Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 19 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 146 ,Neue Natiönal-Zeifting Nr. 19 bestehen kann, Bedingungen zu schallen für eine natürliche Entwicklung der Kolonisation, weil künstlich Geschaffenes auf die Dauer nicht zu halten ist? Die Vertreter der praktischen Arbeit müssen zu dem Schluß kommen, sie hätten etwas Künstliches geschaffen. Ich meine nämlich die Organisation. Und wenn einmal der Krach hereinbricht, dann bricht auch die Organisation zusammen. Dagegen legen wir Verwahrung «in. Der Nationalfonds, der unter Herzl gegründet wurde, ist manchmal unsere einzige Freude. loh will das Verdienst der Leitung des Nationalfonds nicht schmälern. Aber glauben Sie, daß seine Agitation allein das geleistet hat? Der Nationaltands entwickelt sich, weil Sie alle mit dem Herzen dabei sind. Selbst die Bank, über die man so klagt, ist eine Herzlsche Schöpfung, und sie besteht und ist gesund. Das Erstreben politischer Rechte ist das Alpha und Omega des politischen Zionismus; deshalb heißt er ja politisch, und da der Zionismus sich jetzt nicht in dem Rahmen bewegt, von dem ich hier gesprochen halbe, deswegen sind die politischen Zionisten unzufrieden." Der Redner führt weiter aus, daß die Leitung nicht berechtigt sei, zu verlangen, daß ihr die Finanzinstitute unterstellt würden. Die Bank und der Nationalfonds seien unter den Auspizien des politischen Zionismus gegründet worden. Man habe ihnen ihr Kapital gegeben, weil man von ihnen die Förderung des politischen Zionismus erwartet. Die jetzige Leitung vertritt eine dem politischen Zionismus entgegengesetzte Anschauung, und darum hat sie nicht das geringste Recht, zu verlangen, daß ihr das Geld anvertraut werde, das zu anderen Zwecken gesammelt wurde, als für die sie es verwenden will. Der Redner schließt mit der Aufforderung an die Leitung, sie möge, so wie Herzl sechs Millionen für die Kolonialbank gesammelt habe, gleichfalls sechs Millionen für eine nach ihren Anschauungen zu leitende Bank — etwa eine Agrarbank — auibringen, und der Kongreß werde ihr mit Freuden die volle Kontrolle hierüber zugestehen. , Herr Kann hat in einem besonderen Memorandum die praktische Palästina-Arbeit unter Zugrundelegung von Ziffern und Daten kritisiert und der Leitung des Nationalfonds eine Irreführung der öffentlichen Meinung vorgeworfen. Den entgegengesetzten Standpunkt vertrat Dr. Tschlenow, der in das engere Aktionskomitee neu gewählt wurde und zum Präsidenten desselben ausersehen ist. Wir greifen - aus seiner Rede nachstehende programmatische Ausführungen heraus: Für den praktischen Zionismus. „Es wird von gegnerischer Seite behauptet, daß wir die großen Ideale vergessen, bagatellisiert, in Kleinigkeiten umgemünzt haben. Solche Behauptungen sind auch von den Herren Vorrednern vorgebracht worden. Meine Herren! Diejenigen, die solche Behauptungen aufstellen, verstehen nicht den Zweck und den Sinn unserer jetzigen Richtung Arbeit. Ich will jetzt nicht von den effektiven Erfolgen und Tatsachen unserer Palästinaarbeit und der allgemeinen Richtung, der wir jetzt folgen, sprechen, ich will nur eine Stelle erörtern: Die politische Bedeutung dieser Arbeit, Der politische Zweck dieser unserer jetzigen Arbeit in Palästina ist folgender: Wir wollen und müssen durch Arbeit und Tatsachen dem jüdischen Volke, der Türkei und der ganzen Welt demonstrativ beweisen, was wir Zionisten in Palästina arbeiten -wollen. Diese