Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 24 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 192 ,Neae National-Zeitang" Nr. 24 Lage der Juden in Marokko wird sich genau so unbefriedigend gestalten wie die der tunesischen Juden. Kleine Nachrichten. In Tarnow wurde eine Gasse zu Ehren des im Vorjahre verstorbenen Vizebürgermeisters Dr. Elias Go 1 d h a m m e r, „Goldhammer-Gasse" benannt. — Der Großindustrielle Siegni. Mandl In Proßnitz vermachte 200.0W Kranen für wohltätige Zwecke, je 20.000 der Stadtuud Kultusgeiv.sr.de. — Rabb. Dr. H. Aschkenasy aus Bucnos-Ayres, der «.ich auf einer Inspektio-ns-Resse durch das Land befand, wurde in der jüd. Kollonie Moiseville plötzlich vorn Tode überrascht, In der Kolniidre-Nacht wurde er vom Herzschlage getroffen. Erst gegen Mittag, als der Rabbiner noch immer nicht -in der Synagoge erschien, begab .nuan sich nach seiner Wohnung und fand ihn anscheinend schlafend, in Wirklichkeit entseelt vor. Der Arzt der Kolomie konnte nur feststellen, daß der Tod u>ni Mitternacht eingetreten war. Bei der Trauerfeiier * nach dam Feste sprachen 4 Redner. Sämtliche Kolonisten geleiteten die Bahre zur Bahn. Am 23. November 'ist die Baisetzung in Berlin erfolg*. — Dr. T. Sternberg, Privatdozent an der Universität Lausanne, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Tokio (Japan) ernannt werden. Zeitschriften-Rundschau. Jakob Wassermann gegen Proteste wegen der Blutanklage. Bekatmtlich haiben der Dichter Z a n g w i 1H einerseits und die Berliner jüdische Gemeinde anderseütis, ganz unabhängig voneinander, den Standpunkt vertreten, daß es der Würde des Judentums widerspreche, sieh gegen derartige niedrige Verfeumdungen, wie die abgefeimte Blu'tlüge, za verteidigen oder giar dagegen zu protestieren. Dieser Ansicht schließt sich auch der bekannte Dichter Jakob Wassermann, ein bewußter Ju:ie, an. In einem Feuilleton über dien Roman Aage Madelungs „iDiie Gekennzeichneten", das er in der „Frankfurter Zeitung" vor einigen Tagen veröffentlichte, ergreift er die Gelegenheit, um a'ueh zum Kiewer Prozeß und zur Blutbeschuldiigung SteMung zu nehme?!. Er frut 'dies müit sehr beredten Worten und mit großer Offenherzigkeit Denn es sind gerade die maßgebendsten Wiener Tagblätter, die die „demütigen Nachfragen" bei Bischöfen, Gelehrten usw. publizierten. W asser mann schreibt nun: „Der Jude ist sehr empfindlich gegen aille Angriffe auf seine Religion, seine Ueberlieferungen und die Reinheit seiner Ueber/eugungen. Aber um das offenbar Absurde, dais böswillig Verzerrte, das undurchschaubar Verleumderische n-iedriger Verdächtigungen .arjauwehren, dazu fehlt es (ihm an Stolz. Ich bin im Innersten davon durchdrungen, und jeder Mensch von Gesittung und •natürlichem Gefühl äst es, daß ein Mord aus rituellen Motiven im Judentum niemals verübt worden ißt, nie seit Vorschrift und Kultus dien Sinn und Jirohailt besitzen, den war in historischer Zeit an ihnen kennen. Angenommen jedoch, es gäbe einen solchen Mord, und irgendwem in der Welt scheint es nützlich, für diese Tat eines Fanatikers oder eines Wahnsinnigen ein ganzes Volk verantwortlich zu machen, warum 'sollte sfieih dann das ganze Volk dafür verantwortlich fühlen? Warum diese Nervosität, diese Angst, diese Unruhe? Wairum diese Bittgänge um Bescheinigungen, um Wohlvertoaltungszeugmsise, {diese demütigen Nachfragen bei Bischöfen, Gelehrten und honen Herren? Dünkt es dem Juden unerläßlich, sich seinen Leumund amtlich oder von den Machthabern dier Gesellschaft bestätigen