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Neue Nationalzeitung · 1913-07-04 · Heft 14 (4.7.1913) · p. [Seite]

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 14 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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NSUS WCiONßL-ZETCUNG XV. Jahrgang. Wien, 4. Juli 1913. Nr. 14. Kellner und Straucher. Die Kultuswahlen, die sich während der letzten Wochen in Czernowitz abspielten und mit einer Niedeilage der Kellnerschen Volksrats-Partei in allen drei Kurien endeten, haben eine über die Grenzen des kleinen Buchenlandes hinausgehende Bedeutung. Die Bukowina ist die einzige Provinz in Oesterreich, die über eine festgefügte jüdische Organisation verfügt; ihr Landtag ist der einzige, der einen jüdischen Klub aufzuweisen hat. Für die Judenschaft der Bukowina ist die Assimilation eine längst überwundene Farce; die Bukowina ist das Piemont der jüdischnationalen Bewegung in Oesterreich. Und gegen den Mann, der durch seine unermüdliche Agitation und seine unerschöpfliche Arbeitskraft die Juden in der Bukowina zu einem nationalen Organismus und zu einem maßgebenden politischen Faktor zusammengeschweißt hat, wird seit mehr als drei Jahren ein rücksichtsloser persönlicher Vernichtungskampf geführt . . . Nicht ein Kampf um Prinzipien oder Programme, sondern um Herrschaft und Mandate. Straucher sollte gestürzt werden, damit Kellner an seine Stelle gelange. Ich habe diesen Kampf durch drei Jahre beobachtet; ich habe ihn an Ort und Stelle eingehend studiert. Ich sah, wie er nicht nur immer verbissener, sondern auch ekelhafter wurde, wie feile Industrieritter, die im trüben zu fischen pflegen, als Helfershelfer herbeigezogen wurden, wie man selbst vor Denunziationen bei den staatlichen Behörden nicht zurückschreckte, um sie gegen jüdische Institutionen in Aktion zu bringen. Und nach drei Jahren dieses Kampfes, beim ersten Zusammenstoß auf der jüdischen Arena, eine komplette Niederlage Kellners und seiner Partei, die nicht einmal für ihren Führer ein Mandat zu erobern vermochte. Es ist nicht nur interessant, sondern auch sehr lehrreich, dieser Aeußerung der jüdischen Volkspsyche auf den Grund zu gehen. Die Volksmasse, auch die jüdische, ist für feine programmatische Nuancen nicht empfänglich. Sie sieht den Inbegriff aller ihrer Wünsche in einer bestimmten Persönlichkeit, die es verstanden hat — die Mittel hiezu sind mannigfach — sich das Vertrauen und die Gunst der Massen zu erobern. Man nennt das Volkstümlichkeit. Wenigen ist es vergönnt, — wie beispielsweise Dr. Herzl — sie von heute auf morgen zu erringen. In der Regel gehört dazu der volkstümliche Ton, ein gewisses intuitives Verständnis für die Regungen der Volksseele und eine ausdauernde Hingebung für die noch so kleinlichen Alltagssorgen und Alltagsbedürfnisse des kleinen und allerkleinsten Mannes. Eine so volkstümliche Persönlichkeit ist zweifellos Dr. S t r a u c h e r. Er hat seine ganze Person, seine ganze Existenz und Karriere in den Dienst der jüdischen Volksmassen gestellt. Daß er dadurch zu Ehren und Würden kam, daß er daraus auch gewisse Einkünfte an der Schwelle des Greisenalters beziehen kann, nachdem er bisher seinen Beruf vernachlässigen mußte, das ist sein Glück oder sein Verdienst. Man kann auch in der Politik Schiffbruch erleiden. Die Gunst des Volkes ist so wandelbar, die Chancen eines jüdischen Berufspolitikers so gering und der Einsatz der ganzen Lebensexistenz so groß, daß wir uns freuen sollten, wenn es auch einem jüdischen Berufspolitiker — oder vielleicht dem einzigen — gelingt, den Gipfel der Stufenleiter zu erklettern. Hat Dr. Straucher auch Fehler? Gewiß hat er sie. Selbst seine Freunde machen ihm zum Vorwurf, daß er autokratisch ist, daß er für geleistete Dienste keinen Dank weiß. Aber diese Fehler hat Dr. Straucher mit vielen Parteiführern gemein. War Doktor

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