Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 10 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 78 ,Neue National-Zeitung^ Nr. 10 meinden unterschieden werden. Bosnien und Herzegowina gehört zu den wenigen Ländern mit einem Männerüberschuß, von der Zivilbevölkerung waren 52,42 Prozent Männer und 47,58 Prozent Frauen. Auf tausend Männer fallen somit 908 Frauen. Bedingt ist dieses Verhältnis durch die bei der authochtonen Bevölkerung regelmäßig wiederkehrende höhere Geburtenziffer der Knaben und durch die (größere Frauensterblichkeit. Unter dieser Gesamtbevölkerung lebt nun eine jüdische Bevölkerung von insgesamt 11,868 Seelen, und zwar 8219 Sephardim und 3649 deutsche Israeliten. Sie haben sich seit 1895 um zirka 45 Prozent vermehrt. Bei den sephardischen Juden wandern viele aus, um den Lebensabend in Jerusalem zu beschließen. Die Ermittlung eines sprachlichen Momentes ist eine Neuerung der jüngsten Volkszählung in Bosnien. Da bekannten sich 7886 S p a g n i o 1 e n zu der spagniolischen Muttersprache, wenngleich auch der überaus große Teil der jüdischen Bevölkerung das Serbo-Kroatisch, die Landessprache, als weitere Sprache beherrscht. Während es unter den Juden fast keine Analphabeten gibt, sind solche unter den Muselmanen in sehr großer Zahl, namentlich können die Frauen weder schreiben noch lesen. Was die Gebrechen anbetrifft, so gibt es unter 10.000 Israeliten 3,37 Blinde, 4,21 Taubstumme und 67,4 Geisteskranke. Im Verhältnis zu den Muselmanen ist 'auch dieses Verhältnis günstig, denn diese weisen die Zahlen 1,40, 11,79 und 11,97 bei den angeführten Gebrechen auf. Unter den Juden gibt es nur wenige Grundbesitzer, überhaupt nur eine geringe landwirtschaftliche Bevölkerung. Volkswirtschaftliches. „Atlas", Lebens-, Militärdienst- und Renten-Versicherungs- Aktien-Geseilschaf t, W ien I, Franz-Josef-Kai 1 („Atlashof"). In der am 23. April 1. J. unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn kais. Rat W. H. Lambrecht und in Anwesenheit des landesfürstlichen Kommissärs Herrn Alois P a 1 i s a, Oberinspektor im k. k. Ministerium des Innern, abgehaltenen XIII. ordentlichen Generalversammlung wurde der von Herrn Direktor Jacqes Schreiner verlesene Geschäftsbericht pro 1912 zur Kenntnis genommen. Aus demselben geht hervor, daß K 9,440.955 Versicherungssumme zur Ausfertigung gelangten. Der Versicherungsstand am 31. Dezember 1912 umfaßte K 42,702.854 Versicherungssumme, K 24.558 Leibrente, außerdem noch K 43.258 Invaliditätsrente mitversichert. Die Prämieneingänge stellen sich auf K 1,924.041,35. Die Prämienreserve und die Prämienüberträge belaufen sich auf K 9,719.445,90. Die Gewährsleistungsfonds der Gesellschaft haben die Höhe von K 12,050.488,27 erreicht. Von dem nach Dotierung des Dividendenfonds der Versicherten im Betrage von K 67.412,53 resultierenden Betriebsüberschusse per K 190.143,49 wurden weitere K 12.000 dem Dividendenfond der Versicherten überwiesen, K 105.000 zur Aufschüttung einer Tprozentigen Dividende an die Aktionäre verwendet. Die turnusmäßig ausgeschiedenen Herren Verwaltungsräte Generalkonsul Alfons Bruckmann, Dr. Friedrich Haas. kais. Rat Arnold Mandl, H. Ruzicska v. K i sii a m e n y und Kommerzienrat Direktor Dr. Reinhold Schultz wurden wiedergewählt. In der nach der Generalversammlung stattgefundenen Sitzung des Verwaltungsrates wurde Herr kais. Rat Wilhelm Heinrich Lambrecht, k. k. Kommerzialrat und Fabriksbesitzer, zum 13. Male zum Präsidenten, Herr Dr. Friedrich Haas, Hof- und