Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 17 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung" Welches waren nun ihre Leistungen 'hinsichtlich des praktischen Zionismus? Sehr ge ring e. Ich kenne allerdings die Schwierigkeiten, mit denen die Leitung zu kämpfen hatte. Ihre Mittel waren beschränkt. Aber dann, wenn man wenig hat, unternimmt man wenig! Statt dessen (heißt der Wahlspruch: „Beginnen wir nur, die Mittel werden sich finden." Ich nenne das nicht praktisch. Ich werfe der Leitung n i c h t vor, schlechte Geschäfte zu machen; sie macht keine Geschäfte, sie h a t d a s R e c h t, G e 1 d z u verliere n. Es ist ihre Aufgabe, Dinge zu unternehmen, die die Allgemeinheit für die einzelnen tun muß. Man mußte experimentieren. Es ist ganz in der Ordnung, daß die Leitung die (Mittel hergab, um Versuche zu machen. Wenn die Farm Geld verloren hat, so tröste ich mich darüber, wenn die Genossenschaft nicht prosperiert, so ist das nicht schlimm; wenn der Herzlwald, der uns lieb geworden ist, Entäuscbungen bereitet, so liegt dies au der Ordnung der Dinge. Aber wenn wir das Recht haben, uns zu irren, so haben wir nicht das Recht, unsere Irrtümer zu verstecke n. Wenn wir freimütig sagen, wir haben unsere Mittel zu dem u-id dem Zwecke verwandt, sie sind verloren, aber haben dazu gedient, uns den Weg zu zeigen, eine solche Leitung hat die Achtung der Mitglieder und 'der Außenstehenden. Eine verschlagene Leitung aber, die sich 'nicht offen ausspricht, d i e V e r Ii e i m 1 i c ih u n g a n w endet u n d u n - klare Re cih n u ng em liefert, begeht einen großen Fehler. Die, welche das Beste wollen, sie stützen möchten, sind verpflichtet. Halt! zu rufen. Die Geschäftsleute, die in solchen Fragen Praxis haben und kompetent sind, erklären, die gelieferten Zahlen seien unrichtig; von der Leitung erhalten wir aber nur ausweichende Antworten. Es ist uns gleichgültig, wenn die Oelbäume teurer zu stehen kommen, als ursprünglich angegeben, oder wenn andere Bäume gepflanzt werden, abersag <t e s u n s we n i g s t e « s! Wir verlangen vor allem d i e W ah r h e i t. Fürchtet den Augenblick, wo ein Feind — den ich nicht in meiner Umgebung erblicke —■ sich dieser Tatsache bemächtigt, um Euch mit groben, scharfen Worten anzugreifen! Nun, -unsere Leitung hat nicht das Recht, sich einer solchen Geiahr auszusetzen. Es wird heute viel Lärm gemacht wegen des Projektes einer Universität. Die Idee ist ausgezeichnet und die Nützlichkeit ist allgemein anerkannt. Sie beweisen zu wollen, -hieße Eulen nach Athen tragen'. Aber mit welchen Mitteln wollen wir die Hochschule gründen? Wir haben alles, Studenten, die nur auf deren Eröffnung warten, Professoren, deren es tarnende gibt, die fähig sind, aber keine Anstellung finden, weil sie Juden sind; nur das Geld mangelt. Warten wir, bis der Herzlwald die Mittel liefert, wie soeben Dr. Ginsbourg gesagt, und jedermann wird dieser Verwendung beistimmen. Wollte man früher beginnen, würde man ein Fiasko riskieren. Ich erinnere mich an die Propaganda, die vor 10 Jahren bereits für diese Idee gemacht worden war. Durch einen dieser Glücksfälle, die sich in der jüdischen Geschichte oft wiederholen, fielen jenem Komitee 10.000 Francs zu. Und da begann eine Epoche von Reisen und Reden durch ganz Europa, bis die 10.000 Francs ausgegeben waren, gewissenhaft ausgegeben