Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 20 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- Seite 157 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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fir. 20 .Neue National-Zeitung' Seite 157 r e r t h-, als Vertreter des Kaisers, sowie einer stattlichen Zahl hoher Würdenträger und der Repräsentanz der Judenschaft eingeweiht. Der Tempel ist ein Werk des Architekten Ignaz Reiser und präsentiert sich wunderbar. Im maurischen Stil gehalten, geräumig und strahlend hell kann der Bau als überaus gelungen bezeichnet werden. Architekt R e i s e r hat mit bescheidenen Mitteln ein Meisterwerk geschaffen. Unter den Klängen der Volkshymne, die das Orchester der Philharmoniker anstimmte, begab sich der Statthalter zu dem reservierten Platz. Dann begann die Feier mit einem Präludiuiq, das Oberkantor Giblichmann vortrug. Vorsteher Schramek hielt die Begrüßungsansprache. Danach verlas Architekt Reiser die Schlußsteinurkunde. Der Statthalter ergriff als Erster den Hammer und führt mit den Worten: „Möge der Segen Gottes stets auf diesem herrlichen Tempel ruhen! Diesen Wunsch spreche ich als Vertreter Seiner Majestät unseres Altergnädigsten Kaisers und Königs aus!" die ersten Hammerschläge auf den Schlußstein. Stürmische Hochrufe auf den Monarchen nahmen den Wunsch auf. Nachdem die anderen Festgäste die zeremoniellen Hammerschläge vorgenommen hatten, zündete Oberrabbiner Dr. Güdemann das ewige Licht an. Nach Einholung der Thorarollen, Eröffnung der Bundeslade und Einstellung der Gesetzestafeln hielt Vereinsrabbiner J. L. A b e 1 e s die Weihepredigt. Dann ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Stern das Wort und1 begrüßte die Glaubensbrüder im Namen der Kultusgemeinde. Nach einem Psalmvortrag sprach Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n. Er forderte die Festgäste auf, sich zu vereinigen zum ersten Gebet in dem neuen Gotteshause. Nach dem Gebet sang das gesamte Auditorium die Volkshymne, womit die Feier um die Mittagsstunde schloß. Die Feier hatte auch eine peinliche Episode: Nach der Rede des Präsidenten Dr. Stern hielt Herr Blasel, als Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, eine — Kandidatenrede. Es wäre taktvoller gewesen, wenn Herr Blasel diesmal geschwiegen hätte. Man merkte die Absicht und war verstimmt. Das Leichenbegängnis Vämberys. Budapest. Prof. Vämbery wurde bestattet wie er gelebt hat: bescheiden, ohne Pomp. Die Stadtgemeinde widmete ihm ein Ehrengrab; die Spitzen der wissenschaftlichen Organisationen und gelehrten Körperschaften gaben ihn das letzte Geleite. Unter den zahlreichen Kondolenzen fiel das besonders herzliche Beileidschreiben des englischen Königs auf. Vämbery starb als Kalviner. Er war auch früher Muselmann. Im Gegensätze zu dieser formellen Religionszugehörigkeit betonte Vämbery immer mit Pathos seine jüdische Zugehörigkeit, ja, er bekannte sich sogar als National jude und war glücklich, für das Gesamtjudentum etwas leisten zu können. Sein politischer Lehrmeister, Benjamin Disraeli, war auch darin sein Vorbild. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. dM i 1 i t ä r g o 11 e s d i e n s t.) Der k. und k. Militär- und Landrwehrstationskommandobeiehl vom 12. September 1913 enthält folgende Verlautbarung: „Auf Ansuchen der israelitischen Kultusgemeindie in Wien bewiligt das Korpskommando, daß die Mannschaft israelitischen 'Glaubens der in Wien dislozierten Truppen und' Anstalten nach Zulässigkeit des Dienstes folgendem Gottesdienste beiwohnen: Feier des Neujahrsrestes: Mittwoch den 1. und Donnerstag den 2. Oktober 1913, von 4 Uhr 30 bis 8 Uhr 30 abends, sowie Donnerstag, den 2. und Freitag den 3. Oktober 19B, von 6 bis 12 Uhr vormittags. Feier des Versöhn unssiestes: Freitag, den 10. Oktober von 4 bis 6 Uhr 30 abends und Samstag, den 11. Oktober 1913, von 6 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Der Militängottesdienst für die isrnelitischen Heeresangehörigen der Garnison Wien wird im Sophiensaale. HI, Marxergasse 13. abgehalten werden. Die Einjährig-Freiwilligen' fir-raeIi bischen iGÜauibens sind an den Tagen des Versöhnungsfestes, am 10. und 11. Oktober!. J. tunlichst von jedem Dienste zu entheben. Die betreffende Mannschaft ist jedesmal geschlossen zum obgenannten Lokal zu führen. Den Herren Offizieren und Militärbeamten des Aktiv- und des Ruhestandes werden über schriftliches oder persönliches Verlangen vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Betsitze für die feierlichen Gottesdienste >zur Verfügung gestellt." Wien. (Stellenvermittlung i ii r j ii d i s c h e H a n d e 1 s a n g e s t e 111 e.) Der jüdische Handlungsgehilf euverband in Wien hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Angestellten zu wahren. Der 'bekannte antisemitische Boykott, der die jüdischen Angestellten um einen großen Teil, und zwar der bestdotierteu Stellen bringt, die Indolenz 'vieler jüdischer Chefs und große Zufluß von arbeitslosen Angestellten aus allen Teilen Oesterreichs, die den Arbeitsmarkt förmlich überschwemmen, halben die Lage der jüdischen Angestellten zu einer höchst prekären gestaltet. Verschärft werden diese Verhältnisse insbesondere durch den Umstand, daß die Konjunktur in den meisten Branchen an und für sich ungünstig ist, worunter speziell die jüdischen Geschäfte zu leiden haben, so daß viele Firmen eine Verringerung des Personals vornehmen müssen. Bei diieser tristen Lage hat sich der Mangel einer ordentlich organisierten und funktionierenden Stellenvermittlung für jüdische Handelsangestellte empfindlich fühlbar gemacht. Um dem abzuhelfen, hat der obige Verband eine Stellenvermittlungsai>teilung ins Leben gerufen, die allen jüdischen Angestellten, ebenso allen Chefs kostenlos zur Verfügung steht. Der Venband hofft, das berechtigte interesse für diese Angelegenheit in allen jüdischen Kreisen zu finden und ersucht die jüdischen Unternehmer, sich seiner Vermittlung zu bedienen. Bei der Ausdehnung der Organisation über ganz Oesterreich ist derselbe stets in der Lage, entsprechend qualifizierte Bewerber zu empfehlen. Wir ersuchen, uns freie Stellen zur Kenntnis zu bringen. Mündliche Auskünfte täglich von 8—9 Uhr abends. Die Stellenvermittlung des Jüdischen HandlungsgehUieitverbandes Wien II, Taborstraße IIB.