Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 21 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ftr- 21 ____________ '„Neue National-Zeitung"___________ ... , . Seite 167 FEUILLETON. Frau Beilis. Sonntag früh war Frau Beilis bei ihrem Manne im Gefängnis und um 2 Uhr nachmittags waren schon eine Menge Journalisten in ihrem armseligen Stäbchen. Zwei Kollegen kamen mit mir als die ersten. Als wir den Berg zu ihrer Wohnung hinaufstiegen, da wurde uns so bange. Denn die bedauernswerten Familienmitglieder des Märtyrers Beilis sind den Blick von der umgebenden Natur wenden, die schweigend daliegt und nicht das verraten will, was sie mitangesehen ... Das ist eben ihr Geheimnis ... Ich höre schon die Stimmen meiner Kollegen im Stäbchen und trete ein, doch wage ich nicht, ein Gespräch zu beginnen. Frau Beilis bricht als erste das Schweigen und bald entspinnt sich eine lebhafte Unterhaltung. Sie beginnt: Familie Beilis. historische, bedeutende Figuren geworden. Ist doch mit ihrem Schicksal die Ehre und die Würde des ganzen jüdischen Volkes verbunden . . . Bevor ich eintrete, schaue ich noch einen Moment um mich und betrachte die Umgebung. Da ist eine Ziegelei, die sich bis zu der Höhle hinzieht, in die die Mordbuben den armen Justschinski trugen. •Nach einer Seite ist diese Höhle offen- Dort weiter ist die Wohnung, in der sich die Gäste der Tscheberjak zusammenfanden. Um all dies ziehen sich Berge, Berge und Täler. Hier hat sich nicht eine schaurige Geschichte abgespielt. Und ich kann nicht „Ich bin krank und meine armen Kinder sind auch krank, eines liegt sogar zu Bett . . Fünfzehn Minuten hat man mich mit ihm reden lassen unter der Aufsicht eines Beamten. Was kann man aber in so kurzer Zeit sprechen?" — „Wie fühlt er sich denn jetzt?" „Jetzt ganz gut. Am Neujahr hat man ihm erlaubt, zusammen mit anderen Arrestanten zu beten und das hat auf ihn eine sehr gute Wirkung ausgeübt. Er hat sich unter seinesgleichen gefühlt, unter Juden, die wissen, daß die Seele des Menschen seinem