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Neue Nationalzeitung · 1913-06-06 · Heft 12 (6.6.1913) · p. Seite 94

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 12 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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Seite 94 Zeit eine Aenderung zum Schlechten erfahren haben müsse.; Dr. Blumenthal empfiehlt daher bei Zeiten soziale und hygienische Maßnahmen zu ergreifen, um die Juden Rußlands vor dieser drohenden Katastrophe zu schützen. Literatur. Moritz Goldstein: „B e g r i t i und Programm einer jüdischen N a t i on a 11 i t e r a t u r." Jüdischer Verlag. Berlin 1913. In der vorliegenden Broschüre formuliert der Verfasser seine Vorschläge, wie das jüdische Schaffen zu sich selbst kommen könne. Es spricht für Goldsterns historischen Sinn, wenn er an den Anfang der Wiedergeburt die Verwendung nationaler Stoffe setzt. Dem sollte freilich die Erforschung dieser Stoffe in Geschichte, Märchen und Legende vorangehen. Diesen Weg ist noch jede Nationalliteratur gegangen. Auch der Siegeszug des deutschen Gedankens hatte mit den Taten der Gebrüder Grimm und der Entdeckung der Schätze in „Des Knaben Wunderhorn" begonnen. Hoffen wir, daß dieser Ruf nicht ungehört bleibt und daß die nationalen Stoffe unsere jüdischen Dichter zu den großen nationalen Werken anregen w erden, d e w ir alle mit Goldstein ersehnen. Liste der Ausgetretenen. Vom 21. Mai bis 3. Juni 1913. (Nr. 204—236.) Domanyi Mor., Korporal, geb. 1. Februar 1890 in Pulast, VII, Stiftgasse 1, Kaserne. Geiger Regine, Hilfsarbeitern!, geb. 10. Juni 1882 in Lakombek, XX, Rausoherstraße 17. Gibs Ida, Kunststickerin, geb. 11. 'Februar 1882 in Wien, Ottakring, XVII Hauptstraße 57. Glück Laura, Pianistin, geb. 29. September 1867 in Budapest, I, Wipplingerstraße 10. Giiinhut Albine, Schneiderin, geb. 19. September 1 SSI in Mühr.- Waunowitz, XX, .Rauscherstraße 17. Hirschl Karl, Kaufmann, geb. 1. Oktober 1884 in Wien, Neubaugasse 66. lioffmann Charlotte, Näherin, geb. 28. April 1869 in Wien, VI, 'Mollardgasse 55. Oberländer David, Anstreichergellilie, geb. 8. September 1871 in Wien, Ortnergasse 3. Pakowsky Hedwig, geb. Singer, geb. 3. Jänner 1882 in Wien, XIII, Titlgasse 11. Sonnenfeld Rosa, Modistin, geb. 13. April 1888 in Wien, XIV, Schweglerstraße 10. Wahle Helene, Private, geb. 22. Mai 1890 in Wien, XVIII, Cottagegasse 18. Wegenstein Katharina, Hilfsarbeiterin, geb. 27. Juni 1897 in Wien, XVI. Lorenz Mandlgasse 47. Wertheiiner Ludwig, Zentraldirektor der Donan-Dampfschiiffahrts-Ges., geb. 7. Februar 1870 in Budapest, III, Hauptstraße 50. WeiQ Anna, Verkäuferin, geb. 14. August 1889 in Rozdalovic, II, •Pillersdorfergasse 5. Fischl Ilona, geb. 16. Jänner 1880 in Wien, I, Seilerstätte 15. Kliinont Anna, Advokatensgatrin, geb. 4. Dezember 1881 in Wien, I. Elisabethstraße 8. Friedraann Valerie, geb. 10. April 1869 in Wien, 'VII, Kaiserstraße 47. Karossik Semjon, geb. 8. Oktober 1872 in Charkow, IX, Georg Siglgasse 5. Hirsch Marie Isabella, Kautinannsgattin, geb. 19. November 1870 in Wien, IX, Beethovengasse 8. Sachs Mizzi, geb. 23. Dezember 1891 in Wien, IX, Beethovengasse 6. Rotenstern Jenta (Anna), geb. 11. Jänner 1871 in OJessa, IX, Währingerstraße 16. Poflak Leopold recte Wolf, Handelsagent, geb. 8. Februar 1859 in Wilhelmsburg, VII, Neubaugasse 