Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 110 „Neue National-Zeitmig" Nr. 14 rechten Fortschritte (?), weil die Einwanderer zu oft einen Fehlschlag ihrer Hoffnungen erfahren. Der Grund dafür wird gewöhnlich in den allgemeinen klimatischen Verhältnissen Palästinas gesucht, auch in der herabgesetzten Widerstandsfähigkeit der Juden gegen die Einflüsse der neuen Lebensbedingungen, die ihnen unter jenem Klima auferlegt werden. Dr. Masiermann führt jetzt im Journal für Hygiene eine Reihe schlagender Beweise dafür an, daß die Malaria das stärkste Hindernis für die zionistischen Ansiedler ist. Das Laboratorium, das mehrere deutsche Gesellschaften zum Zwecke hygienischer Studien für Jerusalem errichtet und unter Leitung von Professor Mühlens gestellt haben, hat durch planmäßige Arbeit die Grundlagen zur Beurteilung dieser Frage geliefert. Die Untersuchung der Kinder an den jüdischen Schulen hat gezeigt, daß fast ein Drittel von ihnen während der Herbstmonate, die für die Entwicklung der Malaria am günstigsten sind', mit dieser Krankheit behaftet Mar, vielleicht sogar die Hälfte, wenn die fehlenden Schüler hinzugerechnet wurden. Von den Kranken des Hospitals der englischen Mission in Jerusalem enthielten sogar fast drei Viertel den Erreger der Malaria im Blut, oft in ganz erstaunlichen Mengen. Am meisten sind europäische Kinder und alte geschwächte europäische Juden gleich nach der Ankunft für die Malaria anfällig. Am besten ist der Gesundheitszustand noch in der Regenzeit des Winters und bis Juni. Dann nehmen die Erkrankungen bis zum Herbst stetüg zu und erst im Dezember schnell wieder ab. Auch der Küstenstrich sowie das größtenteils unter dem Meeresspiegel liegende Jordantal sind in außerordentlichem Grade durch die Malaria verseucht und für Europäer ebenso gefährlich wie die ungesundesten Gebiete Westafrikas. Vielleicht sollte eine internationale Gesundheitsbehörde zur Bekämpfung der Malaria geschaffen werden. Ohne planmäßige Arbeiten in dieser Richtung kann ein wirklicher Erfolg in der Besiede - Iung Palästinas weder durch den Zionismus noch auf anderen Wegen erwartet werden." Getaufte jüdische Aerzte in österreichischen Kurorten. In Karlsbad: Dr. Ludwig Ritter von A 1 d o r, Doktor Gustav A ranyi, Dr. Adolf Charmatz, Dr. Franz F o ks c h a n e r, Dr. Edgar Ganz, Dr. Emil Goldscheide r, Dr. Hugo Guth, Dr. Stefan Kelen, Dr. Rudolf K o 1 i s c h, Dr. Alexander K o m a r o m y, Dr. Friedrich Kraus, Doktor Arnold L o r a n d, Dr. Heinrich Münk, Dr. Gustav Töpfer, Dr. Leo Z u p n i k. Dr. Eugen Frank ist konfessionslos und hat seine Kinder taufen lassen. Dr. Desiderius Sipos ist konfessionslos. In M a r i e n b a d: Dr. Emil L o e w y, Dr. Leo Martens, Zahnarzt, Dr. Julius S c h u e t z. in Ebensee: Dr. Nobel. In Bad Ischl: Kais. Rat Dr. H e r z k a, Dr. Isidor Stein, Inhaber der mechanotherapeutischen Anstalt (im Winter in Abbazia). In Baden bei Wien: Dr. Wilhelm A 11 m a n n. In Bad Gastein: Dr. Herzka. In Meran: Dr. T r a g e r, Zahnarzt. In Franzensbad: Dr. Josef Steinbach, Dr. Gustav Egger, Dr. Nikolaus Cuker, Dr. Johann Robert Heller, Dr. Thaddäus Kon, Dr. Bruno Felln er, Sohn des in Franzensbad praktizierenden kais. Rates Dr. L. Fei liier. Ein echter „Liberaler". So ein echter „Liberaler" ist doch gewiß ein Jude. Wer könnte denn liberaler sein als ein Joide? Und darum ist ein Jude die Personifikation des „Liberalismus". Er ist selbst Antisemiten gegenüber liberal, liberaler sogar als die christlichen Liberalen. Das zeigte uns jüngst eine Debatte im Gemeinderat (Stadtverordneten-Versammlung) von Charlottenburg. Es lag ein Antrag 'des Magistrates vor, den Lehrerinnen an Privatschulen eine Altersversorgung zu gewähren. Mehrere liberale machten .dagegen geltend, daß man von diesem Privileg Ausnahmen machen