Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 17 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 134 ..Neue National-Zeitung" Nr. 17 tenfaß mit keinem Feigenblatt zudeckt, seiner Feder kein „bis hieher und nicht weiter" zuruft und auch weiterhin entschlossen ist. seine Pappen wie eine Windmühle laufen zu lassen. A^S ALLEN WELTTEILEN Der Tod des Oberbürgermeisters Dr. Heltai ist vom menschlichen Standpunkte sehr ergreifend, da er einen Mann im schönsten Lebensalter und auf der Höhe seines Schaffens jäh getroffen hat. Die ungarische Nation und die ungarische Hauptstadt erleiden einen sehr großen Verlust. Dr. Heltai war auch Jude. Wir haben seine Ernennung zum Oberbürgermeister von Budapesi begrüßt als einen Maßstab für den Fortschritt der Gleichberechtigung in Ungarn. Wie traurig al>er ist es, daß wir an seinem Sarge eingestehen müssen, durch seinen Tod erleide das unterdrückte, verfolgte uuid kämpfende Judentum gar keinen Verlust! Der Antisemitismus in Ungarn. Wie aus Budapest geschrieben wird, ist den Juden der 'Aufenthalt in dem Badeorte R an k-Fü red, der unter Verwaltung des k öni glich - ungarischen A c k e r b a u m i n i s t e r i u m s s t e h t, verboten. Der Badeinspektor Graf 'Paul Halter hat den strengen Befehl erteilt, keinem einzigen Juden, in dem Badeorte ein Zimmer z«u vermieten. Dieser gräfliche Vertreter der königlich-ungarischen Regierung geht in seinem Judenhasse so weit, daß er den Juden, die, als sie sich vom Badeorte selbst förmlich ausgeschlossen sahen, in der Nähe desselben in Bauernhäusern einmieteten und ein Privatbad benutzten, selbst den Zutritt in das Gebiet des Badeortes durch eigens hie zu beorderte Gendarmerie verwehrt. Es muß allerdings, wie die „Blochsche Wochenschrift" behauptet. zur Entschuldigung (?) des Grafen Haller angeführt werden, daß es sich hier bloß um arme Kaftanjuden aus Marmaros und Galizien handelt, ■welche auch von den chauvinistischen Assimilanten in Ungarn in aller Form verfolgt werden, so daß Graf Haller sicherlich nicht daran dachte, antisemitisch zu handeln, wenn er etwas tat, was auch seine gleichgesinnten Juden in Ungarn zu tun pflegen. Ein Skandal bleibt die Angelegenheit immerhin, die jetzt Gegenstand einer Untersuchung seitens des Ministeriums bildet Das gleiche geschieht bekanntlich in dem galiizischen Kurorte S z c z a w n i c a, welcher dem österreichischen Ackerbau- Ministerium untersteht. Hier wurde aber bisher keine Untersuchung eingeleitet. Der Tod August Bebels wird aiuch in jüdischen Kreisen tiefes Beileid hervorrufen. Der Begründer und Führer der deutschen Sozialdemokratie hat wiederholt rücksichtslos gegen den Antisemitismus Stellung gen omme m und das organisierte Proletariat vor demselben gewarnt. Im Gegensatz zu den meisten Führern der österreichischen Sozialdemokratie hat Bebel arach aus taktischen Gründen nie dem Antisemitismus Konizessionen gemacht: er hat keine Angst gehabt, daß die Sozialdemokratie als „Judensch utztruppe" lächerlich gemacht werden könnte. Allerdings ist Bebel in den Fehler vieler einseitiger W%tsciha<ftspolitiker verfallen, die in dem Antisemitismus nur eine wirtschaftliche Abwehr des christlichen Kleinbürgertums gegen das jüdische Großkapital sehen wollten. Es fehlte ihm das tiefere Verständnis für das Rassenproblem nnd den Atavismus der arischen Volksmassen. Trotzdem wird das jüdische Volk dem Kämpfer für das internationale Proletariat stets ein ehrenvolles Andenken bewahren. Anderthalb Millionen für die Juden in Palästina. Ein reicher jüdischer Kaufmann in Kalkutta, Joseph Abraham S c h a 1 o m, hat in Jerusalem ein größeres Terrain erworben, auf dem er 24 Wohnhäuser erbauen läßt, die armen spaniolisch-jüdischen