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Neue Nationalzeitung · 1913-06-20 · Heft 13 (20.6.1913) · p. Seite 103

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 13 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 103 (sequence 12)
Language
German
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Mr. 13 ,Neue National-Zeitung" FEUILLETON. Das jüdische Schulwesen in Palästina. Im Leben aller Kulturstaaten spielt das Schulwesen eine bestimmte Rolle, da eine gründliehe Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes in sozialer Hinsicht von ungeheurem Werte ist. Das hat das aufstrebende Judentum Palästinas schon frühzeitig erkannt, als bei demselben noch der schwerwiegende Umstand mitwirkte, daß die verschiedensten Sprachidiome unter ihnen vorhanden waren. Die Verschiedenheiten der Sprachen und damit bedingten Anschauungen waren naturgemäß einem innigen und zielbewußten Verbandsanschluß ungünstig. Um dieser sprachlichen Zerfahrenheit im Interesse des Ganzen ein Ende zu machen, wurde der Gedanke an die Wiederbelebung der eigenen, längst vergessenen hebräischen Sprache aufgegriffen und mit seltener Zähigkeit durchgeführt. Mit dieser planmäßigen Arbeit hat das Judentum ihren Nachwuchs zu einem geschlossenen Körper vereinigt und damit zugleich viel zur Lösung ihrer Zukunftshoffnungen beigetragen. Allerdings sind die gesteckten Aufgaben im Schulwesen noch lange nicht abgeschlossen, aber es vergeht kaum ein Jahr, ohne daß immer weitere Verbesserungen offenkundig werden. Das zeigt sich deutlich, wenn wir das Feld der bisherigen Tätigkeit näher betrachten. In den meisten jüdischen Kolonien besteht ein Kindergarten, eine Art Volksschule und eine Talmud- Thora - Schule. Unverhältnismäßig besser ist, wie überall, das Schulwesen in den Städten vertreten. Hier ist die Unterrichtssprache durchwegs hebräisch. Doch werden nebenher auch die Sprachen bevorzugt, aus deren Ländern die Subventionen fließen. So gibt es deutsche, französische und englische Gesellschaften, die Zuschüsse gewähren. Die meiste Mühe gibt sich wohl der „Hilfsverein der Deutschen Juden". In Jerusalem ist die weitaus beste Schule ihrer Art die Lämelschule für Knaben. Außerdem werden dort vom Hilfsverein noch drei Kindergärten unterstützt, die von über 500 Kindern besucht werden. Wie schon gesagt, wird in allen Schulen das Neu- Hebräische in sephardischer Aussprache immer mehr als Hauptunterrichtssprache gepflegt, da sie die beste nationale Aussicht bietet, die Verständigung und allmähliche Verschmelzung der Juden aus den verschiedenen Ländern anzubahnen. Der Lehrplan ist großzügig angelegt, da außer dem eigentlichen Lehrplan in manchen Schulen neben dem Turnen auch Hygiene, Landwirtschaftskunde, Handfertigkeitsunterricht, Stenographie und Buchführung eingestellt ist. Die englische Evelina-Rothschildschule in Jerusalem hat auch Handarbeits- und Haushaltungsunterricht. Ferner besteht dort die große Gewerbeschule der Alliance-Israelite, mit der auch Werkstätten verbunden sind. Einen besonderen Platz nimmt die Kunstgewerbeschule des Vereines „Bezalel" ein, die von Prof. Schatz geleitet wird. Aller Voraussetzung nach dürfte sich diese Schule mit den Jahren zu einem bedeutenden Industriezweig auswachsen. Vorerst legt sie sich besonders auf Teppichweberei, deren Zeichnungen und Muster bereits guten Eingang gefunden haben. Außerdem bildet die Schule noch Steinhauer aus und die Begabteren aus dem Schülerkreis werden zu kunstvolleren Arbeiten herangezogen, die Säulenarbeiten usw. ausführen und dadurch zu einer besseren sozialen Lebensstellung gelangen. Vielversprechende Resultate werden ferner durch Holzschnitzereien für Möbel und dekorativen Zweck erzielt. Nach Maßgabe der Mittel werden immer neue Gewerbe hinzugefügt, wie Silberfiligranarbeiten, Metalltreibtechnik usw. Als Beispiel für die Tüchtigkeit der herangebildeten Kräfte sei hier erwähnt, daß alle im Bezalel ausgebildeten Holzbildhauer seinerzeit bei dem Bau des Hospizes der „Kaiserin Augusta Viktoria-Stiftung" auf dem Oelberg verwendet und gut bezahlt wurden. Der Lämelschule in Jerusalem ist mit Unterstützung des „Hilts- Vereins der Deutschen Juden" ein Lehrerseminar angegliedert worden. Daneben dient — ebenfalls als Oberbau der Lämerschule — eine 1908 eingerichtete dreiklassige Handelsoberrealschule den höheren Bildungsbedürfnissen. Auch gibt es seit 1909 einen Kursus zur Heranbildung einheimischer Kindergärtnerinnen. Erwähnenswert wäre hier noch die vom Hiltsverein 1910 errichtete Rabbinerschule, die aber hauptsächlich auf die Bedürfnisse der sephardischen Bevölkerung zugeschnitten ist In allerneuester Zeit wird mächtige Propaganda für die Errichtung einer jüdischen Universität in Jerusalem gemacht. Es ist fraglos, daß auch dieser große Plan in früherer oder späterer Zeit zur Ausführung kommen wird. Abgesehen von den Kindergärten und Talmud- Thora-Schulen besteht in Jaffa eine Knabenschule der Alliance mit hebräischer und französischer Unterrichtssprache, eine hebräische Schule für Knaben und Mädchen, eine deutsch-jüdische Schule mit hebräischer und deutscher Unterrichtssprache, welche vom Hillsverein unterhalten wird. In der reizend angelegten neuen Kolonie Tel-Awiw (»FrühlingstaD bei Jaffa ist ein großes Gymnasium vorhanden, in

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