müsse. Wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß es in Charlottenburg zahlreiche Schulen gebe, die jüdische Kinder nicht aufnehmen wollen. Mehrere Stadtverordnete, und zwar nicht nur Liberale, sondern selbst •ein Unparteiischer widersetzten sich dem Versuche, Lehrerinnen solcher konfessioneller Schulen auf Kosten der Allgemeinheit eine Altersversorgung zu erhalten. Anders ein gewisser Dr. Schwarz, ein liberaler Jude. Der Mann war dafür: als Jude ■— wie er sagte — und aus „Gerechtigkeitsgefühl". Der Mann küßt die Hand, die ihn ohrfeigt, und nennt dies — Gerechtigkeitsgefühl. Wir, die wir nicht „liberal" sind, nennen _dies: hündische Unterwürfigkeit. Auszeichnungen anläßlich des deutschen Kaiserjubiläums. Bei Gelegenheit dieses Jubiläums erhielten: Den Roten Adlerorden 2. Kl.: Dr. James Simon; die Brillanten zum Kronenorden 2. Kl. m. d. Stern: Geh. Kommerzienrat Ludw. Max G o I dberger; Stern zum Kronenorden 2. Kl.: Geh. Baurat Dr. h. e. Ing. Rathenau; Kronenorden 2. KI.: Stadtrat a. D. Stadtältester Dr. Max W e i ge r t-Charlottenburg, Repr. der jiid. Gemeinde; Kronenorden 3. Kl.: Rittergutsbes. Dr. Paul Schottländer-Breslau und Hoflief. Wollmann-Berlin. An zahlreiche jüdische Persönlichkeiten in Berlin und in * der Provinz wurden verschiedene Ratstitel und Geheimratstitel verliehen. Eine französiche Universität in Jerusalem soll, wie aus Paris gemeldet wird, demnächst auf Kosten der französischen Regierung erstehen. Vom jüdischen Standpunkte aus ist diese Gründung lebhaft zu begrüßen. Es ist überhaupt nicht abzusehen, welche nationalen Vorteile diese Universität durch Heranziehung der gesamten studierenden Jugend aus Rußland nach Palästina dem jüdischen Volke bringen wird. Das Schächtverbot in Finnland aufgehoben. In Helsingfors war das Schächte n, und zwar seit dem 25. März 1909 verboten. Nunmehr ist unter dem 16. Mai d. J. durch kaiserliche Verordnung das Verbot wieder aufgehoben word e n. Allerdings hat es harter Arbeit bedurft, bis es erreicht wurde. In den Tierschutzvereinen sitzen derartig verbissene, zum Teil auch antisemitische Schächtgegner, daß es nicht leicht geworden ist, die Behörden zu überzeugen. Ein bereits im Jahre 1910 an den finnischen Senat eingereichtes Gesuch war erfolglos geblieben; die Juden haben sich deshalb im Jahre 1911 direkt an den Kaiser gewandt, auf dessen Veranlassung eine neue Untersuchung eingeleitet und Gutachten erfordert wurden, die nun endlich den Erfolg gebracht haben. Uebrigens war schon früher einmal von August 1902 bis August 1903 das Schächten verboten gewesen. Die an sich interessante kaiserliche Verordnung hat nachstehenden Wortlaut: Verordnung betreffs Erlaubnis für Juden und Mohammedaner zu Schächten nach jüdischem und mohammedanischen Ritus. Gegeben in Zarskoje-Selo den 3./16. Mai 1913. Seine Majestät der Kaiser hat auf Unterbreitung des finnischen Senats verordnet wie folgt: 1. In Finnland wohnende Juden und Mohammedaner dürfen Haustiere nach jüdischem und mohammedanischem Ritus Schächten m'it der Bedingung, daß nachstehende Vorschriften beobachtet werden. 2. Das Schächten soll ausgeführt werden von einer hiefür speziell ausgebildeten, von der zuständigen Behörde anerkannten Person, die zugegen sein muß, bevor das Tier gebunden wird. 3. Das Tier soll mit weichen nicht zu schmalen Riemen oder Stricken gebunden werden und muß unmittelbar möglichst vermittels der Anwendung eines für diesen Zweck konstruierten Apparates auf eine weiche Unterlage umgeworfen werden. Das Umwerfen muß schonend vorgehen, so daß der Kopf nicht am Boden anschlägt und dem Tiere kein Schaden zugefügt wird. 4. Der Halsschnitt soll sofort nach Umwerfung des Tieres und mit einem möglichst scharfen Messer ausgeführt werden. Den Kopf des Tieres soll man gestreckt halteu, bis der Tod eintritt.