Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 21 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 166 ,Neue National-Zeitung" Nr. 21 schw-e^en und es mit ihrem Namen -decken. Es ist ihre Pflicht, das steuerlos gewordene Schiff nicht seinem Schicksal zu überlassen. Im Kampfe gegen die eingerissenen Mißstände, den sie führen müssen, werden sie die weiten Kreise der Juden hinter sich haben. Denn im Herzen eines jeden Juden wurzelt die Liebe zum Judentum, zur hebräischen Sprache unserer Propheten und zum heiligen Lande, das jetzt vor unseren Augen aus den Trümmern neu ersteht. Und allen Juden, auch denen, die außerhalb der zionistischen Bewegung stehen, muß es klar werden, daß wir die in Erscheinung getretenen Schäden des Zionismus am wirksamsten nur dadurch 'bekämpfen können, daß wir die Pflege der heiligen Ideale des Judentunis nicht jenen überlassen, die sie zu fördern vorgeben, in Wahrheit sie aber nur mißbrauchen. Die Stärkung des jüdiscii-gesehichtlichen Bewußtseins, die Verbreitung der 'Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur und die Förderung des jüdischen Ansiedlungswerkes im heiligem Lande — -auf diesem Arbeitsboden können und müssen sich die besten Kräfte im Judentum vereinigen." spREcnsfl/qL Der Versöhnungstag an der k. k. Akademie der bildenden Künste. Geehrte Redaktion! Als persönlich Betroffener ersuche ich Sie sehr, gefälligst nachstehenden Vorfall an d/e Oeffentlichkeit zu bringen, damit wenigstens, wenn ich schon diese Seelenquaien durchmachen mußte, dieselben meinen Brüdern erspart bleiben. Ich habe mich nämlich um die Aufnahme in die Wiener Akai'emie der bildenden Künste beworben und mich zu der erforderlichen Prüfung gemeldet. Stellen Sie sich nun meine Bestürzung vor, als ich erfuhr, daß diese vier Tage dauernde Prüfung auch am V e r s ö h n u n g s t a g (den 11. d. M.) abgehalten wird und daß es keinen Pardon gebe. Ich stand vor der schweren Qewissensfrage: Entweder am Versöhnungstag Prüfung machen oder auf die Aufnahme verzichten. Gab es da für mich einen Ausweg? Ich bin religiöser Jude und doch habe ich mich gefügt .... Ich frage Sie nun: Muß das sein? Wäre es ein Unglück, wenn der 11. Oktober frei bliebe und der 13. Oktober ais vierter Prüfungstag angesetzt wäre. Ist denn niemand da. der uns gegen solche Rücksichtslosigkeiten schützt? Vielleicht wäre es jetzt noch möglich, dem k. k. Rektor klarzumachen, daß Wien noch nicht in — Rußland liegt. Genehmigen Sie usw. (Anm. der Red. Die gleiche Beschwerde ist uns auch von einer zweiten Seite zugegangen.) Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (J ü d i s c h - a k a d e m i s c h e r Te c h n i k e r- Verband.) Montag, den 20. Oktober, 7 Uhr abends findet im Hörsaal 1<S der k. k. technischen Hochschule in Wien die k o ii s t i t uie reude V e r s a m m 1 u n g obigen Vereines statt. Wir laden auf diesem Wege alle jüdisch-akademische!' Techniker, die akademisch graduierten jüdischen Ingenieure i'nd Architekten, sowie die inkorporierte jüdische Studentenschaft dazu höflichst ein. Das Komitee. Wien. Der ..Herzi-Klub" hat beschlossen, Hebrüiseh- Kurse ins Leben zu rufen und' lädt alle jene (Damen und Herren), die Hebräisch lernen oder sich in dieser Sprache vervollkommnen wollen, zur Beteiligung ein. Die Kurse, die abends abgehalten werden, beginnen nächste Woche und sind eingeteilt: 1. in Kurse für Anfänger, 2. iin Kurse für Vorgeschrittene und 3. in freie Konversationsabende (Konversation über verschiedene Themata, alte und neue Literatur usw.). Anmeldungen sind* zu richten an Herrn Josef Stein, Wien VIII, Alserstraße 7, der auch nähere schriftliche Auskünfte erteilt. mS ALLEN WELTTEILEN Dr. Schitlowsky in Oesterreich. Einer der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller und Redner, Dr. Chaim Schitlowsky, hält sich gegenwärtig in Wien auf. Dr. Schitlowsky ist aus Rußland gebürtig und lebt seit vielen Jahren m den Vereinigten Staaten v. Nordamerika. Er hat sich große Verdienste erworben als Erzieher der jüdischen radikalen Intelligenz und als Verfechter der jüdisch-nationalen Idee. In Wien hat sich ein Komitee gebildet, um ihm eine Vortragstournee in Galizien und der Bukowina zu ermöglichen.» Den Abschluß dieser Tournee wird ein Vortrag in Wien bilden. Kleine Nachrichten. Dr. Harry Torczyner hat sich an der Wiener Universität als Dozent für semitische Sprachen habilitiert. Derselbe ist im Jahre 18S7 in. Lemberg geboren und absolvierte die Israel, theologische Lehranstalt in Wien. — Regierungsrat Dr. Samuel Freund, Chef des Veireinsbureans der Wiener Polizei-Direktion ist gestorben. — In Budapest wurde unter großen Feierlichkeiten die neue jüdische Mensa a c a d e m i c a eröffnet, die täglich 500 Studenten zu billigem Preise, einer großen Anzahl unentgeltlich den Mittagstisch liefern .wird. Bei der Eröffnung sprachen Baron Herzog, Rabbiner Dr. Hervesi und Generalsekretär Weiler. — In kurzer Zeit soll auf einem Pariser Platze das Denkmal der Baronin Hirsch und der Madame Boucicaut (der Besitzerin des Warenhauses Bon inarchc und großen Wohltäterin) enthüllt werden. Der Stifter des Denkmals ist der verstorbene jüdische Philan.trop Osiris. — Der Präsident der Kuitusgemein.de in Brünn. Dr. Hieronymus F i a 11 a, ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Er war ein enrasierter Anhänger der deutschliberalen Partei. Literatur. Eliakoni Zunzer. In New-York starb E 1 i a k o m Zunze r, .der älteste und populärste Dichter in j ü d i s c h e r Sprache, über 80 Jahre alt. Seine Dichtungen, von denen viele in Musik gesetzt wurden, gewannen außerordentliche Verbreitung; von ihm stammen w enigstens 650 Lieder, wovon er selbst einige ins Hebräische übersetzt hat. Er stammte aus Wilna, von ganz armen Eltern. Unter großen Opfern und Entbehrungen erwarb er sich, in den Pausen schwerer Arbeit um das tägliche Brot, eine hebräische Bildung. Er hielt sich in vielen Städten Rußlands auf, arbeitete bei Tage und studierte nachts. Als Soldat begann er, um sich die Zeit zu vertreiben, zu dichten. Nach der Militärzei.t kehrte er n?.ch Wilna zurück; jetzt begannen einige seiner Dichtungen aus Abschriften bekannt zu werden. Da wandte er sich dem Bernte des „Badchen" zu, des Hochzeitsdichters, und als solcher wvrde er bald in ganz Rußland berühmt. Man zahlte ihm bis zu 200 Rubel für ein „Engagement". 1871 'verlor er seine Frau und vier Kinder durch die Cholera und übersiedelte nach Minsk, 1889 nach New-York. Er war ein begeisterter jüdischer Nationalist und gab dieser seiner Gesinnung in viele!) Dichtungen Ausdruck.