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Neue Nationalzeitung · 1913-11-28 · Heft 24 (28.11.1913) · p. Seite 191

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 24 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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Kr. 24__„Neue National-Zeitnng* Gebiete der. Bibelwissenschaft, ist im 76. Lebensjahre verschieden. Wir erwähnen von Wunsches zahlreichen Arbeiiitlen folgende: „Der Prophet Hosea übersetzt und erklärt", „Die Weissagungen des Propheten Joel übersetzt und erklärt", „Bibliotheca Rabbinioa, eine Sammlung abter Midrascfoim ins Deutsche übertragen", „Der babylonische Talmud i/n seinen haggadischen Bestandteilen", „Der Midraisch Tehillim" und ,*Aus Israels Lehrhallen". Mit Rabbiner Dr. Winter zusammen gab er „Die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons" heraus. Bas Leiborgan des Wiener Kultuspräsidenten versucht wieder einmad die öffentliche Meinung irrezuführen. Im Briefkasten (ihrer letzten Nummer schreibt „Bloch's Wochenschrift": „N. S. In der Kirche zu Kalwarya, Kreis Wadowioe, Galiizien, etwa leine Stunde von Krakau entfernt, sah ich 1906 eün großes Altarbild mit der Darstellung eines sogenannten Riituaimordies. Es wäre Sache der Krakauer K'ul t u s g ern ein de, diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zu wiidmen." Der erste Satz enthält eine vor zwanzig Jähren der Oeirentlichkeit /bekanntgegebetne Tatsache, auf dlie 'in oinsenrem Blatte .wiederholt, jüngst sogar an leitender Stelle hingewiesen wurde. Der zweite Satz dagegen verdreht die 'Kompetenzfrage, Wir hiaben bekanntlich in Wien eine „Israelitische Allianz" und einen „0 es ter rei cih i s ch - I&lr ae Ii t is che in G einein de b und". An der Spitze bekler steht als Präsident Herir Dr. Alfred Stern, Präsident der Wieneir Kuitusgemeinde. Ist es nicht viel naheliegender, daß sich idiiese beiden Organisationen mlit dler Entfernung des Hetzhildes zu beschäftigen hätten. Das wäre ihre Pflicht und gehört auch zu ihrem Ressort. Soll die vereinzelt dastehende 'Krakauer Gemeinde das durchzusetzen, was die am Sitze der Zentralbehörden befindlichen, von einflußreichen Juden geleiteten, im Besitze großer Mittel befindlichen Organisationen — nicht einmal versuchen? Und für diese PfLichtvergessenheiit soll die Krakauer Gemeinde verantwortlich gemacht werden? Eher sollten Leute, denen die kumulierten Präsidentten-Aemter über die Kraft gehen, ihre Eitelkeit bezähmten. Sonst schädigen sie die jüdischen Interessen. Und sie geben sich eine empfindliche Blöße, wenn sie in ihier Unbeholienheit die Verantwortung auf andere überwälzen wollen. Gemeine Kniffe der rumänischen Regierung. Die rumänische Regierung läßt durch die offiziöse Presse verkünden, der Ministerrat habe beschlossen, sofort Erhebungen wegen der Juden, die am jüngsten Kriege teilgenommen haben, anzustellen und in einer Gesetzesvorlage ihre Naturalisation zu beantragen. In einem erstaunlichen Widerspruche zu dieser halbamtlichen Meldung steht eine Geheimorder des rumänischen Generalstabes an die Regimentskommandeure, deren vollen Wortlaut sich die rumänische Zeitung „Scara" verschafft hat und unter der Ueberschrift: „Ein Akt der Undankbarkeit. Die Mobilisierung und die Juden" veröffentlicht. Diese Geheimorder enthält u. a. folgende Anweisungen: „Die Kompagnie-Kommandeure müssen die Gesinnung der nichtrumänischen, besonders aber der jüdischen Soldaten genau kennen zu lernen suchen. Entsprechend einer früher erteilten Order bleibt es weiter wünschenswert, daß Juden nicht befördert werden. Um jedoch keine Mißstimmung hervorzurufen, müssen Sie Ihre Meinung über die jüdischen Soldaten möglichst geheimhalten; es darf nichts veröffentlicht werden, woraus sie ersehen, daß wir an ihrem guten Willen zweifeln. Wenn Sie es für notwendig halten, Soldaten von nichtrumänischer Abstammung zu befördern, so sollen die Gründe hiefür in einem vertraulichen Bericht angegeben werden." Seite 19t Die Jüdische Gemeinde in Paris. Der Jahresbericht für 1912 der Pariser j ü d i s c h e n Gern e i n d e enthält einige interessante Angaben. Der Bericht beschäftigt sich put mit religiösen Organisationen. