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Neue Nationalzeitung · 1913-06-06 · Heft 12 (6.6.1913) · p. Seite 93

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 12 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12___ ..Neue Natiptial-Zeitung* mehrt; im Asyl werden 68 invalide Greise verpflegt; die Erhaltungskosten des Asyls belieien sich auf 60.531 Kronen 32 Heller, die Erhaltung des „Szeretethäz" kostete 58.277 Kronen 73 Heller. Das Institut zur Ausbildung von Kranke nw ä r t er innen hat sich bewährt; an dem heurigen Kurs nahmen sieben Zöglinge teil. Im Laufe des Sommers wird ein Heim für e r w a c ih s e n e Blinde erbaut werden. Zur Erhaltung des jüdischen Spitals verwendete der Verein 53.190 Kronen 20 Heller, zur Unterstützung des Brody-Kinderspitals 3000 Kronen. An Geldunterstützimgen wurden 161.291 Kronen 48 Heller verteilt. Nachdem der Jahresbericht zur Kenntnis genommen war, erteilte die Generalversammlung das Absolutorhim, votierte dem Präsidium Anerkennung und hieß den Kostenvorauschlag pro 1914 gut. Zum Schlüsse wurden Universitätsprofessor Hoiirat Dr. Bert-hold Stiller, Hotrat Franz Szekely und Dr. Izor G 1 a ß sen. in den Ausschuß gewählt. AMS ALLEM WELTTEILEN Die Feldrabbiner in der österreichisch-ungarischen Armee werden zwar noch immer nicht stabilisiert, aber sie bekommen eine — Uniform, notabene auf eigene Kosten. Höchstens wird ihnen im Mobilisierungsfall ein Gaul zum Reiten beigestellt. Wo lernen aber die Rabbiner reiten? Die Details werden in einer der letzten Nummern der „Militärischen Rundschau" genau angegeben: Für die Militärgeistlicheu im allgemeinen: Offizierskappe (schwarz), Mantel, Radmantel (beide hechtgrau), Pantalous (schwarz, ohne Passepoils), Stiefletten (Schnürschuhe) ohne Verzierimg, Handschuhe (weiß und grau), Mantelriemen (2 Zentimeter breit), Sanitätsarmbinde und Legitimationskapsel, Egalisierungsfarbe schwarz, weiß und glatt. Ferner für den Feldrabbiner: Bei kirchlichen Funktionen Kopfbedeckung und Talar nach Vorschrift seiner Glaubeusgenossenschaft; bei militärischen Anlässen der Talar mit der für die übrigen Geistlichen vorgeschriebenen Aermeldistiktion, in Paradeadjustierung einen schwarzen Halbzylinder mit einer 2 Zentimeter breiten Goldborte und zwei je 2,6 Zentimeter breiten Quasten (9. Rangsklasse). Im Dienste zu Pferd tragen die Feldrabbiner einen kurzen Rock, schwarze Reithosen, braune Ledergamaschen oder schwarze Stiefel und Dragonersporen. Besondere Rechte auf kirchliche Distinktionszeichen und Insignieu werden durch vorstehende Adjustieruugsbestimmungen nicht berührt (gemäß Adjustierungsvorschriit für die k. k. Landwehr, Dienstbuch A—28, 7. Teil). Eine neue Wohltätigkeitsstiftung. Der vor einigen Tagen in Dresden verstorbene Schauspieler Gustav Löwe, der dem Prager Deutschen Landestheater durch lange Jahre als Mitglied angehörte, hat testamentarisch verfügt, daß nach dem Ableben seiner Gattin das gesamte beträchtliche Vermögen der Prager Israelitischen Kultus gemein de zur Errichtung einer „Schauspieler-Gustav-Löwe-Stiftung" zufallen soll. Die Zinsen aus dem gesamten Vermögen sollen zur Unterstützung armer israelitischer Waisenknaben dienen. Ferner hat Löwe beträchtliche Legate an jüdische Humanitätsvereine in Prag gewidmet. Dem Oesterreichischen Bühnenvereine hinterläßt er 2000 K und dem Deutschen Bühnenvereine 2001) Mark. Das Gesamtvermögen Lowes betrug eine halbe Million Kronen. Angesichts der noch immer von der Tagesordnung nicht verschwindenden Stiftungen „ohne Unterschied" verdient dieser eminent jüdische Wohltätigkeitsakt rühmlichst hervorgehoben zu werden. Hochzeit am Hofe