Gerichtsadvokat, zum ersten Vizepräsidenten, und Herr H. Ruzicka v. Kisiiameny, Großgrundbesitzer, zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Den Oberbeamten der Gesellschaft Norbert Liebermann und S. Rapaport wurde Kollektivprokura erteilt. Notizen. Bongs Schön-Bücherei. Man weiß, was man im 18. Jahrhundert unter den schönen Wissenschaften verstand, 'und daß man einen Menschen, dessen Interessen über das praktisch Nützliche hinausgingen, einen Schöngeist mannte. Diese Vorstellungen will offenbar der rührige Bongsche Verlag anklingen lassen, wenn er ein neues Unternehmen, das er soeben ankündigt und dessen ersten Band er gleichzeitig vorlegt, mit dem überraschenden Namen „Schön-Bücherei" versieht, eine Neubildung, an die man sich voraussichtlich sehr rasch gewöhnen wird. Diese erste Veröffentlichung der Schön-Bücherei (Deutsches Verlagshaus B o n g & C o., Berlin W. 57), in besonders ausgewählter alter Fraktur auf Leichtdruckpapier abgezogen, fällt durch ihre buchkünstlerisch originelle Ausstattung in der (Fülle sonstiger Neuerscheinungen vorteilhaft auf. Sie trägt den Titel „Gold gab ich für Eisen" von Ernst Müs eh eck, Archivar am Geheimen Staatsarchiv zu Berlin, und stellt in zeitgenössischen Dokumenten, Briefen, Tagebüchern die große geschichtliche Bewegung dar, deren Jubiläum wir gerade jetzt feiern. Von weiteren Bänden sind bereits erschienen: „Lebensweisheit" von Bruno Wille und „Briefe der Liebe" von Camill H o f f m a n n. Man erkennt aus diesen Ankündigungen deutlich das Programm des Unternehmens: Mit Blütezeiten der Kultur, mit geistig oder geschichtlich hervorragenden Persönlichkeiten, mit den Hauptströmungen in der Entwicklung der Menschheit sollen wir leicht und bequem Fühlung gewinnen können. Daß aber jedes dieser Bücher für den geringen Preis von 2 Mark zu haben ist, gehört zu den Leistungen des deutschen Buchgewerbes, die man nicht für möglich halten sollte. Genug, wir werden durch diese neue Bibliothek in den Stand gesetzt, uns auf die bequemste Weise eine wirkliche Bibliothek der schönen Wissenschaften anzulegen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß man in allen Kreisen von dieser Möglichkeit reichlich Gebrauch machen wird. Briefkasten der Redaktion. Berliner Abonnent. Sie wundern sich, daß der Wiener Bericht des „Israelit" über die Spitalbau-Debatte im Kultusvorstande mit unserem Berichte im Widerspruche steht. Sie haben wohl recht. Und die Ursache ist leicht aufzuklären. Der Berichterstatter des „Israelit" hat die Tatsachen verdreht, er hat sich nicht gescheut, um dem Präsidenten gefällig zu sein, direkt erfundene Dinge dem Blatte mitzuteilen. Denn es ist doch direkt erlogen, daß Dr. Stern „den jüdischen Standpunkt" vertreten hat, „der von der Majorität aus ^Rücksicht' aus ,Rischusscheu' nicht geteilt wurde." Dr. Stern hat den Protektionsstandpunkt vertreten, und dieser wurde von der Majorität abgelehnt. Den Beschluß des Kultusvorstandes, daß alle j ü d i s c h e n Architekten zur Teilnahme an der Konkurrenz aufzufordern seien, hat dieser Ehrenmann verschwiegen und wahrheitswidrig berichtet, daß eine allgemeine Konkurrenz beschlossen wurde. Wir würden dem „Israelit" den kollegialen Rat erteilen, sich seine Berichte aus einer saubereren Quelle zu holen. H. Schw. In dieser Allgemeinheit läßt sich die Frage nicht beantworten. Schreiben Sie uns ausführlicher, was für ein Studienstipendium Sie anstreben und welche Studien Sie absolviert haben. Finanzbeamter. Der betreffende Funktionär ist Jude.