Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 25 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2425679-2425884-2425910--2804-2429307- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nsüs Wien, 12. Dezember 1913. Der dreiunddreißigperzentige Komthur. Nr. 25. Es kommt gewiß sehr oft vor, daß Männer jüdisctoer Abkunft für Verdienste oder ohne Verdienste durch einen Titel oder Orden ausgezeichnet werden. Es kann aber nicht Sache unseres Blattes sein, alle diese Auszeichnungen zu registrieren. Betreffen sie doch zumeist Personen, die sich von ihrem Volke, seinen 'Kämpfein und Bestreibungen fernhalten, deren Verdienste, wenn sie welche haben, auf ganz anderen Gebieten liegen, als auf dem jüdisch-politischer oder jiMisch-philant'hropischer Betätigung. Kommt aber wirklich ein solcher Fall vor. dann freuen wir uns, ihn in unseren Spalten zu publizieren und der weitesten Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Leider kommen wir sehr selten in diese Lage. Die jüngste Auszeichnung des Präsidenten der Lemiberiger Handelskammer, Samuel von Horowitz, mit dem Komtnrkreuz des Franz Josef- Ordens, gehört nicht in diese Kategorie. Horowitz wurde nicht als Jude, nicht als jüdischer Politiker oder Philanthrop, denn er ist keines von beiden, sondern als Handelskammerpräsident und als Schleppträger der polnischen Schlachta, als derjenige, der die Interessen der galizischen Juden stets aus Gründen persönlicher Vorteile an die Polen preisgegeben hat, dekoriert. Und darum war es für uns naheliegend, diese Auszeichnung eines Hauptschä tili n g s d e r j ü d i s c h e n Bevölkerung nicht auf das jüdische Konto zu setzen, sondern mit dem Schweigen der Verachtung darüber hinwegzugehen. Aus dieser Reserve müssen wir aber heraustreten, wenn das Wiener Organ für die gesammelten Interessen des Judentums sich unterfängt, aus leicht begreiflichen Gründen Herrn von Horowitz zu verherrlichen, ihn als „hervorragenden jüdischen Patrioten" zu preisen und als den beruf enen Fürsprecher der Juden vor dem Throne hinzustellen. Das ist ein schamloser Versuch, die jüdische öffentliche Meinung irrezuführen. Noch ist die galizische und die österreichische Judenschäft nicht so tief gesunken, daß Samuel von Horowitz in ihrem Namen „Worte jüdischen Selbstbewußtsein« und jüdischer Hoffnungen" vor dem Throne äußere. Er mag seine Rolle als Hausjude des galizischen' Statthalters weiterspielen, vor dem Throne können als Repräsentanten der österreichischen Judenschaft nur Männer mit reinen Händen, edler G e s i nn u n g und anerkanntem Gemein sinn auftreten. Dies alles blieb Horowitz versagt. An dem Millionen vermögen, das er erworben hat. kleben Seufzer, Tränen und der Fluch vernichteter Existenzen. Eines dieser Opfer hat die Geschichte seiner Enteignung in einem Buche niedergelegt. Horowitz hält sein Vermögen krampfhaft zusammen. Bruchteile kommen nur unter das Volk, wenn es gilt, dasselbe für sich oder den Schwiegersohn Löwenstein für Wahlzwecke .zu korrumpieren. Der Mann hat noch nie ein edles Werk oder eine menschenfreundliche Idee selbstlos unterstützt; einmal hat er das Defizit der galizischen Landesausstellung gedeckt und damit den Adel erkauft. Man wird nun fragen: Wie kann dieser Mann eine erste politische Rolle als jüdischer Führer spielen? Die Antwort darauf ist einfach: Der charakterlose, 'unterwürfige, im Gelderwerb und im politischen Korruptionsgeschä'ft nicht wählerische Jude ist für die polnische Schlachta ein willkommenes Werkzeug. Kahalwirtschaft und Senkten täherrschaft helfen sich und ergänzen sich gegenseitig. Der Kahalhäuptling treibt der Schlachta das jüdische Stimmvieh zu und hiefür wird er begünstigt und ausgezeichnet.