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Neue Nationalzeitung · 1913-10-03 · Heft 20 (3.10.1913) · p. Seite 156

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 20 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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Seite 156 .Neue National-Zeitung* Nr. 20 sehe Idee und das Wohl des jüdischen Volkes mehr gelten als persönliche Vorteile oder Ambitionen. y „Für mich war dieser Kongreß der letzte. Ich kann nicht zu jenen zählen, die Jacobus Kann am Kongresse mit den Worten apostrophierte: „Ich sage Ihnen, zweimal zwei ist vier, und Sie rufen: Hedad. es lebe die hebräische Sprache . . . ." Gegen den Mädchenhandel. Wie wir bereits im vorigen Jahre (Nr. 21) berichtet haben, gehört es zu den Aufgaben der Pariser ICA, gegen den unmenschlichen Mädchenhandel in seinen verschiedenen Formen Stellung zu nehmen, respektive die dahingehenden Bestrebungen materiell zu unterstützen. Wir finden darunter im letzten Jahresbericht (S. 281 fg.) nachstehende interessante Mitteilungen: Jüdischer Verein zum Schutze von Mädchen und Frauen. (Jewish Association for th-e Protection o f g i r 1 s and w o m e n.) Wir haben auch im vergangenen Jahre dieser Vereinigung unsere Mitwirkung geliehen, die nicht nur jene junge jüdischen Mädchen, die allein nach London kommen, um sich hier eine Stellung zu suchen, oder nur auf der Durchfahrt von einem Bahnhofe zum anderen fahren, unter ihren Schutz nimmt, sondern alle Mädichen. die. wo immer auch, allein reisen müssen. Die nach der Tagung des internationalen Kongresses in London im Jahre 1910 unternommenen Arbeiten haben zu dem Resultate geführt, daß der Ueberwachungsdienst in den verschiedenen Sektionen des Vereines verstärkt wurde. Insbesondere das Komitee in Buenos-Aires hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die Sicherheit von Frauen und jungen Mädchen, die in Argentinien allein ankommen, zu wachen. Der jüdische Verein zum Schutze von Mädchen und Frauen wurde im Jahre 1911 in 1021 Fällen gegen 692 im Vorjahre in Anspruch genommen. Vereinigung zur Unterdrückung des Mädchenhandels. (Association pour la Repression de la Traite des Blanches, Paris.) Wir beschäftigen uns bereits seit mehreren Jahren mit dem B a h n d i e n s t e, der von diesem Verein organisiert wurde und der darin besteht, daß die jungen, in Paris ankommenden Mädchen am Bahnhofe empfangen und in den Schutz dieses Vereines .genommen werden. Vom 1. bis 31. Dezember 1912 sind die Aufseherinnen in 10.384 Fällen in Anspruch genommen worden, wovon 3.267 ernsterer Art waren. 887 junge Mädchen wurden auf der Durchreise von einem Bahnhofe zum andern Begleitet. 2.458 wurden überwacht und an ihnen zugewiesene Adressen gebracht, 1.333 schließlich wurden gastfreundlich aufgenommen. Die Vereinigung zur Unterdrückung des Mädchenhandels wurde laut Dekret vom 3. Mai 1912 in Frankreich als von öffentlichem Nutzen anerkannt. Dies ist auf das dieser Vereinigung vom Staatsrate entgegenbrachte Wohlwollen zurückzuführen, und wurde dadurch dem Vereine das Recht verliehen, Schenkungen und Legate zu erwerben, die ihm hinterlassen werden. Vereinigungen zum Schutze junger Mädchen. (A s s o c i a t i o n p o u r la protection dela fill-e israelite.) Auch dieser Verein wurde erst im Jahre 1910 nach dem Londoner Kongreß gegründet. Er hat im letzten Jahre große Fortschritte gemacht, insbesondere dadurch, daß er sich die Mitarbeit von Schiffskapitäns mehrerer französischer Gesellschaften gesichert hat und mit den in Cherburg und Boulogne gegründeten Lokalkomites in enge Beziehungen getreten ist. In diesem letzten Hafen ist eine Inspektion eingeführt die alle einlaufenden Schiffe visitiert. Der Verein beabsichtigt die Schaffung eines Dienstes, wie er in Marseille bereits eingeführt ist. Die Beziehungen, die diesen Verein mit anderen Vereinigungen verknüpfen, bewirken, daß eine große Anzahl jüdischer Vereine auf eine große Gefahr aufmerksam gemacht wird. SPRECMSd/lL Die Rabbinerwahl in der Leopoldstadt. Geehrte Redaktion'! Gestatten Sie mir, in Ihrem werten Blatte die Aufmerksamkeit meiner jüdischen (Mitbürger auf die Geringschätzung zu lenken, mit welcher unser Kultusvorstand die Gemeinde- Mitglieder in der Leopoldstädter Riafobinerfrage behandelt. Seit Monaten heißt es, daß der Rabbiner vor den hohen Feiertagen ernannt wird. Trotzdem hört man noch immer nichts davon. Jüngst hat Herr Dr. Stern eine Versammlung von Vertrauensmännern einberufen, und die Majorität derselben hat sich für Rabbiner Dr. F e u c h t w a n g ausgesprochen. Nun hört man aber noch immer nichts von seiner Ernennung. Dagegen hört man, daß sich der Be t h a u s v o r s t a n d plötzlich für Rabbiner Dr. Grunwald energiisch ins Zeug legt; man erzählt sich, daß die Herren sich sogar ehren wörtlich für Dr. Grunwald verpflichtet haben. Nun stockt alles. Soll da ein Gewaltsstreich gegen die Vertrauensmänner kommen? Will man denn nicht einsehen, daß Dr. Grunwald, dem ich alle Vorzüge gerne konzediiere, ■für die Leopoldstadt absolut nicht paßt und von der überwiegenden Majorität der Bethausmitglieder nicht gewünscht wird? Ich finde es doch urkomisch, daß der Bethausvorstand den Dr. Grunwald als Rabbiner haben will, aber den Doktor Feuchtwang zu den Predigten an den hohen Feiertagen einlädt. Also machte hinter den Kulissen ein Ende. Man wird dann wenigstens wissen, wie weit die Macht des Kulissenschiebers geht. Hochachtungsvoll Ein Vertrauensmann. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Tempeleinweihung. Wien. Sonntag, den 28. d. M., wurde im zweiten Bezirke der vom israelitischen Bethausverein „Am Volkert" errichtete Kaiser Franz Josef- I.-Huldigungstempel mit großer Feierlichkeit und im Beisein des Statthalters Ör. Richard Freiherrn B i e-

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