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Neue Nationalzeitung · 1913-09-19 · Heft 19 (19.9.1913) · p. Seite 147

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 19 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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iV. 19 ,Neue National-Zeitung' Seite 147 Der jüdische Nationalfonds. In der Freitag-Nachmittagssitzung erstattete Justizrat Dr. Bodenheimer, Köln, den Tätigkeitsbericht 'des Jüdischen Nationalfonds. Auch in der letzten Kongreßperiode;ist der Nationalionds wiederum gewachsen. Der gegenwärtige Stand seines. Vermögens beträgt über vier Millionen Kronen. Wenn der Nationalionds daher seinen großen Aufgaben einigermaßen gerecht w erden will, müssen die Einnahmen verdoppelt werden. Zum Zwecke der Vermehrung der ständigen Spenden habe man sich insbesondere den Ausbau der Sammelmittel angelegen sein lassen. Von verschiedenen Seiten;ist öfter der Einwand erhoben worden, daß 'die Tätigkeit des Nationalionds kerne ganz systematische und statutarischen Zwecken desselben entsprechende wäre. Demgegenüber stellt der Referent fest, daß nach den bestehenden türkischen Gesetzen der Nationalfonds wohl sin der Lage ist, durch Vermittlung vertrauenswürdiger Personen sich Rechte zu schaffen, die den Besitz des käuflich erworbenen Bodens für die Zukunft einigermaßen gewährleisten. Ein gesetzliches Eigentumsrecht auf Grund und Boden b e s ii t z t der Nationalionds aber nicht. Hieraus erklärt es sich, daß in der verflossenen Periode der Nationalfonds sich nicht mit Kolonisation in großem St'le befaßt hat. Wir haben uns mit dem Ausbau unserer Farmen in Ben Schemen und, Hulda, der Arbeitergenossenschaft in Dagania, der Siedlungsgenossenschaft in Merchawja und der Pflanzungsgenossenschaft in Gan- Schmuel gewidmet. Ferner haben wir die Erbauung von Arbeiter-Heimstätten in die Hand genommen. Wir sehen in der Ansiedlung von Arbeitern in der Nähe von Pflanzungskolonien eine überaus nützliche Ergänzung unseres Systems der Heranbildung von Kleinbauern und Pächtern. Besondere Aufmerksamkeit haben wir der Einwanderung unserer Brüder aus dem Jemen nach Palästina gewidmet. Das Direktorium des Nationalfonds hat für die zwei ersten Jahre einen Betrag von 100.000 Franken für die Errichtung von Jemenitenhäusern zur Verfügung gestellt und eine Sammlung für diesen Speziialzweck eingeleitet. Ich freue mich, konstatieren zu können, daß wir für diese Sammlung großes Interesse auch in nichtzionistischen Kreisen gefunden haben, daß sich an diesem Werke [insbesondere Kultusgemeinden in Oesterreich und Italien, der Kolonisationsverein Esra :n Berlin, der Jüdische Kolonisatfonsverein in Wien, Bne- Brith-Logen in Oesterreich und die Großloge für Deutschland beteiligt haben. Statistisches vom Kongreß. Am Kongreß haben sich 531 Delegierte beteiligt. Darunter waren aus Rußland 149, aus Qalizien 59 und aus der Bukowina 9. Wenn wir die zahlreichen Delegierten der westlichen Länder dazurechnen, wie Belgien, Deutschland, Nordamerika usw., die selbst aus dem Osten stammen, dann erhalten wir am Kongreß eine Majorität östlicher Juden. Charakteristisch ist die große Zahl von Doktoren. Der Kongreß zählte 149 Doktoren dreier Fakultäten; aus Galizien allein kamen unter 59 Delegierten 32 Doktoren. Und keiner dieser Doktoren denkt daran, daß der jüdische Volksorganismus nicht bloß einen Kopf und ein Gehirn, sondern auch einen Magen und einen Hunger hat! . . . Abgeordneter Breiter über den Zionisten-Kongreß. Der Reichsratsabgecrdnete Ernst Breiter von Lemberg, einer der wenigen judenireundlichen Politiker in Galizien, hat bereits einmal in diesem Blatte sein Befremden über das passive Verhalten der Zionisten gegenüber der Landespolitik, respektive den Gegenwarts-Bedürfnissen der jüdischen Volksmassen ausgesprochen. Herr Breiter fand es unbegreiflich^ daß dem jüdischen Proletariat Hunderttausende abgenommen und nach Köln geschickt werden, während die sanitären und die kulturellen Mißstände unter den Juden des Landes vollständig außer Acht gelassen werden. In seinem Organ „Monitor" nimmt nun Herr Breiter aus Anlaß des letzten Zionisten-Kongresses zu demselben Stellung und wieder erhebt er seine Stimme im Interesse der notleidenden jüdischen Volksmassen, die von den Zionistenführern mit Phrasen betört und um ihre Ersparnisse gebracht, im übrigen aber mit Verheißungen einer — hebräischen Universität in Jerusalem vertröstet werden. Nach einer warmen Begrüßung des Kongresses und Darstellung des großen Interesses der jüdischen Bevölkerung für denselben, schreibt der „Monitor": „Heute, da die Beratungen im Gange sind, und ausführliche Berichte noch nicht vorliegen, sind wir nicht in der Lage, ein endgiltiges Urteil auszusprechen, ob der Zionistenkongreß die Erwartungen der Juden erfüllen wird. Aber wir halten es für einen Hauptfehler, wenn sich der Kongreß lediglich mit Palästina, den dortigen Schulen und der Universität in Jerusalem beschäftigen wird — dagegen aber eine gründliche Erörterung der Lage der Juden in den einzelnen Ländern, die mit jedem Jahre ärger wird, aus dem Wege gehen und eine „Hilfsaktion" für die breiten VoLksmassen, deren Existenz immer mehr bedroht wird, vollständig ignorieren sollte. Gewiß sind Palästina . . ., eine Universität in Jerusalem für einen Juden recht verlockend . . . aber das ist doch noch so weit, so sehr weit! . . . Das klingt wie herrliche Zukunftsmusik . . . Aber was hilft denn diese Musik, wenn der Hunger peinigt, wenn die elenden kleinen Würmchen nach „Brot'' schreien. Es wäre ein Kardinalfehler, wenn diese Frage, die vielleicht aktueller ist, als die Universität in Jerusalem, ganz totgeschwiegen werden sollte." Und sie ist totgeschwiegen worden! Wir glauben aber, daß sich Herr Breiter täuscht, wenn er glaubt daß die jüdischen Volksmassen in Galizien vom Zionisten-Kongreß etwas erwartet haben. Armin Vämbery. Persönliche Erinnerungen von Dr. S. R. Landau. Die Nachricht vom plötzlichen Tode des berühmten Gelehrten wird in den Reihen seiner zahlreichen Freunde und Verehrer die tiefste Trauer und Teilnahme erwecken. Denn er hat es, wie selten einer, verstanden, sich Freunde und Verehrer zu erwerben. Sein bescheidenes Wesen, seine joviale ungezwungene Art des Verkehres, die seltene Gabe, aus der Fülle seiner unerschöpflichen Erinnerungen das jeweilig Aktuellste in plastischer Form dem Besucher vorzutragen, nahm sofort gefangen. Bald

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