zu lassen, so werfe er einen Blick in die vergleichenden Statistiken der Verbrechen, ersuche um ein Dokument über seine birrgerlictoe Führung, verfertige eine Liste seiner Trunkenbolde, seiner Lustmörder, seiner Diebe, seiner Räuber und fordere von dem Tribunal der Menschheit einen Spruch, ob lirgendwelohe Gewalttat, igend ein Rechtehruch, den er begangen, auch nur ein Schatten von Sühne sei für dfe zahllosen Metzeleien, denen die ^zwischen verflossenen Jahrhunderte nichts von ihrer Schauerlichkeit genommen haben, für die Einschränkungen und 'Erniedrigungen, d'iie grausame Haft in abgespannten Vierteln, die Vertehmung durch Schandzeichen, und noch unlängst, so daß wir es denken können, für die Hekatomben von Geschlachteten, die Armeen von schutz-'los Aufsgestoßenen, deren Leben und Glück dias heiligte russische Reich der Religion geopfert hat und noch opfert, die sich die Religion der Liebe nennt. Es ist dieselbe Religion der Liebe, in deren Namen die Bartholomäusnacht gefeiert, ■zwanzigtausend Hexen verbrannt, zwieimalthundorttiausend Ketzer gefoltert und zu Tode geführt, Montezuma von Mexiko auf den glühenden Rost gelegt und stein edles Volk vom Erdboden vertilgt wurde. Die Ursache solcher Taten ist aber gemeinhin v'iel weniger als man denkt, die religiöse Intoleranz. Es ist Politik, meuchlerische Politik, und auf sofche Politfik .mit Atitesten izu antworten, die beweisen sollen, daß man antiig und iromm war, ist so, wie wenn einer, der aus dem Hinterhalt! mit vergifteten Pfelilen beschossen wird, ausruft: „Warten Sie ein bißchen, bis ich mein Schulzeugnis geholt habe." Liste der Ausgetretenen. Vom 12. bis 24. November 1913. (Nr. 413—434.) Adler Josef Allred, Beamter, geb. 14. Jänner 1886 in Pilsen, VI, Eggertgasse 8. Bader Alfred, Bürgerschullehrer, geb. 12. Juli 1879 in Boskowitz, VI, Haydengasse 17. Beck geb. Tiger Josefine, Private, geb. 11. Oktober 1882 in Kaminka, VII, Neubaugasse 59. Brajudla Damenstern geb. Anszer, Private, geb. 17. Jänner 1890 in Kielce, IV. Wiedener Hauptstraße 7. Bratter Margarethe, Private, geb. 24. Mai 1895 in Wien, XIII, Zehntnergasse 41. Kohn Ottilie, Private, geb. 22. Februar 1876 in Czernowitz, IX, Aiserbachstraße 10 a. Löwy Dr. Heinrich, geb. 7. April 1884 in Wien, Zürich. Rosenzweig Alfred, Tischler, geb. 9. Mai 1887 in Bjelitz, II, Schüttaustraße 46. Saborsky Andreas, Gesandtschaftsbeamter, Saint Mande bei Paris, III, Essergasse 7. Schönwald Franz, Privatbeamter, geb. 16. Juli 1885 in Wjen, II, Obere Donaustraße 45 a. Schutzmann Bernhard Aron, Hutmachergehilfe, geb. 28. November 1888 in Sofia, V, Wimmergasse 8. Tauber geb. Schmidt Else, Private, geb. 27. April 1886 in Wien, VIII, Florianigasse 54. Wollenberg Anton, Techniker, geb. 8./20. November 1889 in Warschau, VI, Gußhausgasse 20. Krauth Louise, geb. 24. Oktober 1889 in Wien, II, Taborstraße 40. Huppert Arnold, Briefträger, geb. 3. Dezember 1889 in Wien, XIII, Zehetnergasse 14. Redlich Karl, Reisender, geb. 8. November 1859 in Schönberg, VII, Siebensterngasse 56. Beck Oscar Jacob, Assistent, geb. 28. September 1882 in Brünn, VII, Neubaugasse 59. Drublowicz Judith, Lehrerin, geb. 4. August 1877 in Genf, VII, Stollgasse 3. Dr. Boros Ludwig, geb. 1. August 1863 in Lapjspatak, V, Bräuhausgasse 84. Stern Alfred, geb. 2. November 1879 in Buchlowitz, XXI, Konstantiagasse 8. Hammerschlag Margarethe, Kontoristin, geb. 13. Februar 1881 in Wien, XIII, Weidlichgasse 7. Kohn Erna, geb. 10. November 1889 in Nikolsburg,. II, Robert- - gasse 1. - . , . . .;;;;:v:D