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Neue Nationalzeitung · 1913-10-31 · Heft 22 (31.10.1913) · p. Seite 173

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 22 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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Hr. 22 ..Neue National-Zeitung" Seite 173 aussprechen zu müssen, daß Fürstprimas Csernoch der jüdischen Familie nur deshalb die Ehre seines Besuches erwies, weil damit gew isse T a u f p 1 ä n e in der Familie Hatvany- Deutsch lin Verbindung stehen. Der Zionismus als Geschäft! Der Zionistische Verband ehemaliger H o c h s c h ü 1 e r in Wien versendet folgenden Aufruf: „An die zionistischen Advokaten, Aerzte und Ingenieure Oesterreichs. Der zionistische Verband ehemaliger Hochsohüler in Wien hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Verzeichnis der zionistischen Advokaten, Aerzte und Ingenieure Oesterreichs anzulegen, das in Druck gelegt und jährlich erneuert den Verbandsniitgliedern zugesandt werden soll, um ihnen Gelegenheit zu bieten, bei der Auswahl beruflicher Stellvertretung in erster Linie Gesinnungsgenossen heranzuziehen. Da der Verband von dieser Aktion eine wirtschaftliche Stärkung seiner Mitglieder erhofft, werden alle zionistischen Angehörigen obiger ßeruiskreise ersucht, Namen, Stand und Adresse dem Verbände mitzuteilen. Gleichzeitig ergeht an die Vertrauensmänner des jüdischen Nationalfonds das Ersuchen, die Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise auf die Aktion zu lenken und sich gegebenenfalls ■•mit .dem Adresseiimaterial ihres Sprengeis an die Verbandsleitung izu wenden." Dieser Aufruf erstrebt eine ganz eigenartige Neuerung. Bisher war es den Antisemiten vorbehalten, ein Verzeichnis ihrer Anhänger in verschiedenen Berufen zu publizieren, .damit die Juden boykottiert werden. Innerhalb der Jaidenschaft war dies bisher nicht üblich. Sonst hätten wir ja Listen von Juden orthodoxer und .reformatorischer, polnisch-, deutsch- und tschechisch-assimilatorischer Richtung usw., also Proskriptionen von jüdischen Kollegen anderer politischer Schattierung. Trotz -der unerquicklichen politischen Verhältnisse in der Judenschaft, ist dies noch keiner Partei eingefallen. Erst die Wiener Zionisten machen damit den Anfang. Die Gewissensfreiheit in Ungarn. Einen bemerkenswerten Bescheid fällte der Verhandlungsrichter am Budapester Strafgerichtshofe Gerichtsrat Dr. Ludwig V a s. Ein Herr N., Direktor der „Hungaria" Vacuum A.-G., die sich mit der Aufbewahrung von Teppichen befaßt, wird von der Staatsanwaltschaft angeklagt, 101 Stück Teppiche im Werte von zirka 40.000 Kronen veruntreut zu haben. Die Verhandlung dieser Strafsache war auf den 3. Oktober anberaumt. Der Angeklagte /lichtete an den Verhandlungssenat unter Beifügung des Zeugnisses der israelitischen Religionsgemeinde das Ersuchen, die Verhandlung mit Rücksicht darauf, daß auf den 3. Oktober einer der größten jüdischen Feiertage, der Neujahrs tag falle, zu vertagen. Verhandlungsleiter Dr. Vas wies in dem hierüber gefällten Bescheide das Ansuchen des Angeklagten ab, da der Gerichtshof in Anbetracht des enormen Verkehrs bloß die im amtlichen Kalender mit roter Farbe bezeichneten Tage als gerichtlich zu respektierende Feiertage ansehen könne. (?) Im übrigen komme beim Strafgerichtshofe kaum ejine einzige Angelegenheit vor, zu der nicht Parteien oder Zeugen israelitischer Konfession vorgeladen werden müßten. Und so mußte denn auch der Betreffende zu der Verhandlung erscheinen, zu der zahlreiche Zeugen vorgeladen waren. Wie man sieht, besteht zwischen den Ansichten der Gerichte von Budapest und Kiew gar kein Unterschied. Beilis wird gerichtet am Versöhnungstage und der obige Angeklagte am Neujahrstage. Die Immatrikulation russisch-jüdischer Studierender an den deutschen Universitäten. Die „N. I. K." berichtet: Nach einer Anordnung des preußischen Kultusministeriums, die seit einigen Tagen am schwarzen Brett der