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Neue Nationalzeitung · 1913-07-04 · Heft 14 (4.7.1913) · p. Seite 106

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 14 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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Öeite 106 „Neue National-Zeitung" Nr. 14 % . $ Heizl anders? Hat er nicht die intelligentesten Männer, die lange vor ihm dem Zionismus wertvolle Dienste leisteten und ihn auf den Schild hoben, aus der Partei verdrängt? Was hat aber den Professor Kellner berechtigt, gerade gegen Dr. Straucher den schärfsten Kampf aufzunehmen und selbst auf eine politische Führerrolle zu aspirieren. Hat Professor Kellner für das Judentum jemals welches Opfer gebracht? Hat er nicht selbst als Zionist sorgfältig jedes offene Auftreten vermieden und sogar seine schriftstellerische Tätigkeit unter der Maske des Pseudonyms betrieben, bis er ordentlicher Professor wurde. Hat nicht Professor Kellner noch im Jahre 1907 die innere politische Tätigkeit der Zionisten verpönt und gegeißelt, während er einige Jahre später selbst den schärfsten Wahlkampf für sich und seine Freunde führte? Hat Professor Kellner als Gegner des jüdischen Nationalgedanke n s überhaupt ein Recht auf ein jüdisches Volksmandat, geschweige denn auf eine jüdische Führerschaft? Und hatte denn Dr. Straucher Unrecht, als er diesem zionistischen Deutschen — oder Polen? — den Eintritt in die Kultusstube verwehrte? Damit gelange ich zu dem größten politischen Fehler, den i c h dem Dr. Straucher vorzuwerfen hab2: den Anschluß an die zionistische Partei. Schon im Jahre 1897, als Dr. Straucher auf das demckratische Programm gewählt, im Parlamente erschien, hatte ich Gelegenheit, ihm näher zu treten und es ergab sich eine vollständige Uebereinstimmung unserer Anschauungen bezüglich eines jüdischen Gegeiiwartsprogrammes. Dr. Straucher war in Wirklichkeit schon damals jüdischnational und er kandidierte das nächste Mal, im Jahre 1900, auf dieses Programm. Er hatte damals noch gar keine Berührungspunkte mit den Zionisten, die sich gegen jede innerpolitische Betätigung bis zum Jahre 1907 sträubten. In diesem Jahre nahmen die Zionisten — ohne jedes politische Programm — den Wahlkampf auf und eroberten in Galizien drei Mandate. Dr. Straucher trat wieder, wiewohl sein Mandat von jüdischer Seite ganz unbestritten war, in die zionistische Organisation ein. die ihm nichts zu bieten hatte; offenbar um die Jüdisch-Nationalen und Zionisten in einer Organisation zu vereinigen. Dieser Anschluß an die Zionisten ist für ihn eine Quelle schwerer Sorgen und aufreibender Kämpfe geworden. Aus den Reihen der Zionisten sind ihm die heimtückischesten Feinde erwachsen L. (Schluß folgt.) Die Landtagswahl in Krakau. Von unserem Korrespondenten. (Daszynski gegen Dr. Groß.) Krakau, 2. Juli. Rabbi Akiba hat endlich einmal auch Unrecht: Das war noch nicht da! Daß jüdische Führer, sonst politisch gegnerisch, darin einig sind, ein jüdisches Mandat zu verraten und preiszugeben; das ist zum ersten Male in Krakau geschehen. Und das wird eine Schande bleiben für unsere „Führer" auf ewige Zeiten. Ich möchte mit diesen Zeilen dafür sorgen, daß den Verrätern der jüdischen Sache vor der weitesten jüdischen Oeffentlichkeit ein Brandmal auf die Stirne § gesetzt werde. f Bei den vorigen Landtagswahlen ist es uns zum ersten Male gelungen, eines der vier städtischen Mandate einem Juden zu übertragen. Zum Trägei dieses Mandates wurde ein Parteimitglied der „Unabhängigen Juden", der Adjutant des Reichsabgeordneten Dr. Adolf Groß, Dr. Ignatz Landau, gewählt. Wiewohl als unabhängiger Jude gewählt, hat er sich im Landtag sofort den polnischen Demokraten angeschlossen und hat ein ziemlich beschauliches Dasein geführt, indem er im Wetteifer mit den anderen vier Juden jüdische Angelegenheiten konsequent totschwieg. Bei den jetzigen Wahlen beschlossen die maßgebenden Parteien, die Bürgerpartei und die Fortschrittspartei, neuerlich einen Juden zu kandidieren. Nun kam die Personenfrage. Die Unabhängigen bebeharrten bei Dr. Landau, während die Kahalpartei den bisherigen Abgeordneten der Handelskammer, Hofrat S a r e, vorschlug. Die christlichen Parteien verlangten nunmehr, daß sich die Juden eini-* gen. Der gemeinsame Kandidat sollte von ihnen bedingungslos akzeptiert werden. Aber die Juden konnten, richtiger, sie wollten sich nicht einigen. Höher als die jüdische Sache, als das jüdische Mandat stand ihnen die Person. Und so einigten sie sich schließlich auf folgende Weise: Sie verzichteten beide auf den jüdischen Kandidaten und erklärten sich damit einverstanden, daß auch das vierte Mandat einem christlichen Kandidaten übergeben werde .... Neid, Mißgunst und Strebertum haben die Juden von Krakau um das Mandat gebracht. Die allerschmählichste Rolle hatte dabei Doktor Adolf Groß gespielt, und gegen ihn richtet sich die allgemeine Entrüstung. Er mußte vorgestern von seiner eigenen Versammlung in einem Wagen flüchten, der Wagen wurde dann von der jüdischen Menge umgeworfen, und Dr. Groß wurde insultiert. Diesem Gaukler, der noch vor einigen Jahren im Ghetto allmächtig war, wurde endlich die heuchlerische Maske vom Gesichte gerissen. Selbst dem kleinsten Manne ist es jetzt klar, daß der Verzicht auf ein jüdisches Mandat zur selben Zeit, da der allpolnisch-klerikale-christlichsoziale Bund zahlreiche Mandate in Westgalizien auf Kosten der liberaler gesinnten Stapinski-Partei erobert und der Antisemitismus zu neuer Blüte gelangt, geradezu ein Verbrechen ist. Und gerade Dr. Groß wird in erster Linie hiefür verantwortlich gemacht, weil er, nur um sein Reichsratsmandat zu sichern, nicht einmal den Kampf um das Landtagsmandat aufgenommen, sondern widerspruchslos den Trutzstandpunkt der Kahalpartei akzeptiert hat: Entweder Sare oder ein Christ. Die allgemeine Entrüstung hat zur Aufstellung eines jüdisch-sozialistischen Kandidaten geführt. .Und dessen aufrichtigster Förderer ist Daszynski, der sonst mit Dr. Groß Hand in Hand geht. Dr. Groß wird von seinem bisherigen Freund Daszynski in dessen Tagblatt „Naprzod" geradezu politisch justifiziert. Dieses Tagblatt schreibt heute: „Herr Dr. Groß ist jetzt mit beiden Füßen im Kot und ärgert sich, daß ihn Herr Daszynski nicht früher daraus hervorzerrte . . . Jetzt plötzlich soll Daszynski die gemäßigten Juden angreifen, mit de-

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