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Neue Nationalzeitung · 1913-08-01 · Heft 16 (1.8.1913) · p. Seite 123

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 16 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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Seite 123 Im erstenFalle hat derPräsidentTaft durch einen direkten Befehl an den Regimentskommandanten, der sich hinter den Verwand versteckte, daß der Vater des Offiziersaspii anten Regimentsschneider sei, Wandel geschafft. Im zweiten Falle, den wir hier näher besprechen wollen, hat der Gouverneur des Staates New York, Williarn S u 1 z e r, der bereits durch seine judenfreundliche Haltung in der Paßfrage berühmt wurde, eine sehr energische Aktion eingeleitet, indem er die Intervention des Militärgerichtes angerufen amd eine Untersuchung verlangt hat. Die weitgehendste Repression ist im Zuge. Die „New Yorker Staatszeitung" berichtet darüber : A 1 b a n y, N. Y., 13. Juli. Die Behauptung Samuel L i 11 m a n s aus Brooklyn, daß ihm die Beförderung in der Nationalgarde versagt worden sei, weil er ein Jude sei, wird in dem amtlichen Bericht über eine Untersuchung der Sache bestätigt, welcher heute veröffentlicht wurde, nachdem Gouverneur Sulzer sich damit einverstanden erklärt hatte. Die Untersuchung hat der in den Ruhestand getretene Oberstleutnant Herman Bendell in Albany vorgenommen, aus dessen Feder der Bericht stammt. Gouverneur Sulzer hat dem Generaladjutantei; Hamilton Befehl erteilt, die in dem Bericht gemachten Vorschläge zur Ausführung zu bringen. Diese lauten dahin, daß der Oberst Barthmann. Kommandeur des 47. Infanterie-Regiments, in welchem Littman. welcher Sergant war, sich um die Erwählung zvm Unterleutnant bemühte, eineRüge erhalte und anderweit so zur Rechenschaft gezogen werde, wie es sein Verstoß nach dem Urteil des fiöchstkommandierenden rechtfertigt. Daß dem früheren Serganteu Littman die Erlaubnis erteilt wird, wenn er es wünscht, innerhalb 30 Tage in den Dienst wieder einzutreten. Daß in angemessener Zeit nach seinem Wiedereintritt die Wahl eines Unterleutnants in der Kcmpagnie B des 47 Infanterie-Regiments der zweiten Brigade der Nationalgarde des Staates New York angerordnet wird und daß, falls bei einer solchen Wahl Beweise einer Diskrimination mit Rücksicht auf Rassen- und Religionsverhältnisse sich zeigen sollten, zur Aufrechterhaltung geordneter Verhältnisse und der Disziplin in der Nationalgarde die A u f 1 5s u n g d e r K o m p a g n i e B d e s 47. R e g i m e n t s erfolgen sollte. Oberstleutnant Bendell erklärt auch in seinem Befund, die Untersuchung habe eine Lage der Dinge in der Kompagnie B des 47. Regiments im allgemeinen an den Tag befördert, welche seines Erachtens eine weitere Untersuchung zu dem Zweck eines vollständigen Wandels rechtfertigen würde. Wie in dem Bericht angeführt wird, hat Oberst Barthmann im Laufe der Untersuchung ausgesagt, in einer Konferenz mit Littman habe er diesem erklärt: .,Sergant. Sie sind Geschäftsmann und ein verständiger Mensch. In meiner Eigenschaft als Kommandeur mcc'hte ich Ihnen raten, selbst, wenn Ihre Fuhrungsatteste gut sind, nicht eine Stellung in einem Offizierskorps anzunehmen, in welchem Sie d e r Einzige Ihrer Rasse sein w ü r d e n." „Die Untersuchung" heißt es in dem Bericht des Oberstleutnants Bendell weiter „hätte schon bei diesem Punkt stehen bleiben können, weil die angeführte Aussage des Obersten Barthmann mich vollständig davon überzeugt, daß gegen Sergeant Littman w egen seines Religionsbekenntnisses diskriminiert worden ist und daß, gleichviel wie tüchtig er sich zeigen mochte, in dem 47. Regiment der Umstand, daß er ein Israelit ist, seine Beförderung zu einer Stellung verhindern würde, welche ihn zu dem einzigen Juden in dem Offizierskorps machen würde. „Das mir vorliegende Beweismaterial zeigt, daß die bestimmenden Faktoren, welche den Oberst Barthmann zu dem Beschluß bezüglich der Kandidatur des früheren Sergeanten Littman bewogen haben, in seiner Mitteilung an den Generaladjutanten vom 28. Februar d. J. nicht angegeben worden sind, sondern daß die Besorgnis, es möchte für einen Juden kein Vergnügen sein, dem Offizierskorps anzugehören, der wahre Grund seiner Opposition war.'' Als Samuel Littman die Meldung aus Albany über seinen Fall erhielt, erklärte er, er wolle erst mit seinem Anwalt Kol. Maurice Simmonds konferieren, che die Empfehlung des Kol. Bendell an den Gouverneur betreffs seines Wiedereintrittes in das 47. Regiment schlüssig werde. Wenn er sich wieder zum Dienst melde, werde er seine Aspirationen zur Erlangung der Offizierscharge weiter verfolgen. Zwischen 30 und 40 Prozent der Mitglieder des 47. Regiments seien Juden, doch habe das Regiment nie einen Juden im Offizierskorps gehabt, was er für eine Ungerechtigkeit halte. Kol. Simmonds und er seien sich darin einig, daß die einmal im Gange befindliche Untersuchung auf alle anderen Milizregimenter der Stadt ausgedehnt werde, denn das Vorurteil gegen das israelitische Element s ei in den anderen Truppenkörpern ebenso stark ausgep r ä g t, wie beim 47. Regiment in Brooklyn. Im 7. Regiment in Manhattan würden überhaupt keine Israeliten aufgenommen, und. in den anderen würden auch keine Israeliten zu Offizieren erkoren. Kol. Barthmann, der Kommandeur des 47. Regiments, lehnte es ab, sich über die Meldung aus Albany zu äußern. SPRECMS/lflL. Die Behandlung armer Juden im Ruthschild-Spital. Hochlöbliche Redaktion der „Neuen National-Zeitung" W i e ii I. Sie werden mich, sehr geehrter Herr Redakteur, zu viel Dank verpflichten, wenn Sie folgende barbarische Episode, die mir unlängst am Korridor des Rothsehikl-Spitales zugestoßen ist, gütigst veröffentlichen werden. Ich erschien nämlich dort mit meinem schwer lungenkranken, 15iähr:gen Kinde und begleitet von meiner kränklichen Frau, um auf dringendes Anraten des behandelnden Arztes dieses kranke Kind im Rothschild-Spital aufnehmen zu lassen. Als ich nach beendigter Ordination mit dem im Spitale nicht aufgenommenen Kinde und der Frau im Heimgehen begriffen war, war ich infolge des plötzlich eingetretenen starken Regengusses ein wenig aufgehalten und hemmte meine Schritte in der Hoffnung, daß der Regen bald vorüber sein v erde.

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