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Neue Nationalzeitung · 1913-07-18 · Heft 15 (18.7.1913) · p. Seite 117

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 15 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 sie ihr „selbes Billett" durch ihre Lebensführung rechtfertigen. (Pfui-Rufe). Und wenn sie sich weigern, geht die Polizei dazu über, selber diese Mädchen zu schänden! (Große Erregung. Laute Pfuirufe). Meine Damen und Herren! Dieses Leid 'ist zu fürchterlich, als daß es Tränen entlockt, diese Abscheulichkeilen sind so schrecklich, daß sie jedes Kommentars spotten. Nur wird meine Darstellung Ihnen zeigen, warum ich einen Kongreß begrüße wie den Ihrigen, der sich zur Aufgabe macht, den Sündenfall der Jugend eines jeden Volkes zu verhüten. Dieser Kongreß kann, mit Gottes Hilfe, eine öffentliche Meinung bilden, die imstande ist, den Zynismus der kosakischen Bureaukratcn zu überwinden. Dieser Kongreß stellt das organisierte und lebendig gewordene Gewissen der zeitgenössischen Menschheit gegenüber diesem schrecklichen! Problem des weißen Sklavenhandels dar, das so alt ist wie die Welti. Meine Damen und Herren des fünften internationalen Kongresses zur Unterdrückung des weißen Sklavenhandels, möge Gott sie segnen und das Werk gelingen lassen, das Sie unternommen haben. (Großer Beifall). /WS ALLEN WELTTEILEN Ein jüdischer Radetzky-Veteran. In Elsch bei Hayd in Böhmen ist vor einigen Tagen der letzte Radetzky-Veteran, Kaufmann Moritz Strauß im hohen Alter von 93 Jahren gestorben. Strauß wurde in den Vierzigerjahren zum Militär assentiert und diente ununterbrochen 19 Jahre aktiv beim ehemaligen Regvment Graf Khevenhüller-Metsch. Unter Radet'zky stand Strauß oft im heißen Treffen. Auch bei der Niederwerfung der Aufstände in Prag, Wien und Ungarn tat er sich hervor. Als er den Abschied vom Militär erhalten hatte, fand er bei Aktivierung der Gendarmerie sofort Aufnahme und auch in dieser Stellung bewährte er sich in vollem Maße. Der Kaiser zeichnete den alten Veteranen durch Verleihung von Orden und des Verdienstkreuzes aus. Zehn Juden im preußischen Abgeordnetenhause. Nachdem nunmehr das Endergebnis der preußischen Landtagswahlen fast vollständig vorliegt, können wir konstatieren, daß trotz des Rücktrittes des Herrn Justizrates Lichtenstein-Königsberg im neuen preußischen Abgeordnetenhaus 9 bürgerliche Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses vorhanden sein werden. Rechnet man den gleichfalls jüdischen Abgeordneten der Sozialdemokratie Dr. Hirsch hinzu, so wird das neue Abgeordnetenhaus 10 Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses haben. Von besonderem Interesse ist, daß diesmal auch die Nationalliberalen mehrfach jüdische Landtagskandidaten aufgestellt haben und die nationalliberale Fraktion des Landtags statt bisher einen, zwei Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses in ihren Reihen hat. Außer den schon bisher dem Abgeordnetenhause angehörenden Dr. L e v y-Hohensalza ist noch Herr Liepm a n n, der jüdischen Bekenntnisses ist, von den Nationalliberalen aufgestellt und gewählt. In der Fraktion der Fortschrittspartei befinden sich folgende preußische Landtagsabgeorduete: Geh. Justizrat Cassel, Rosenow, Arous o h n, Wolf f-Lissa, B a e r w a 1 d, M ii n s t e r b e r g-Danzig und Dr. W a 1 d s t e i n-Altoua. Mit den 10 jüdischen Abgeordneten hat der Landtag seit seinem Bestehen die höchste Zahl von Abgeordneten jüdischen Bekenntnisses erreicht. Ein jüdischer Polizistenveteran in Rußland. Unter Beteiligung des gesammten Polizeikorps wurde in Warschau vor kurzem ein seltenes Jubiläum gefeiert. Es ist das 50jährige Dienstjubiläum -des SSjährigen einzigen jüdischen Polizisten B ar u C'h J aib 1 o n k i. Mit 21 Jahren trat dieser zum Militärdienst ein und diente 15 Jahre ununterbrochen bei der berühmten