Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 13 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- Seite 102 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 102 ,Neue National-Zeitung" Nr. 13 bürg, Prof. Budde-Marburg. Proi. König-Bonn, Prof. M. Brockelmann-Halie, Prof. Sachau, Direktor des orientalischen Seminars in Berlin usw. Der Redaktion wird ein „wissenschaftlicher Beirat" zur Seite stehen, bestehend aus Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien, Dr. A. Harkavy-Petersburg, Prof. A. Berliner-Berlin, Abraham Epstein-Wien, Prof. Simonsen-Kopenhagen usw. Der erste Band der hebräischen Encyklopädie soll schon im Frühjahre 1914 erscheinen. Neben der Petersburger Redaktion ist auch in Berlin ein Redaktionsbureau für Westeuropa eröffnet worden. Alt-Neu-Preßburg. Herr Samuel Bettelheim in Preßburg bereitet die Herausgabe eines illustrierten Prachtwerkes unter dem Titel „Alt-Neu-Preßburg" vor, welches die Vergangenheit und Gegenwart der altberühmten Preßburger jüdischen Gemeinde darstellen wird. Im Hinblick auf den jüngsten Riesenbrand, der das alte Preßburger Ghetto zerstörte, dürfte diese interessante historische Publikation allgemeinem Interesse in jüdischen Kreisen begegnen. Das Werk ist auf 200 bis 250 Quartseiten berechnet und wird neben dem Texte mehr als 150 Illustrationen enthalten. Der Preis beträgt in der Subskription K 10.—, später im Buchhandel K 12.—. Bestellungen nimmt die „Uugarländische Jüdische Zeitung" in Preßburg (Ungarn) entgegen. Denkwürdigkeiten der Glücket von Hameln. Aus dem Jüdisch-Deutschen übersetzt, mit Erläuterungen versehen und herausgegeben von Herrn Dr. Alfred Feilchenfeld. — Jüdischer Verlag, Berlin 1913. — Preis 4 Mark geb. Die jüdische Literatur ist nicht reich an Memoirenwerken. Aus der älteren Zeit sind die Reiseerinnerungen des Benjamin von Tudela mit Recht berühmt geworden, aber ebenso wie die erschütternden hebräischen Kreuzzugsberichte erzählen diese Bücher nur von einzelnen Geschehnissen. Die Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln sind aber ein echtes rechtes Memoirenbuch, denn in ihnen rollt sich ein reiches Menschenleben auf, von der Kindheit bis an die Schwelle 'des Grabes. Glückel von Hameln, 1646—1724, lebte in einer bedeutungsvollen Epoche der jüdischen Geschichte. Während noch die ganze Judenschaft vom Taumel erzitterte, in den sie der Messiasruf Sabbatai Zwis versetzt hatte, zeigten sich bereits die Vorboten jener Entwicklung, an deren Schluß sich als 'Folge der modernen Bildung, der Wanderungen und des Kapitalismus eine Abbröcklung breiter Schichten des Volkes vollzog. Zu Glückeis Zeiten war freilich das altjüdische Leben noch intakt. Wir sehen es denn vor uns mit all seiner Innigkeit, Geistigkeit, dem allerdings auch eine gewisse Kleinlichkeit und Enge nicht fehlen. Wer für jüdische Kultur- Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Sinn hat, der wird an diesem einzigartigen Buch nicht vorübergehen. Ueber die literarische Qualität läßt sich dem Urteil Werner Sombart's wohl kaum etwas hinzufügen. Sombart sagt: „Ihre Erzählung ist von einer packenden Natürlichkeit, von einer herzerquickenden Frische und Ursprünglichkeit. Ich (habe immer wieder an die Frau Rat denken müssen, wenn ich diese Memoiren Jas, in denen ein ganzer Mensch ein wahrhaft reiches Leben uns erzählt hat." * Ein Führer durch die Fragen der Gegenwart. Ein merkwürdiges Zeichen unserer Zeit — und gewiß keines von den schlechten — ist die tiefgehende religiöse Bewegung der Geister. Mag sie vielen „Rechtgläubigen von rechts und von links