Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 25 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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öeite 194 Auf dieser Stufenleiter ist der Edle von Horowitz zu seiner jetzigen Position gelangt, die von naiven Fernstehenden und von 'korrupten Journalisten mit einem Glorienschein umgeben wird. Herr von Horowitz hat seit einiger Zeit altruistische Abwandlungen. Er möchte dem jüdischen Kaufmann-standie und dem jüdischen1 Massenfproletariat dal Galtizien 'gerne helfen. Er sieht ja ein. wie die Schiachta und ihre Hausjuden die jüdische Bevölkerung auf den Bettelstab heruntergebracht haben. Nun wäre nichts leichteres, als daß Horowitz und einige seinesgleichen ein größeres Kapital für industrielle oder Kredit-Zwecke aufbringen. Das geschieht aber nicht. Horowitz will Wohltäter sein mit dem Gelde der — Ica; er verlangt von ihr 'die Mittel zur Sanierung der ■galizischen Juden, auf deren Rücken er emporgestiegen ist. Die Ica lehnt nicht ab, sie macht ihre Hilfsaktion lediglich davon abhängig, daß Horowitz und seine Freunde auch einen Beitrag hergeben. Aber auch dies ist dem Horowitz zuviel nud damit ist die ganze Hilfsaktion g escheitert. Oder -nehmen wir die jetzige Landtagswahlreform in Galizien. Im ganzen Lande ist niemand da, der für eine 'gerechte Mandatszuweisung an die Juden das maßgebende Wort sprechen würde; das Schicksal der Juden liegt in den Händen von Horowitz und Löwenstein, deren einzige Sorge darin besteht, den polnischen Demokraten, nicht aber den Juden, Mandate zu sichern. Zum Schlüsse drängt sich die Frage auf: „Mit welchen Worten hat Herr von Horowitz sein jüdisches Selbstbewußtsein und seine jüdischen Hoffnungen dem Kaiser'gegenüber geäußert?" Wir glauben aber gar nicht, daß Horowitz dazu Zeit und Gelegenheit hatte. Es handelt sich bloß um Stilblüten, die wahrscheinlich nicht ganz um'sonst verschwendet wurden. L. Zur Statutenreform der Wiener Kultusgemeinde. Am nächsten Samstag tritt der Wiener 'Kultusvorstand endlich zur Beschlußfassung über eine Statutenreform zusammen. Die Tagesordnung lautet: Anträge des Vertreterkollegiums auf Aenderung einzelner Punkte des Statutes. Auf den Einladungen zu dieser Plenarsitzung ist auch ausdrücklich bemerkt: Zur Beschlußfassung über (diesen Gegenstand ist nach § 17 des Statutes die Anwesenheit von (mindestens 22 Vorstandsmitgliedern erforderlich. Liest man die Tagesordnung, dann wird man wirklich gespannt. Seit vielen Jahren verlangt die jüdische Oeffentlichkeit dringend eine Revision der Kultussteuer und des Kultus wahl rechtes, und zwar in erster Linie nach der Richtung, daß d a s!M i n im um der Steuer von K 20 auf K 10 herab* gesetzt und -dadurch weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung zur Wahlbeteiligung herangezogen werden. Andere Fragen einer Steuerreform, wie beispielsweise die Brhöhurug des Steuermaximiums von 12.000 auf 20.000 Kronen spielen ja für die 'Bevölkerung keine wesentliche Rolle, da ja bekannt ist, daß es sich hier um Personen handelt, deren Namen an den Fingern abgezählt werden kann. , Allein man weiß auch, daß eine Steuer- und Wahlreform ilm demokratischen Sinne im Präsidenten Dr. Stern einen verbissenen Gegner hat. Bereits vor Jahrzehnten, als Dr. Stern noch gewöhnlicher Kultusvorsteher war, hat er mit Kniffen und kleinlichen Argumenten, die einer strengen und* logischen Kritik garnicht standhalten können, der Demokratisierung des Wählrechtes innerhalb der Kultusgemeinde entgegengearbeitet. Er wunde dann älter und darum noch nicht verklärter, sondern noch autokratischer. Zu wiederholten Malen wurde anläßlich der Kultuswählen seitens der offiziellen Kandidaten eine Wahlreform im demokratischen Sinne v e r s p r o c h e n. und dieses Versprechen dann nicht'gehalten. Letztens, noch vor drei Jahren, bevor durch das Kompromiß mit den Zionisten jeder Wahlkampf ausgeschaltet wurde, haben die Kandidaten, unter anderen Herr Dr. S a m u e 1 y und Herr Brod in ihren Programmreden versprochen, sich im Kultusvorstande für eine Wahlreform in diesem Sinne einzusetzen. In der ersten Sitzung, bei der diese neugewählten Kultusvor.steher erschienen sind, es war dies im Dezember 1910, hat Herr Doktor Samuely im Namen seiner „engeren Freunde" in ö f f e n 11 i c h e r Sitzung neuerlich g e 1 o b t, das Banner der Wahlrechts-Erweiterunig hochzuhalten. Allein, trotzdem rührt sich garnichts. Der Kultusvorstand wird niedergehalten von der Faust des Dr. S t e r n, die gar nicht so stark ist, wie man sich bei der Frage des Kinderspitaibaues überzeugt hat. Damals hat sich eine Majorität 'ge.gen Dr. Stern gefunden und Dr. Stern hat sich demütigen müssen, indem er seine Demission ohne jedes Vertrauensvotum zurückgezoigen hat. Was bei dem Bau des Kinderspitales gelungen ist, sollte nicht dort möglich sein, wo es sich um die politische und moralische Entwicklung dar ganzen Gemeinde handelt? Wird Dr. Stern nicht doch nachgeben müssen, wenn er sich überzeugt, daß tatsächlich die Majorität des •KultusVorstandes d e m o k r a t i si c h gesinnt ist u»nd weitere Schichten des jüdischen Bürgertums zum Wahlrecht und damit zur Mitbetätigung im Interesse der Gemeinde heranziehen will? Vorläufig scheint sich diese Majorität noch nicht organisiert zu haben. Wie wir erfahren, wird die Aenderung des Statuts bei der nächsten Vorstandssitzung nur auf 2 Fragen beschränkt bleiben:- auf die Frage der Erhöhung des Steuermaximum;s von 12.000 Kronen auf 20.000 Kronen, sowie darauf, daß, wenn sieh innerhalb der dreijährigen Steuerveranlagungsperiode die Verhältnisse der einzelnen Steuerträger wesentlich bessern sollten/ihnen innerhalb dieser Periode die Steuer erhöht werden kann — Aenderungen, die lediglich von fiskalischen 'Momenten diktiert sind. Dagegen erschien dem Vertreterikollegiuim die Erweiterung des Wahlrechtes und Herabsetzung des Steuerminimunis keineswegs aktuell, im Widerspruche zur jüdischen Oeffentlichkeit, die der Ansicht ist, daß auch K u 11 m s v o r s t e her als a n s t ä n - d ig e M e n s c he n -ihr g e g e b e nesVersprec h e n e i n h a 11 <e n s o 111 e n. Die (Situation; innierhalfb des Kultusvorstandes hat sich auch in letzter Zeit insofern 'geändert, als