Semjonower Leibgarde in Petersburg. Wegen seines Heldenmutes in der Schlacht bei Sebastopo! wurde er mit der KriegsmeJaille ausgezeichnet. Nach seinem Ueberfcritt zur Reserve kam J a b 1 o n k i nach Warschau, wo er von dem damaligen Statthalter Konstantin N i k o 1 a j e w i t s c h in Audienz empfangen und seinem Wunsche, in den Polizeidienst treten zu dürfen, entsprochen wurde. Das war im Jahre 1863, und von diesem Zeitpunkte an dient' Jablonki ununterbrochen als Polizist in Warschau. Jablonki erinnert sich, daß außer ihm noch 12 jüdische Kollegen im Warschauer öffentlichen Polizeidienste gestanden haben, die aber zumeist entlassen, manche gestorben sind. Heute ist er der einzige Jude im Warschauer P o 1 i z e i di i e n s t e. Jablonki wurde wegen seines Pflichteifers von auswärtigen Fürstlichkeiten ausgezeichnet und besitzt Auszeichnungen von Nikolaus I., Alexander II.. Alexander III., und auch der gegenwärtige Kaiser Nikolaus II. hafi seinen Fleiß und seine Pflichttreue mit einer Auszeichnung belohnt. Jablonki ist ein frommer Jude, der jeden Sabbat in den Tempel geht, und es zeugt für seine Beliebtheit, daß er schon seit vielen Jahren au den jüdischen Festtagen vom Dienst befreit ist. Die vom Warschauer Polizeikorps veranstaltete Jubiläumsfeier fand im Kasernenhofe der Polizeüdirektion statt. In Anwesenheit der Mannschaft, der Polizeiinspektoren und Polizeibeamten hielt der Oberpolizeimeister die Begrüßungsrede, in welcher er Jablonki den übrigen Kameraden als Muster für treue Dienste hinstellte und dem Jubilar ein wertvolles Ehrengeschenk des Polizeikorps überreichte. Zum Andenken an diese Jubelfeier verfügte der Oberpolizeimeister, daß die ganze Festgesellschaft sich photographieren lasse und das Bild zum Andenken an die Feier im Mannschaftszimmer aufgehängt werde. Die ersten Abiturienten des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa. Am 9. Juni erhielten die Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa die letzte Unterrichtsstunde. Nach sechs Wochen findet die Reifeprüfung statt, der sich 19 Jünglinge und 5 Mädchen unterziehen werden. In der letzten Stunde richtete der Gründer der Anstalt, Dr. J. L. M e fr m a n n, der noch jetzt am Gymnasium hebräische Literatur und palästinensische Botanik unterrichtet, an die Schüler eine kurze Ansprache, in der er seiner Freude Ausdruck gab, sie acht Jahre hindurch unterrichtet1 haben zu dürfen. Es sind das 'die ersten Abiturienten, diie Hebräisch als ihre Unterrichtssprache sprechen und an einem h eb r ä i s c h e n Gymnasium die Matura ablegen! Der Handelsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Rußland ist noch immer nicht hergestellt. Gegenüber den vielfachen einander widersprechenden Blättermeldungen über die angeblichen Unterhandlungen zwischen beiden Te:'len hat der New Yorker „American Hebrew" vom Staatssekretär Bryan eine Auskunft verlangt und folgendes Telegramm am 28. Juni erhalten: „Seit 4. März hat mit Rußland in der Paßfrage keine Diskussion stattgefunden." Der Streik der Droschkenkutscher von Jerusalem. Man schreibt der „Frkft. Ztg." aus Jerusalem: Am ersten Sonntag und Montag dieses Monats streckten die hiesigen Droschkenkutscher. Was das für Jerusalem bedeutet, kann nur der ganz verstehen, der die hiesigen Verhältnisse etwas näher kennt. Da es hier weder Elektrische noch Dampfbahn, noch sonst irgend welche anderen modernen Verkehrsmittel gibt, so ist die Droschke das einzige Gefährt', dessen man sich bedienen kann. Und größere Strecken zu gehen ist hier, bei dem orientalischen Klima, das verweichlicht und erschlafft, fast eine Unmöglichkeit. Selbst in einem Sommer wie dem diesjährigen, der im Vergleich mit sonstigen Jahrgängen bis jerzt angenehm und kühl zu nennen ist, brennt die Sonne doch um die Mittagszeit

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