ein Greuel sein,, weil solche Bewegung vieles, wenn nicht gar alles in Frage stellt, woran ihrer Ueberzeugung nach nicht gerüttelt werden sollte — die Tatsache dieses Rintelns besteht einmal, und Leben ist Bewegung. Wem sollte da nicht ein fachkundiger Führer willkommen sein, der uns in dem Wirrsai der aufeinanderplatzenden Meinungen und der „Fälle" {Jatho, Kratz, Vollmer, Traub, Heydorn, Heyn usw.) „ohne Haß und Eifer" zurechtweist? Einen solchen ausgezeichneten Führer finden wir in dem soeben erschienenen neuesten Jahres-Supplement zu Meyers Großem Konversations-Lexikon (des Gesamtwerkes 24. Band*). Je länger wir in dem schön ausgestatteten Bande blättern, um so mehr erkennen wir, welche unerschöpfliche Fundgrube der Belehrung hier dem Gebildeten wiederum geboten wird. Es wäre ein Leichtes, dies durch Hunderte von Beispielen zu erhärten, doch beschränken wir uns darauf, einige wenige Fragen herauszugreifen. Der Artikel „Börse" berichtet über die neuesten einschlägigen Gesetze, Verordnungen, Usanceveränderungen usw., der Artikel „Ausverkauf" beschäftigt sich mit den auf diesem Gebiet eingerissenen Mißbräuchen und den gesetzgeberischen Gegenmaßregeln. Unter „Konkurse" wird eine interessante Statistik über diese Symptome unseres Wirtschaftslebens aufgemacht. Der moderne „Kapitalismus", sein Ursprung und seine Entwicklung, seine Ausdehnung und Wirkung bis auf die Presse, auf das Theater, auf die Vergnügungen, auf die Mode usw. wird in anregender und abgerundeter Form behandelt. Mit der Arbeiterfrage befassen sich zahlreiche Artikel, wie z. B. „Arbeiterversicheruug", „Arbeitsmarkt", „Arbeitsnachweis", „Minimallohn", „Reichsarbeitsblatt", „Schieds- und Einigungsämter", „Versicherung im Deutschen Reich", „Syndikalismus", „Sozialpolitische Gesetzgebung" u. a. Andere soziale Fragen werden besprochen in den Artikeln: „Mittelstandsbewegung", „Kriegswirtschaft" (Krieg und Volkswohlfahrt), „Monopol", „Moralstatistik", „Alkoholismus und Schule", „Schulspeisungen", „Kinderheilstätten", „Kinderlesehallen", „Kindervolksküchen", „Soziale Fraueuschule", „Institut für soziale Arbeit in München", „Landwirtschaftlicher Unterricht im Heere", „Auswanderung", „Sterblichkeit im Beruf", „Bevölkerungsbewegung" (Geburtenrückgang!), „Kinderprivileg", „Junggesellensteuer", „Frauenstimmrecht", „Volkswirtschaftslehre in Deutschland", „Einfamilienhaus" u. a. Auch Schul- und Erziehungsfragen werden in zahlreichen Artikeln behandelt. Daß die Redaktion die Zeitereignisse up to date verfolgt hat, beweisen unter anderem die unter „Türkisches Reich" behandelte Geschichte des Balkankrieges und die Biographie des am 5. November 1912 erwählten amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, die Artikel „Kamerun" und „Marokko". Schließlich möchten wir noch auf den reichen bildlichen Schmuck an Tafeln und Textillustrationen hinweisen mit dem auch dieser Schlußband des „Großen Meyer" ausgestattet ist. Mit Rüchsicht auf den Raum erwähnen wir davon hier nur die meisterhaften Porträttafeln der (meist noch lebenden) Koryphäen der Anatomen, Astronomen, Mediziner, Meteorologen, Physiologen und Volkswirte. *) Drittes Jahres-Supplement 1911/12 (Band XXIV) zu Meyers Großem Konversations-Lexikon, sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. 1020 Seiten Text mit über 1150 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf 100 Bildertaieln (darunter 7 Farbendrucktafeln und 14 selbständige Kartenbeilagen) sowie 8 Textbeilagen. In Halbleder gebunden 10 Mark oder in Prachtband 12 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.)