Berliner Universität aushängt, werden für das Wintersemester 1913/14 neu« Immatrikulationen von russischen Studierenden an der Berliner Unisversität nicht vorgenommen. Andere Ausländer werden nach wie vor, wenn sie den vorgeschriebenen Bedingungen nachkommen, zur Immatrikulation zugelassen. Auch soll die neue Verfügung, wie in Umversitätskrejsen verlautet, für solche russische Studierende, deren Muttersprache nachweislich die deutsche ist, keine Geltung haben. Aus alledem geht hervor, daß der Ministerialerlaß hauptsächlich die jüdischen Studierenden aus Rußland treffen will, gegen die sich ja auch die bekannte Agitation der Klmikerschaft in Halle und anderen preußischen Universitätsstädten richtet. Dies beweist auch die Begründung, die von offizieller Seite der betreffenden Ministerialverrügung in der „Voss. Ztg." gegeben wird. 'Danach liege für Deutschland keine Veranlassung vor, der russischen Regierung die Sorge für die Ausbildung ihres intellektuellen Proletariats — denn bei den in Deutschland studierenden Russen handle es sich zumeist um Angehörige minderbemittelter Schichten — abzunehmen. Die offiziöse „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht ferner folgende Mitteilung: Bekanntlich werden seit einiger Zeit in steigendem Maße Klagen darüber geführt, daß durch das übermäßige Anwachsen der Zahl der ausländischen Studierenden die Inländer in der zweckentsprechenden Benutzung unserer Universitätseinrichtungeii behindert würden. Die Prüfung hat ergeben, daß diese Klagen der Berechtigung nicht entbehren. Der Kultusminister hat sich deshalb veranlaßt gesehen, eine bestimmte Höchstziffer festzusetzen', die von den Studierenden keiner fremden Nation überschritten werden darf. Wegen der Ausführung dieser Anordnung sind die Universitätskuratoren mit Anweisung versehen. Die Maßregel erstreckt sich nicht auf diejenigen Studierenden, die jetzt schon zugelassen sind, sondern hat nur für die künftigen Immatrikulationen Bedeutung. Eine Hilfsaktion für die Geretteten des „Volturno". Für die Geretteten vom „Volturno", ahne Unterschied der Konfession, hat der jüdische Hilisverein für Einwanderer in New York gemeinsam mit dem amerikanischen Rothen Kreuz und mit dem jüdischen Frauenverein eine Hilfsaktion eingeleitet. Die Passagiere wurden im Hafen erwartet und sohin im Vereinsheim untergebracht. Jakob Schiff hat als erster 5000 Dollar gezeichnet. Dem Bürgermeister William Gaynor von New York, der jüngst plötzlich verstorben ist, haben die Juden von New York ein Denkmal zu errichten beschlossen. Die Juden sind eben ein dankbares Volk. Das Komitee hat beschlossen, Spenden nur bis zum Höchstbetrage von 100 Dollars, aber auch nach unten bis 25 Cents anzunehmen, damit die weitesten Kreise Gelegenheit haben, ihr Scherilein beizutragen. Benjamin AHmann, einer der reichsten Juden von New York, sehr bekannt als Kunstsammler, ist mit Hinterlassung von 50 Millionen Dollars (250 Millionen Kronen) gestorben. Er hinterließ sehr namhafte Beträge für jüdische Zwecke, darunter 100.000 Dollars für das Mont-Sinai-Spital, 50.000 Dollars für die Educational Alliance (Bildungsstätte für die Einwanderer). Seine Kunstsammlung im Werte von 12 Millionen Dollars hinterließ er dem Volke der Stadt New York. Die Tätigkeit der B'nai B'rith in Amerika für die Balkanjuden. Der Präsident des Verbandes der B'nai B'rith, Advokat Adolf Kraus in Chicago, hat vor kurzem einen Bericht der Tätigkeit der B'nai B'rith während des Balkankrieges veröffentlicht, dem wir die folgenden wichtigen Daten entnehmen: „Gleich nach Ausbruch des Balkankrieges war sich die Zentralleitung des B'nai B'rith darüber klar, daß durch diese Ereignisse in der Rechtsfrage der Balkanjuden eine Aenderung zum Schlechteren eintreten werde. Am 12. November 1912 erließ diie Zentralleitung an das Präsidium der ersten englischen Loge in London die Ordre, die englische Regierung unver2üg-

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