von Sadagora. Kürzlich fand in Sadagora die Trauung des jetzigen Rabbis von Sadagora Mordechai F r i ed mann mit der Tochter des russischen Zadik, Rabbi Seite 93 Israel Herschel aus Mezbirg, statt. Diese Trauung hat in chassidischen Kreisen großes Aufsehen erregt, ersten« deshalb, weil seit dem Tode des Vaters des gegenwärtigen Sadagorer Rabbis. Aron Friedmann, kaum sechs Monate verstrichen sind, und zweitens aus dem Grunde, weil auch der Vater der Braut erst vor nicht langer Zeit starb. Der gegenwärtige ..Chef" des altberühmten Hauses der Sadagorer Wunderrabbis steht heute im 17. Lebensjahre, während seine nunmehrige Lebensgefährtin noch um einige Jahre jünger ist. Erst von dem Tage der Trauung an fungiert Rabbi Mordechai als wirklicher Rabbi von Sadagora. Bis zu diesem Tage hat sein Onkel. Rabbi Jakob, ais Senior des Hauses, das Amt eines Familienoberhauptes bekleidet, da es der Tradition widerspricht, daß ein Junggeselle die komplizierten Agenden eines Rabbi und Zadik versieht. Raub jüdischer Kinder in Rußland. Aus Odessa wird geschrieben: (Ein ohne V o r w i s s e n def Eltern g etauttes Judenkind) Das Töchterchen der Jüdin Meierowitsch hatte sich, wie in der Retsch erzählt wird, vor einigen Tagen verirrt und war in ein Asyl geschafft worden. Hier taufte ■man das kleine Mädchen am nächsten Tage nach orthodoxem Ritus und schickte es zur Erziehung ins Dorf Fedorowka. Alle Bemühungen der Mutter, die Tochter zuriiekzuerlangen, sind bis jetzt vergeblich gewesen. Man gab ihr den Rat, die Volljährigkeit des Kindes abzuwarten. Auf ein Gesuch des Rabbiners Dychno hat jedoch der Erzbischof Nasari schließlich versprochen, sich darum zu bemühen, daß der Mutter das Kind zurückgegeben w erde. Was immer wir an der russischen Barbarei auszusetzen haben, der vorliegende Fall ist für Rußland nicht typisch. Da befolgt vielmehr Rußland das Vorbild Oesterreichs. In Galizien ist es auch nicht viel besser. Statistik. Die Schulen in Galizien. Der Bericht des galizischen LairJesschulrates für das Schuljahr 1911/12 weist folgende Daten betreffs der Juden auf, die 12'Prozent der Bevölkerung bilden: In den Gymnasien gab es 23,4 Prozent, in den Realschulen dagegen 19,4 Prozent Juden. Die privaten Mädchen-Gymnasien weisen eine besonders starke jüdische Frequenz auf: 37,4 Prozent. * Die jüdische Bevölkerung in Krakau. Die letzte Volkszählung in Galizien hat bewiesen, daß der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung p e r z c n tu c 1! a f>- :i i m m t. Zu demselben Resultate gelaugt Dozent Dr. K u in an i e c k i in einer Arbeit über die letzte Volkszählung in Krakau bezüglich der dortigen Jaden. Während die Juden von Krakau im Jahre 1S57 37,81) Prozent, im Jahre 1890 noch 33,30 Prozent der Bevölkerung ausmachten, sanken sie im Jahre 191» auf 29,91) Prozent herab. Der Verfasser findet auch, daß der Prozentsatz der jüdischen Analphabeten größer ist als der christliche. Juden und Tuberkulose. Der bekannte Moskauer Bakteriologe Doktor Blumenthal hielt in St. Petersburg einen sehr belehrenden Vortrag über die Tuberkulose bei Juden. Doktor Blumenthal weist darauf hin, daß auch die jüngste Statistik wohl noch immer bei den Juden den geringsten Prozentsatz von Tuberkulose nachweist, immerhin in der absoluten Ziffer eine bedenkliche Steigerung zu bemerken ist. Dies könne nur damit erklärt werden, daß die bisherige Lebensweise der Juden, welche sie irotz der schlechten wirtschaftlichen Lage und trotz des politischen Druckes, unter denen sie zu leiden hatten, gegen die Tuberkulose gewissermaßen immunisiert hat, in der letzten

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