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen während des Jahres 1,120.020 Francs. Dabei ist bemerkenswort, daß dfoese Einnahmen von nur 4000 Mitgliedern aius einer gesamten jüdischen Bevölkerung von nahezu 100.000 Seelen herrührten. Deutlich erkennbar ist die Tendenz, sich bei Eheschließungen mit der Zivilfcrauung zu begnügen. Im ganzen fanden 1912 nur 334 durch Rabbiner vollzogene Trauungen statt. Die Anzahl der Bar Mizwafos während des Jahres betrug nur 229. Es bestehen 33 ReligSiomisklassen für etwa 3000 Schüller, von deuten die meisten Kinder von Einwanderern sind. Der englische Lord-Oberrichter als Jude. Lord Chief Justice Rufus I s a a c s hat anläßlich der Teilnahme an dem Lord-Major-Bankett den Anlaß benützt, um sein Judentum öffentlich zu bekunden. Im Laufe seiner Rede sagte er folgendes: „Ich kann Sie heute abend in der City nicht ansprechen, ohne daran zu erinnern, daß ich diese Stellung jetzt nicht einnehmen würde ohne die vielen langjährigen Kämpfe für religiöse Freiheit in der City. Ich wäre undankbar, wenn ich diese Gelegenheit vorübergehen ließe, ohne Sie daran zu erinnern, daß die City vor allen anderen daraui drang, daß Mitglieder der Gemeinschaft, der ich angehöre, in Ihre Körperschaft aufgenommen werden. Und es war wieder die City, die den Kampf für die Vertretung durch meine Religionsgenossen im Unterhause führte. Ich habe einen Augenblick diese Dinge berührt, welche vielleicht nicht besonders zu dem Toaste geeignet sind, den ich erwidern soll, es geschah, weil ich wider alles, was in mir ist, gehandelt hätte, wenn ich diese Gefühle nicht geäußert hätte, weil ich weiß, daß die Erinnerung so schnell vergeht, und daß jetzt eine ganze Nation will, daß eine völlige religiöse Freiheit und Gleichheit hier herrsche, das noch nicht der Fall war, als die City den Kampf führte, der mich hieher stellte." Die Juden in Marokko — rechtlos. Trotzdem jetzt Marokko unter französischer Herrschaft sich befindet, hat sich die Rechtslage der dortigen Juden nur unwesentlich gebessert. Die französische Regierung hat dieser Tage einen Erlaß über die richterliche Organisation Marokkos veröffentlicht. Derselbe enthält Bestimmungen, die die gehegten Hoffnungen der dortigen jüdischen Bevölkerung enttäuschen. Die Lage bleibt wie bisher die, daß die Juden, soweit sie französische Untertanen oder auch Schützlinge eines anderen Staates sind, ganz der französischen Gerichtsbarkeit unterstehen. F ü r alle anderen hingegen, d. h. für die weitaus größte Mehrzahl (einheimische Juden), gilt in Zivilstandesiragen ihr religiöses Recht (richterliche Funktionäre: die Rabbiner), in allen bürgerlichen und Strairechtstragen hängen sie von den marokkanischen Gerichten ab. Der gleiche Zustand herscht bekanntlich auch in Tunesien, wo er zu einer tatsächlichen Entrechtung der Juden geführt hat. Jüdische Zeugenaussagen werden z. B. von den Kadis und Paschahs einfach nicht anerkannt, und die Rechtsprechung den Juden gegenüber ist zu reiner Willkür geworden. Anläßlich der Neuordnung der Gerichtsorganisation in Marokko hatte man gehofft, daß die Regierung, welche sich über den Wert der Juden für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes stets in anerkennendster Weise geäußert hatte, Garantien für eine ordnungsgemäße Rechtsprechung zugunsten der Juden schaffen würde. Besonders stark war diese Hoffnung in den Kreisen der „Alliance", und es waren mehrfach Schritte in diesem Sinne unternommen worden. Allein sie halfen nichts, es blieb alles beim alten, und die rechtliche

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