bis auf den letzten Heller. Und ioh sehe heute dieselben Gesicihter wieder für dieses Projekt eintreten . . . Seien wir praktisch, wie Herzl und Wolffsohn es waren, unternehmen wir nicht zu viel, um es gut anzufassen, und was wir beginnen, machen wir es gut! Wir dürfen nicht Sachen unternehmen, d i e wir nie h t zu En d e führen k ö n n e n; wir dürfen nur Werke beginnen, die unserem Namen und unserer historischen Aufgabe wirklich von Nutzen sind. Wir müssen unsern Ruf sorgfältig bewahren. Darauf kommt es an. Denn welches ist die praktische Bedeutung des bisherigen Werkes in Palästina? Wir haben 50.000 Juden angesiedelt. Was ist das im V e r g 1 e i c h zu den sechs Millionen? Sehr w en i g. Dagegen hat das Werk moralischen Wert. W ir können es der Welt-zeigen, die unsere Hoffnung und unsere Idee nicht begreift! und nur nach dem Aeußeren urteilt. Wenn wir bei allen Fortschritten, die in Palästina gemacht werden, bei allen modernen 'und nützlichen Einrichtungen sagen können, es sind die Juden, die dies vollbracht, so macht das guten Eindruck auf den Reisenden und jeder Besucher wird zu einem Herold unserer Würde und 'unseres Rufes. Also profitieren zwar nur wenige sofort von 'unserer Arbeit, aber indirekt nützt sie dem ganzen Werk. Dazu genügt das Vorhandene. Vermehren wir es nicht, da unsere Mittel nicht ausreichen. Ich komme zum Schluß. Die neue Leitung ist ans Ruder gekommen, indem sie den politischen Zionismus bekämpfte. An ihr Ziel gelangt, nennt sie sich selbst politisch. Sie hat aiur diesem Gebiet wenig Resultate gehabt, was wir ihr nicht vorwerfen. Sie nennt sich praktisch, hat aber dem Vorgefundenen nichts zugefügt. Dagegen projektiert sie gefährliche Dinge, bewegt sich auf einer schiefen Ebene, indem sie immer neue Unternehmungen beginnt, ohne die Mitte! zu deren Durchführung zu besitzen. Einer Sache sind wir gewiß! Laßt uns treu bleiben der Idee Herzls! Arbeiten wir für das ganze Volk, dann werden wir nie Schiffbruch leiden, denn die Idee kann nicht Schiffbruch leiden. Dagegen die Versuche und übereilten Unternehmungen können zu einer Katastrophe führen. Wünschen wir, daß die Leitung der großen Idee Herzls treu bleibe, denn nur mit dieser Idee 'und durch diese Idee werden wir siegen." Der XL Zionisten-Kongreß in Wien. Das Tages-Programm. Dienstag, den 2. September 8 Uhr abends: Eröffnungssitzung in der Katharinenhalle: E r ö f f n u n g s r e d e des Vorsitzenden des Engeren Aktionskomitees, Herrn Prof. Dr. Otto W a r b u r g-Berlin; Rede '.'es Herrn Nahum S o k o 1 o w-BerHn: D a s j ü d i s c Ii e Leben in der Diaspora; Rede des Herrn Dr. Schmarja Levin-Haifa: Das neue Judentum in Palästina; Wahl des Bureaus. Mittwoch, den 3. September 10 Uhr vormittags: Beginn der Vormittagssitzung des Kongresses im Musikvereinssal. Bericht über die Tätigkeit des A k t i o n s k o in itees: Dr. Arthur H a n t k e-Berlin; Generaldebatte: 11 Uhr vormittags: Vortrag im Beethovensaal. 1!& Uhr nachmittags: Beginn der Nachmittagssitzuns des Kongresses im Musikvereinssaal. Fortsetzung der Generaldebatte: VsS Uhr abends: Hebräische Theatervorstellung in der Neuen Wiener Bühne; <S Uhr abends: M e e t i n g im Sofieusaal; S Uhr abends: Lichtbildervortrag im Beethovensaal (Vortragender: Dr. Heinrich Loewe); Zu noch zu bestimmenden Stunden Führungen durch das jüdische Museum und die Adria-Ausstellung.