5. Metze! Max, Privatheamter, geb. 3. Mai 1888 in Wien, XVIII, Währingerstraße 182. Todesnachrichten. Der polnisch-jüdische Ternpelverein B e t h -1 s r a e 1 in Wien hat durch den Tod seines Vorstandsmitgliedes und Kassiers. Herrn David K o I i e b, einen schweren Verlust erlitten. Der Verschiedene hat sich von kleinen Verhältnissen durch eigene Kraft -zu einer Wohlhabenheit emporgenungen, hat aber im Gegensätze zu jenen Vielen, die inbesseren Verhältnissen jede Zugehörigkeit zum östlichen Judentum abstreifen wollen, viel Zeit und auch Geld für die östlichen Jaden geopfert. Kaum 55 Ja're ab, ist er einem schweren Leiden erlegen. Alle, die ihn kannten und bei der gemeinnützigen Arbeit sahen, werden ihm ein gutes Andenken bewahren. Notizen. Außerordentliche Staats-Wohltätigkeitslotterie. Die k. k. Generaldirektion der Staaslolterien 'veranstaltet eine außerordentliche Lotterie für gemeinsame Militärwohltätigkeitszwecke, deren Ziehung am 3. Juli 1913 stattfindet. Das Spielprogramm ist sehr reich ausgestattet und weist 21.146 Gewinnste im barem Oelde im Gesamtbetrage von 625.000 Kronen auf, darunter Haupttreffer von 200.000 Kronen, 50.000 (Kronen, 30.000 Kronen und 20.000 usw. Die Gewinstchancen sind also überaus günstige. Lose ä 4 Kronen sind in Tabaktrafiken, Lottokoüektui eu, Wechselstuben, bei Steuerämtern, Postämtern, Bahnämlern usw. erhältlich. Briefkasten der Redaktion. Kaiwähler. Wir können Ihren Wunsch, uns mit der letzten Parlame.utsrede des Hofrales Kuranda zu befassen, leider nicht erfüllen. Dieser Herr ist derzeit für uns erledigt. Was wir über ihn und sein Judentum zu sagen hatten, haben wir bereits gesagt. Wir sind damals mit dieser Ansicht noch allein gestanden, die übrige jüdische Presse hat in bekannter „Kollegialität" geschwiegen. Hofrat Kuranda hat seine Preßklage gegen uns zurückgezogen, und wir haben vorläufig keinen Anlaß, einmal Gesagtes zu wiederholen. Es wundert uns daher nach der ganzen politischen und geistigen Verfassung dieses Herrn gar nicht, wenn er im Parlament einerseits „im Namen der Glaubens- und Stammesgenossen" zu sprechen vorgibt, anderseits die jüdische Studentenschaft in der hinterhältigsten Weise angreift, indem er ihr öffentlich, von der Parlamentstribüne aus, vorwirft, daß sie durch ihr „Gebaren", d. h. dadurch, daß sie für ihre Ehre und damit für die Ehre der ganzen Judenschaft eingetreten ist, „den Antisemitismus fördert und weiter erregt....." So spricht ein Vizepräsident der „Israelitischen Allianz". Die „Blochsche Wochenschrift", das Organ des Wiener Kultusvorstandes und der „Israelitischen Allianz", hat den Mut, diese Rede abzudrucken. Dagegen beginnt die jüdische Provinzpresse endlich den richtigen Wert des Kaiabgeordneten kennen zu lernen. Die gewiß maßvolle Briinner „Volksstimme" sagt darüber an leitender Stelle folgendes: „Die Rede Dr. K u r a n d a s ist eine Schau öe für das Judentum.....Dr. Kuranda meint in seiner Rede, er müßte als Verräter seiner Glaubens- und Stammesgenossen erscheinen, wenn er nicht jetzt für sie eintreten würde. Nun, wir erklären, daß er zum Verräter jedes anständigen Juden geworden ist, wenn er im Kampf um Recht und Anerkennung keine anderen Worte gefunden hat, als daß es sich um A e u ß e r 1 i c h k e i t e n handle".....Das genügt.

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