Arbeit, die wir dort leisten, wird aus kleinen Stücken zusammengesetzt, und wenn jemand nur diese kleinen Etappen beachtet und sich nicht den allgemeinen Plan vor Augen hält, so sagt er: „Ja, die Herren haben sich ganz in Kleinigkeiten verloren. Aber auch das größte Gebäude ist nur aus kleinen Ziegeln und Steinen gemacht, und die kleinen Steine, die wir jetzt in Palästina aufeinander legen, sind die Bausteine für das künftige Wohnhaus des jüdischen Volkes!" Der Kongreß durfte nicht auseinandergehen, ohne, als Repräsentanz einer großen aus Anhängern aller religiösen Richtungen bestehenden Partei, gegen die Schmach des Beilis-Prozesses zu protestieren. Es wurde daher folgende Resolution gefaßt: Der Protest gegen das Blutmärchen. „Der Zionistenikongreß als legitime Vertretung der größten jüdischen Organisation aus allen Ländern der Welt erhebt aus Anlaß des Kiewer Beilis-Prozesses feierlich Protest gegen die ungeheuerliche Beschuldigung, daß es Juden gäbe, die zu Religionszwecken Menschenblut verwenden. Wir brandmarken es als einen Schandfleck unserer Zeit, daß man es wagen kann, einen solchen wahnwitzigen Verdacht zu erheben gegen unser Volk, das drei Jahrtausende menschlicher Hochkultur durchlebt hat und das der Menschheit Nächstenliebe und Humanität gelehrt. Im Namen der Solidarität der gesitteten Menschheit fordern wir die ganze Kulturwelt auf, gemeinsam mit uns den Kampf zu führen gegen die finstere Barbarei und uns zu helfen, unsere geschändete Menschenwürde und verletzte Volksehre zu verteidigen und zu schützen." Das Vermögen der Zionistischen Organisation. Das Hauptbankinstitut der zionistischen Bewegung, die in London ansässige Jüdische Kolonial trank, hat zur Zeit ein Kapital von über 5V2 Millionen Mark, die beiden anderen Bankinstitute in Palästina und Konstantinopel zusammen 2,800.000 Mark. Der jüdische Nationaliond für Landerwerb in Palästina und der neugeschaffene Kulturfond für kulturelle palästinensische Aktionen verfügen gegenwärtig über ein Vermögen von zusammen 3,530.000 Mark. Dazu kommen eine Reihe besonderer Institute für Spezialaufgaben, die ihr eigenes Vermögen besitzen, so daß sich insgesamt ein Vermögensstand von 12,640.000 Mark ergibt. * Der Bericht des Palästina-Amtes. Das Referat hielt Dr. Arthur Ruppin, der Leiter des im Jahre 1908 begründeten zionistischen Palästinaamts in Jaffa. Er schilderte kurz die Verhältnisse, wie er sie 'beim Antritt seines Postens vorfand: Unter den Kolonisten hatte eine gewisse Resignation Platz gegriffen, als manch hochgespannte Hoffnung sich nicht erfüllt hatte, jüdische Kapitalisten waren zum Landkauf nur schwer zu bewegen, da sie die Arbeiten und Kosten der Okkupation scheuten, und die berufliche Ausbildung der jüdischen Landarbeiter ließ viel zu wünschen übrig. Dr. Ruppin ging daher zunächst an die Gründung einer Parzellierungsgesellschaft, der es seitdem gelungen ist, größere Flächen Landes in jüdischen Besitz zu bringen. In den Lehriarmen und Wirtschaftsbetrieben ist ein tüchtiger Arbeiterstamm herangezogen worden, dessen Beispiel in mancher bisher wenig prosperierenden Kolonie Wunder gewirkt habe. Die Betriebe seien auch in mannigfacher Hinsicht bahnbrechend vorgegangen und hätten damjit Arbeiten geleistet, die private Unternehmungen nicht übernehmen konnten. So sei neuerdings die Einführung der Milchwirtschaft gelungen. Wichtig sei auch, daß in den Betrieben der Organisation nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden.