Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 24 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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{Hr. 24 „Neue National-Zeitüog^ Seite 189 schweren Berufe zum Wahle der ganzen Gemeinde nachgehen ikönnen. — Dann Averdiem war unsere RabbameT, »die wir lieben und ehren, diiohit weghaben wollen oimd aie alisa Glicht wünschen werden, von den Minen Heb 'und teuer gewordenen Stätten wegzukommen, wo sie em weites Feld für tfhre Gott gefällige Tätigkeit haben. ■Pur viele BezirkskommTSsiotismätgldeder Jakob S. S it <r *a ß b « r g. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Max Schmidt. Wien. Durch einen tragischen Zufall ist ein junges, hoffnungsvolles 'Menschenleben, von welchem die Judenschaft in sozialer Beziehung noch viel zu erwarten hatte, zu Grunde gegangen. Herr Max S c h m i d t, kaum 34 Jahre alt, ist auf einer Geschäftsreise 'durch' Frankreich 'bei einem Eisenbahnunglücke getötet worden. Der Verstorbene, der in seinem Berufe langjähriger Prokurist der Fa. Johann Kremenetzky und S'^it jüngster Zeit selbständiger Industrieller war. ist in den Kreisen, die sich mit der jüdischen Emigration beschäftigen, als ein ungemein tätiger und energischer Mann bekannt. In Bialystok geboren, widmete er sich bereits in jungen Janren der zionistischen Bewegung und schloß sich dann in Wien den „Poale Zion" an. Als ZangwiM aus der zionistischen Partei austrat und die „Ito" gründete, war der Verstorbene einer der Ersten, die sich ihm anschlössen. Sein spezielles Fach war die Emigration und er war auch einer derjenigen, die für die Eimiberufung eines Emigrations-Kongresses nach Wien tätig waren. Er bekleidete im Wiener Verein „Ito" das Amt eines Schriftführers und führte auch bei der vorjährigen Ito-Konferenz in Wien das Sekretariat. Als Freund •und Mitarbeiter Zangwifls wurde er zum Intemational-Rat der „Ito" bestellt. Der tragische Tod von Max Schmidt bildet angesichts der so großen Apathie der jüdischen Kreise in Wien gegenüber all jüdischen Interessen einen schweren Verlust für das Judentum 'und wird von allen Bekannten, die mit ihm zusammen arbeiteten, schmerzlich beklagt. Mag dies wenigstens für seine schwer getroffenen Eltern und Gattin ein Trost sein. Die Delegationen. Wien. In die österreichische Delegation ist. wie wir es ja schon seit Jahren gewohnt sind, kein jüdisches Mitglied dies Abgeordnetenhauses entsendet worden. Selbst der Poienklub, in dem die jüdischen Mitglieder zu den tüchtigsten, aber auch zu den ergebensten Mitgl-jedern gehören, hat keinen Judien delegiert; das ist won'l für die Position der „Hausjuden" im Po'lenkiub s!ehr charakteristisch. Dagegen hat diesmal das Herrenhaus ein jüdisches Mitglied, und zwar den Handelskammer-Präsidenten von Pejcherberg, Herrn Alois N e u m a n n, in die Delegationen entsandt. Auf ungarischer Seile gehören den Delegationen zwei Juden an: vom Magnatenihaus Dr. Chorin und vom Reichstag Dr. Vaszony. Vom Standpunkt der jüdischen Interessen erwarten wir von aillen diesen drei Herren gar nichts. Es gibt zahlreiche jüdische brennende Fragen, die auf die Tagesordnung der Delegationen gehören, wie die Zurücksetzung jüdischer Staatsbürger aus Oesterreich - Ungarn in Rußland, respektive d i e Paß-Schikanen derselben seitens der russischen Behörden, sowie die Verletzung des Berliner Vertrages durch die r u m än isc heR eg i e r u n g respektive die Verfolgungen der Juden in Rumänien. Es steht allerdings nicht zu erwarten, daß Graf Berchtold sich für jüdische Interessen echauffieren könnte, allein die gertainnten Probleme schreien geradezu nach der parlamentarischen Tribüne der Delegationen. In der letzten Nummer der „Voilkswebr" wird an leitender Stelle die Praeteriierung Dr. Strauch e r s bei der Wa'h'1 eines Delegierte,n der Bukowina eingehend erörtert. Es wird dabei bemerkt, daß der sich sonst als Judenfreund gerierende Herr W a s i 1 k o die Wahl des Dr. Straucher in die Delegationen damit zu hintertreiben suchte, daß derselbe die Absicht habe, in den Delegationen den Beilis-Prozeß zur Sprache zu bringen. Immerhin ist es bezeichnend für die „Allmacht'' des Judentums, daß in der österreichischen! und in der ungarischen Delegation über die vitailsten politischen und sozialen Fragen des Gesamtfudentiims kein Mensch ein Wort verlieren wird. Zur Wahl eines neuen Rabbiners. Wien. Nachdem die Wahl-Episode in der Leopoklstadt vorüber ist. beginnen nun hinter den Kulissen Kämpfe wegen Besetzung der Rabbieerstelle in Fünf haus. Auch hier werden, wie es bisher noch immer bei der Besetzung von Rabbinerstel;ien in Wien der Fall war, Fähigkeit und Wissen gegen Schwägerschaft und Protektion zu kämpfen haben. Unabhängig davon hat sich in den Kreisen hervorragender Gemeindemitgrieder eine Bewegung geltend gemacht, welche dahingeht, die vakante Rabbinersteile mit einer Persönlichkeit aus dem Kreise der Vereinsrabbiner zu besetzen. Unsere Lesjr finden hierüber an anderer Stelle eine ausführliche Zuschrift dies Qbmannstel'rver treters für den IV. und X. Bezirk, Herrn Jakob S t r a ß b e r g. Wie wir erfahren, kommen für die Stelle vier Persönlichkeiten ernstlich in Betracht: vonden Wiener Vereinsralbbinern die Herren Dr. A b e 1 e s und Dr. Tag! i c h t. von auswärtigen Rabbinern die Herren Dr. Funk in Boskowitz und Doktor Schweiger in Erlau. Ein Dankschreiben an Rabbiner Dr. Feuchtwang. Wien. Aus Anlaß des in der „N e u e n N a t i on a 1 - Z e i t u n g" vom Rabbiner Dr. Feuchtwa n g veröffentlichten Nachrufes ist demselben von der einzigen Tochter des verstorbenen, unvergeßlichen Rabbiners Dr. Schmied! nachstehendes Dankschreiben! (zugekommen: