Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 18 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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öeite 140 „Neu^N^ionalZeitung" Nr. 18 KORRESPONDENZEN. Deutsches Reich. Für die Juden auf dem Balkan. Berlin. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden ist die Nachricht zugegangen, daß die Einwohner von Strumitza aus Furcht vor der Besitzergreifung des Ortes durch die Bulgaren die Flucht ergriffen und Strumitza in Brand gesteckt haben. Die Flüchtlinge, darunter etwa hundert jüdische Familien, wanderten nach Saloniki und Doiran aus, auch aus Newrocop beginnen die Bewohner auszuwandern. Das jüdische Hilfskomitee in Saloniki hat sofort eine Delegation in die genannten Gebiete entsandt, um Hilfe und Beistand zu leisten und genaue Informationen einzuziehen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, an den aus Saloniki dringende Appelle gerichtet wurden, hat dafür Sorge getragen, daß die Mittel zur Linderung der Not zur Verfügung gestellt werden. Die vielfältigen schweren Notstände, die durch die beiden Balkankriege geschaffen wurden, erfordern noch immer das Eingreifen der jüdischen Hilfsorganisationen. Abgesehen von dem Hilfswerk, das die Verhältnisse in Bulgarien noch erforderlich machen, sind erhebliche Aufwendungen u. a. namentlich für S e r r e s, Adrianopel, sowie für die vor den Kriegswirren nach Konstantinopel geflüchteten Familien, deren Heimsendung noch nicht erfolgen konnte, notwendig. Schweiz. Das Jubiläum der Judenemanzipation in der Schweiz. Basel, 30. August. Heute feierten die jüdischen Gemeinden der Schweiz das Fest der fünfzigjährigen Wiederkehr des Tages, an dem sie die v o 11 e b ü rgerliche Gleichberechtigung erlangt haben. In den meisten Synagogen fanden G edenkfeiern statt, in denen in besonderen Ansprachen an die Verdienste der christlichen Staatsmänner um das Befreiungswerk erinnert wurde. Datei wurde des Berners S u f e r, des Aargauers Augustin Keller, der Züricher D u b s und Welt i, die als Vorkämpfer für die Emanzipation auftraten, ehrend gedacht. Desgleichen der Rabbiner Kayserling, Dreyfus und Bollag, die auf Seite der Israeliten die Freiheitsrechte eifrig verfochten. Das hatte sich keineswegs ohne Schwierigkeit vollzogen. Harte Kämpfe und langwierige Debatten sind vielmehr vorausgegangen. Noch die Bundesverfassung vom Jahre 1848 sicherte das Recht freier Niederlassung nur den Schweizern christlicher Konfession zu und erst im Jahre 1856 wurde durch Beschluß des Bundesrates die gleiche Vergünstigung auch den Juden eingeräumt. Die Regierung des Kantons Aargau, der hauptsächlich in Frage kam. weigerte sich jedoch noch bis 1863, diese bundesratliche Verfügung anzuerkennen und in der Exekutive, die den Kantonen überlassen bleibt, tatsächlich durchzuführen. Erst als das Drängen des Bundesrates keinen anderen Weg mehr offen ließ, verstand sich der aargauische große Rat dazu, den jüdischen Einwohnern seines Gebietes, die in den Gemeinden Eudingen und Lengnau wohnten, das Bürgerrecht zu verleiten. Aber auch der Bundesrat selbst handelte nicht aus freien Stücken, wenn er in seinen Beschlüssen von 1856 und 1863 für die Judenemanzipation eintrat. Auf ihn übte das Ausland einen Druck aus, dem er schließlich nachgeben mußte; Frankreich drohte nämlich mit der Kündigung des Handelsvertrages, wenn nicht den französischen Untertanen jeder Konfession, also auch den Juden, das unbeschränkte Niederlassungsrecht eingeräumt werde. Auch Holland und Amerika traten mit Nachdruck für die Rechte der Juden ein. Ist auch heute noch die Gleichberechtigung der schweizerischen Juden keine lückenlose durch das Schächtverb o t, das die Antisemiten vor zehn Jahren zur Durchführung brachten, so steht die Judenemanzipation in der Schweiz doch keineswegs nur auf dem Papier. Die Juden sind tatsächlich gleichberechtigt und sind in allen Aemtern und Würden vertret e n. Audi im Heere finden wir eine große Zahl jüdischer Offiziere. AUS ALLEN WELTTEILEN Eine Weltkonferenz der spaniolischen Juden in Wien. Der Wiener jüdisch-akademische Verein „Esperanza", eine Vereinigung: spai^olischer Studenten, hat an die Spaniolen in allen Weltteilen e'tne Einladung gerichtet, anläßlich des Zionistenkongresses in Wien an einer Weltkonierenz der spanioliischen Juden teilzunehmen. Wie die Einladung besagt, sei diese Konferenz imfolge der großen Katastrophen, welche die Juden auf dem Balkan und im nahen Orient, wo der größte Teil der spaniolischen Juden derzeit lebt, in den letzten Monaten ereilt haben, notwendig geworden. In dieser Konferenz sollen wichtige Fragen betreffen! d'is Zukunft der Sepharden behandelt werden. Hauptsächlich aber werde es sich um die Besprechung der Schaffung einer allgemeinen Organisation der Sephardim, die Entwicklung der spaniol'ischen Sprache, die Errüchtung von Schulen und die Stellungnahme der Spaniolen sowohl zu 'den Ereignissen im Orient, wie auch zu den Bemühungen der spanischen Regierung gegenüber den spaniolischen Juden handeln. Wer die Apathie der spanf.olischen Juden kennt, wird alle diese organisatorischen Versuche für aussichtslos ansehen. Meyer Amschel Rothschild als — kurfürstlicher „Knecht". Der Stammvater der Rothschilds hat unter dem 2. April 1805 das nachstehende, den Wandel der Zeiten widerspiegelnde Gsr such an den Kurfürsten von Hessen genichtet: „Durchlauchtigster Kurfürst Gnädigster Kurfürst und Herr! Ew. Kurfürstliche Durchlaucht haben allergnädigst geruht, mir gegen Erledigung von 100 Thalern die Befreiung vom Nachtgelde und gegen Bezahlung von 400 Thalern die Aufnahme emes meiner Söhne oder mich selbst in den Schutz zu bewilligen. Ich soll nun erklären, auf wehm der schutzbrief ausgefertigt werden soll, dieses setzt mich in große Verlegenheit, da Mein Sohn, welchen ich den Schutz zugedacht haben, sich mit :'mem von meine Söhne, welcher längst in London wohnhaft iist, in Kompanie mit demselben in London geschaffen zu machen willen ist. Ich bin daher entschlossen für mich den Schutz zu nehmen, wenn mir allergnädiigst verstattet wird, mir so Viel dafür jährlich zu erlegen, als andern auswärts wohnenden Juden, welche hier den Schutz unterhalten, bezahlen, lieh hoffe um so eher eine gnädige Erhörung dieser untertänigsten Bitte, da ich hier nur Geschäfte mache, welche ich hauptsächlich von einem auswärtigen Orte eben so gut machen kann, da iich nun schon aber 40 Jahre den Charakter als Hai Factor gehabt Ew. Kurfürstliche Durch-