Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 19 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 146 .Neue National-Zeitung" Nr. 19 waren es seine Reiseerlebnisse im tiefsten Persien, die er schilderte, bald seine Beziehungen zu den größten Staatsmännern Englands, wie Gladstone und Palmerston. von denen er gern erzählte, bald wieder die Freundschaft von gekrönten Häuptern, wie Königin Victoria, König Eduard VII. und Sultan Abdul Hamid, deren er sich mit Stolz rühmte. In erster Linie stellte aber Professor Vämbery seinen schriftstellerischen Beruf in den Vordergrund. „Ich habe mir eine Million erschrieben", pflegte er mir oft zu erzählen, „und jetzt kann ich ruhig leben. Ich habe diesen großen Saal gegenüber der königlichen Hofburg und was brauche ich mehr!" Er hatte auch wirklich eine herrliche Wohnung an der Donau mit einem prächtigen Ausblick über die königliche Hefburg und hier, wo er sich den ganzen Tag aufhielt, pflegte er auch die Besucher inmitten der zahlreichen Reliquien aus der Zeit seiner Derwisch-Wanderungen zu empfangen. Die Höhe seiner Ersparnisse wird begreiflich, wenn man bedenkt, daß dieselben zumeist aus den Honoraren des englischen Foreign office für Memoranden über internationale Probleme stammten. Dieses Honorar bestand in einem Pfund Sterling (24 Kronen) für das — Wort: ein Honorar, das wohl kaum jemals ein anderer Schriftsteller erreicht hat. Im Gegensatze hiezu stand ein anderes Honorar, von dem Professor Vämbery mit viel Humor zu erzählen wußte. Er hat über Auftrag des Reichs-Kriegsministers Freiherrn von Kuhn für die österreichische Regierung die russische Landkarte von Zentralasien auf Grund eigener Forschungen richtiggestellt und eine neue Landkarte entworfen. Als er dem Kriegsminister die Arbeit ablieferte, erklärte ihm dieser: „Herr Professor, Sie bekommen einen Orden!" Doch Professor Vämbery bat, davon Abstand zu nehmen. Er sei Schriftsteller und lebe von der Feder. Darauf erhielt er ein Honorar von 5000 Gulden. Ueber die intimen Beziehungen Vämberys zum Sultan Abdul Hamid, die sich in den kostbarsten Geschenken, hohen Orden und sonstigen einem Ausländer noch nie zuteil gewordenen Auszeichnungen — z. B. Empfang durch den Sultan ohne Zuziehung einer dritten Person, welche Ehre nicht einmal den Botschaftern zuteil wird — äußerten, hier zu sprechen, ist wohl überflüssig. Vämbery hat darüber selbst sehr ausführlich in seinem zweibändigen Werke „The story of iny struggles" (Die Geschichte meiner Kämpfe) geschrieben. Aber was historisch sehr bedeutungsvoll ist und bisher noch sehr wenig in der Oeffentlichkeit bekannt wurde, ist die Teilnahme Vämberys an der jungtürkischen Revolution im Jahre 1908. Ich war gerade an einem Sonntag, den 26. Juli 1908, zwei Tage nachdem die Jungtürken den Sultan Abdul Hamid zur Wiedereinsetzung der seit dem 14. Februar 1878 suspendierten Verfassung gezwungen hatten, bei Vämbery in Reichenau, seiner Sommerfrische, zu Besuch. Mit mir waren auch von den größten Weltblättern Telegramme um Artikel eingelangt, denen Vämbery nicht zu entsprechen vermochte. Die Ereignisse überraschten ihn nicht. Er war seit Wochen über die laufenden und bevorstehenden Ereignisse bereits informiert. Ahmed Riza Bey, der nachmalige Präsident des türkischen Parlaments, war damals Präsident des „Ottomanischen Komitees für Eintracht und Fortschritt" — so lautete offiziell der Titel des jungtürkischen Komitees — und Vämbery selbst war — Vizepräsident. Die Führer der jungtürkischen Bewegung lebten in Paris und waren arme Teufel. So mußte Vämbery sehr oft aushelfen. Der innige Kontakt war daher noch begreiflicher; ebenso sein Einfluß. Diesem ist es nicht zuletzt zuzuschreiben, daß die Jungtürken das Leben Abdul Hamids verschont haben. Vämbery vergaß nicht der Wohltaten, die ihm Abdul Hamid erwiesen hat, allein er erzählte immer mit Ingrimm von der unersättlichen Habgier Abdul Hamids, die das türkische Reich zugrunde richte. Die Liebe zum türkischen Reiche und das offene Auge für die Schwächen des Herrschers brachten Professor Vämbery den Jungtürken näher. Professor Vämbery sprach nicht nur vorzüglich türkisch, sondern auch persisch. Anläßlich der Entrevue zwischen unserem Kaiser:und dem Schah Muzaffer ed Din Mirza wurde er als Dolmetsch zugezogen. Er begrüßte die Monarchen nach persischer Art, indem er den Kopf der rechten Schulter zuneigte. Es fiel dies dem Kaiser auf und er fragte, was dies bedeute. Vämbery erklärte diese Art des Grußes damit, daß der Untertan nach persischer Sitte bereit sein müsse, sich auf Befehl seines Herrschers enthaupten zu lassen. Auch in Japan war Vämbery sehr verehrt und seiner publizistischen Tätigkeit (in den englischen Revues) ist zum großen Teil die Annäherung zwischen England und Japan zu verdanken. Dafür wurde er vom Mikado mit dem seltenen Orden des heiligen Schatzes ausgezeichnet und er erzählte mir mit Stolz: „Nur der König und ich haben in Oesterreich-Ungarn diesen Orden." Alles in allem war Vämbery ein Polyhistor des Orients und bleibt als solcher unersetzlich. Den Juden stand Vämbery bis zum Beginn der zionistischen Bewegung fremd gegenüber. Er haßte die Pester Juden und erging sich über deren Magyarentum und Assimilatentum in schärfsten Ausdrücken. Der Zionismus gab ihm Gelegenheit sich positiv im Interesse seines Volkes zu betätigen und er tat dies mit einem Feuereifer. Ueber seine Intervention wurde Dr. Herzl vom Sultan Abdul Hamid empfangen; alle diplomatischen. Schritte. Dr. Herzls geschahen mit seiner Genehmigung. Auch Z a n g w i 11, als Führer der „Ito" und W o 1 f f s o h n, als Nachfolger Herzls, holten in vielen Fällen seinen Rat ein. 'Er warnte aber stets vor allzu großem Optimismus bezüglich Palästinas, welches, nach seiner Ansicht, kein Sultan den Juden ausliefern würde. Deshalb empfahl er in erster Linie die Ansiedlung Mesopotamiens und intervenierte auch in diesem Sinne beim Sultan Abdul Hamid. Die Zeitungen berichten, daß Vämbery am 19. März 1832 geboren wurde und nun im 81. Le-