Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 10 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 77 tigung zusichert. Die klerikalen französischen Zeitungen machen dem Minister darob Vorwürfe, daß er sich nicht zuerst als Franzose, sondern stets als Jude fühle. Eine jüdische Wohltäterin. Die in Odessa verstorbene Frau Marie Koniz hat letztwillig verfügt, daß alljährlich die Zinsen ihres zwei Millionen betragenden Vermögens nach Bad Kissingen kommen, und zwar: drei Viertel an Israelitische Arme und Waisen, der Rest an solche christlicher Kurhessen. Eine neue Industrie für Palästina. Die in Jerusalem erscheinende orthodoxe Zeitung „Moria" bringt in ihrer Nummer vom 11. April beachtenswerte Anregungen zur Verbreitung des Handwerkes in Palästina, um auf diese Weise Arbeit und Thorastudium zu verbinden. Besondere Beachtung verdient die Idee, Jerusalem und das heilige Land im allgemeinen zu einem Z e n t r u m für die Herstellung von Sifre Thora, Te pillin und Mesusaus zu machen. Diese Gegenstände erfreuen sich bereits jetzt einer großen Nachfrage. Diese würde bedeutend steigen, wenn in Jerusalem eine von rabbinischen Autoritäten kontrollierte Arbeitsstätte für die Herstellung dieser heiligen Gegenstände errichtet und für den Absatz eine gut geleitete Organisation gegründet würde. Daß dank einer geschickten Organisation der Arbeit und des Verkaufes die Nachfrage beständig wachsen würde, steht außer Frage. Auf diese Weise könnten Tausende von Familien einen genügenden Erwerbszweig finden, die Ehre des heiligen Landes würde vermehrt und das jüdische Pflichtbewußtsein der Diaspora würde einen neuen Ansporn und eine reiche Befriedigung finden. Zeitschriften-Rundschau. Das „Israelitische Wochenblatt" über den Wiener Kultuspräsidenten. Das „Israelitische Wochenblatt" in Berlin beschäftigt sich sehr eingehend mit der Demissionskomödie im Präsidium der Wiener Kultusgemeinde und apostrophiert den Präsidenten Dr. Stern mit folgenden Worten: „Und diese Geschichte hat wie jede ihre Moral. Nicht nur für Wien, sondern auch für uns. Sie zeigt, daß es nicht gut ist, wenn eine Person gar zu lange in führender Stellung bleibt. Jeder Mensch hat etwas von einem Tyrannen in sich, und dieses autokratische Gefühl kann durch eine allzu lange Amtsperiode bis zu einer unerträglichen Höhe gesteigert werden. Ganz verfehlt aber ist es, allzu alte Leute in einem hohen Amte mit großer Verantwortung zu lassen. Die Grerse neigen gar leicht zum Starrsinn. Das bringt das Alter mit sich. Diese Schwäche wird man ihnen gern verzeihen. Nur aber darf das Amt einer großen Gemeinschaft nicht darunter leiden. In einem Alter, wo man nicht mehr gut genug ist, Kanzleibeamter zu sein, wird man bei uns in Deutschland häufig noch berufen, die wichtigsten Aufgaben für Staat und Gemeinde zu lösen. Diese Erscheinung ist wahrlich nicht demokratisch und sie schadet der Sache der Gemeinschaft. Müssen wir Juden auch das mitmachen? Gewiß sollen die Männer mit großen Verdiensten geehrt werden. Es ist nur gerecht, wenn solche Herren, die den größten Teil ihres Lebens der Gemeinde geopfert haben, durch Ehrentitel ausgezeichnet werden. Die Leitung einer großen Gemeinschaft aber erfordert die ganze Tatkraft und die klarste Einsicht eines starken, zielbewußten Mannes, und dazu sind die Greise nicht berufen. Unsere höchsten Aemter dürfen nie zu leeren Dekorationen degradiert werden." So denkt man im Auslande. * Eine all jüdische Revue. Von der Monatsschrift „Zeitschrift, alljüdische Revue" ist das erste Heft erschienen. Wie die Redaktion im Programm verkündet, will die Zeitschrift nach jeder Richtung unabhängig sein und bleiben, was noch immerhin kein genügendes Programm ist. Da wäre schon notwendig, daß zu bestimmten Problemen des jüdischen Geistes- und Gesellschaftslebens präzise Stellung genommen wird. Das geschieht jedoch nur nach einer Richtung: „Es soll der Osten in direkter Weise das Wort erhalten." Dieses schöne weite Programm wird in den weiteren Zeilen wieder eingeengt auf die jiddische und hebräische Dichtung. Doch was das Programm selbst nicht sagt, kann die Entwicklung der Zeitschrift zeigen. Eine gute jüdische, vom Parteistandpunkt freigehaltene, die Strömungen des Alljudentums umfassende Zeitschrift ist notwendig und wünschen wir unserer jungen Kollegin, daß sie diese Aufgabe erfülle. * Eine neue jüdische Zeitschrift in Paris. Unter der Leitung des Rabbiners J. Bau e r erscheint soeben in Paris eine Vierteljahrsschrift „Foi et Reveil", die sich zur Aufgabe stellt, im Geiste des überlieferten Judentums die in Frankreich noch vorhandenen jüdischen Kräfte zu sammeln und das überlieferte Judentum dort zu neuem Leben zu wecken. Statistik und Sozialpolitik. Die Ergebnisse der Volkszählung in Bosnien und Herzegowina vom 10. Oktober 1910. Eine interessante und genaue Darstellung der jüdischen Bevölkerung, die in diesem Lande in zwei Teile zerfällt, hat die Landesregierung von Bosnien und Herzegowina in einem neuen Buch, das obigen Titel führt, durchgeführt. Diese statistische Zusammenstellung ist sehr lehrreich, weil sie nicht nur die einfache Zahl der jüdischen Einwohner gibt, sondern auch zugleich den Familienstand, die Bevölkerung nach Altersjahren, Bildungsgrad, Muttersprache und Staatsangehörigkeit, außer der Muttersprache erlernte Sprachen, die Berufsgliederung, den Agrarberuf im besonderen, darstellt. Ferner sind verzeichnet die abwesenden Landesangehörigeu nach Aufeuthaltsläuder, die gebrechlichen Personen nach Alter und Geschlecht. Die Gesamt-Zivilbevölkerung in Bosnien und Herzegowina betrug 1910 1,898.044 Seelen. Diese leben in 2247 politischen Gemeinden, welche in 66 städtische imJ 21S1 Dorige- Irmertraum der einstigen (13. und!4. ^nhrhunöeri) Synagoge in Salzburg, heute Gasthaussaal „zur Hölle". (Vgl. öas Feuilleton von Prof. Dr. Grünfelö in Nr. 7.)