Familien ,zu je dreijähriger unentgeltlicher Benutzung überlassen werden sollen. Außerdem erhält jede Familie 1000 Mark jährlich unter der Bedingung, daß die Männer in der zur Erinnerung an den Stifter zu gründenden Jeschibah „Porath Joseph" täglich dem Thorastudium obliegen. Das Bauterrain kostet 130.000 Francs, die Kosten des Häuserbaues sollen sich auf etwa 250.000 Francs belaufen. Nach einer Mitteilung der Jerusalemer Zeitung „Hacheruth" hat Herr Schalom in der Kalkuttaer Filiale der Bank of England anderthalb Millionen Francs für palästinensische 'Wohlfahrtszwecke deponiert. 40 Prozent der Zinsen sollen zur Erhaltung des genannten Stadtviertels und 5 Prozent für das jüdische Hospital in Hebron verwendet werden. Die Verwaltung des neuen Stadtviertels besteht aus den 'Herren: Nissim Eljaschar, Elia A. Sasson, A. Oh. Valero und Nissim Nachium. Der amerikanische Kongreß für die rumänischen Juden. Auf Veranlassung des American Rumaniau lEmancipation Commitee, über dessen Gründung bereits berichtet' wurde und an dessen Spitze der Sprecher (Präsident) des Repräsentantenhauses, Mr. Champ Clark, steht, richtete dieser Tage der Abgeordnete von Pennsylvanieu, J. Hampton Moore, im Repräsentantenihause zu Washington eine Anfrage an die Regierung wegen der Lage der rumänischen Juden. Mr. Clark fragte den Staatssekretär der auswärtigen •Angelegenheiten, ob die Interessen der Vereinigten Staaten es nicht als wünschenswert erscheinen ließen, daß die Regierung in Verfolgung früherer Vorstellungen in Bukarest nunmehr weitere Schritte unternehme, um die rumänische Regierung an die im Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen gegenüber den jüdischen Landesbewohnern zu erinnern. Mr. Clark führte u. a. aus, daß infolge der rechtlosen Lage der rumänischen Juden und ihrer systematischen Bedrückung tausende von rumänisch-jüdischen Familien alljährlich nach den Vereinigten Staaten auswandern, das amerikanische Volk also an der Lösung der Judenfrage in Rumänien erheblich 'interessiert sei. — An die Anfrage des Abgeordneten Moore knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Leider wird auch diese Aktion erfolglos bleiben. In der Sitzung der Friedenskonferenz vom 5. August 1913 verlas Ministerpräsident M a j o r e s c u eine Verbalnote der R e gieru ii g der Ve r ei u i g t e n S t a a teu v ou A mer i k a, in welcher der Wunsch ausgedrückt wird, man möge in den Bukarester Vertrag eine Bestimmung aufnehmen über d i e voll e F r e i ih e i t der b ü r g e r 1 i c h e n und r e 1 i g i- <") seil Reeh t e der Tei 1 e de r Be v ö 1 ke r un g. die nun von ei n e m Lande g e t r e n n t und eine m a n - deren einverleibt werden. Der Präsident bemerkte, Jas sei schon Staatsrecht in jedem der beteiligten Länder. Die Chefs aller Missionen stimmten dem zu, „daß es überflüssig sei, eine besondere Klausel darüber im zukünftigen Vertrage in Erwägung zu ziehen." Die rumänische Barbarei und Rechtlosigkeit wind also auch auf die „eroberten" Provinzen erstreckt werden. Das „Gewissen Europas" kann dies vertragen. Der Austritt eines siebzigjährigen Mannes aus dem Judentum ist ein Ereignis, das nicht alltäglich vorkommt daher vom journalistischen Standpunkte einige Aufmerksamkeit verdient. Deshalb registrieren wir auch an dieser Stelle den Austritt des Wiener Advokaten Dr. Rudolf Manliard, der früher Mandelbaum hieß. Was den im 71. Lebensjahre stehenden Greis zum Austritt aus dem Judentum veranlaßt hat, ist uns nicht bekannt: es ist auch nicht unsere Sache, diesen Ursachen nachzugehen. So viel können wir jedoch vermuten, daß Herr Dr. Manhard nicht im Begriffe steht, ein Staatsamt anzutreten; deshalb ist der Austritt nur befremdender.