) in der Zeit zwischen 9 Uhr vormittaig und 5 Uhr -nachmittag gestattet. Diesen offiziellen Mitteilungen des Kultu'svorstandes ist folgendes beizufügen: Nach einem schweren Kampfe zwischen der Majorität des Kultusvorstandes und dem Präsidenten Dr. S t e r n, welch letzterer die Konkursausschreibunig iiirngehen und bloß seine Günstlinge zur Vorlage von Entwürfen einladen wollte, hat die Majorität gesiegt. Dr. Stern gab seine Demiission. nahm sie jedoch bald zurück und der Konkurs für alle jüdischen Architekten wurde ausgeschrieben. Und nun bekommt ein Künstler den ersten Preis, den niemand in der Öffentlichkeit bisher kannte und den auch Dr. Stern außeracht gelassen hatte, weil er keine bekannte Marke trägt. Ein bedeutender jüdischer Künstler wird entdeckt! So wurde die Protektionswirtschait des Doktor Stern;auch diesmal ad absurdum geführt. Franz Smolkas Denkmal. Wien. Dem unvergeßlichen Kämpfer für die Volksrechte, dem ehemaligen langjährigen Präsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses, Franz Smo 1 ka. ist in Lemberg ein Denkmal errichtet worden, dessen Enthüllung vor einigen Tagen stattfand. Auch wir sind S m o 1 k a Dank schuldig. Er hat gemeinsam mit Rabbiner Mannheimer im 48er Reichstag für die G i e i c h b e r e c h t i g u n g der Juden gekämpft; im galizIschen Landtag hat er im Jahre 1868 mit der ganzen Kraft seiner glänzenden Beredtsamkeit die Juden verteidigt 'und die Anerkennung ihrer Staätsbürgerr echte verlangt. Es ist kaum eine zweite solche Redte im Parlament oder im galizischen Landtag 'gehalten worden. Bereits bei Lebzeiten Smolkas haben die gali-