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Neue Nationalzeitung · 1913-05-09 · Heft 10 (9.5.1913) · p. Seite 75

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 10 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung^ kommen. Geld, Lebensmittel, Kleider usw. lagen vor Wochen in Sophia bereit. Vor einiger Zeit hatte sich eine Deputation, an deren Spitze der Oberrabiner Herr Dr. Ehrenpreis, dem Eisenbahnminister, Herrn F r a n z i a, vorgestellt mit der Bitte, mehrere Waggons zur Verfügung zu stellen, um so rasch als möglich Lebensmittel nach Adrianopel befördern zu können. Herr Franzia hat, laut bulgarischen Zeitungen, die Deputation sehr freundlich empfangen und versprochen, ihre Bitte zu erfüllen. Als die Festung kapitulierte, wurde auch sofort eine Anzahl Waggon Lebensmittel nach Adrianopel transportiert. Da die Brücke über die Arda zerstört war und die Züge nicht bis zum Bahnhof Adrianopel geführt werden konnten, so mußten die Lebensmittel und die Kleider einige Kilometer weit vor der Stadt übergeladen und per Büffel-Ochsenkarren in die Stadt befördert werden. Die Verteilung der Gaben wurde einer Kommission übertragen, an deren Spitze Herr Dr. Ehrenpreis stand. Der Jubel der jüdischen Bevölkerung soll groß gewesen sein, über ihre Befreiung sowohl als über die Gewißheit, in ihrem Elend von ihren Glaubensgenossen in West-Europa nicht vergessen worden zu sein. Am Samstag den 5. April 1913 wurde von Herrn Dr. Ehrenpreis.in der Synagoge ein Danksagungsgottesdienst abgehalten, und privaten Nachrichten zufolge soll die Synagoge überfüllt gewesen sein. Viele Juden sollen vor Freude geweint haben. Aus Anlaß dieser jüdischen Feierlichkeiten in Adrianopel richtete Herr Dr. Ehrenpreis an Seine Majestät, Zar Ferdinand I., eine Huldigungsdepesche. Seine Majestät hat mit folgender Depesche geantwortet : Dr. Ehrenpreis, Oberrabbiner Bulgariens, in Adrianopel. Ich bin tief gerührt von Ihrer liebenswürdigen Depesche. Uebermitteln Sie der jüdischen Bevölkerung Adrianopels meine tiefste Dankbarkeit für ihre untertänigsten Gefühle. Der Zar. Wie die bulgarischen Blätter melden, soll Herr Dr. Ehrenpreis Adrianopel verlassen, um in den eroberten Gebieten die Juden zu suchen und ihnen die notwendige Hilfe zu bringen. Die zentrale Regierung hat ihre Organe angewiesen, Herrn Dr. Ehrenpreis in allem nach Möglichkeit beizustehen, um den neuen bulgarischen Untertanen behilflich zu sein. Dem Beispiel Bulgariens folgend sollte nun auch Rumänien sich anschicken, das Los seiner bisher arg unterdrückten jüdischen Bevölkerung zu mildern. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Das erste jüdische Gymnasium in Budapest. Budapest. In der stillem ruhig-vornehmen Abonyi-utcza wird in zwei Jahren das erste j ii d i s c h e 0 y m n a s i u m des Landes errichtet werden. Diese Anstalt, welche seit Jahren das Interesse der ungarischen Judenschaft beschäftigt, hätte schon im September 1913 eröffnet werden sollen. Das Nötigste, das (leid, fehlte nicht. Die Vorsorge der Budapester Ktiltusgemeinde und die reiche Stiftung des verstorbenen Anton Ritter von Freystättler beseitigten schon vor Jahren jedes materielle Hindernis. Doch das erste jüdische Gymnasium soll eine Musteranstalt werden, und die mit der Errichtung desselben betrauten Ausschüsse der Kultusgemeinde prüften lange und gründlich. Die Vorbereitungsarbeiten sind min vollendet, und der Riesengrund in der Abonyi-utcza erwartet den ersten Spatenstich. In den nächsten Wochen wird die Baukommission des jüdischen Gymnasiums (Präsident derselben ist Herr Hofrat Julius W i n t e r b e r g) die Pläne einer letzten Prüfung unterwerfen, und im April beginnt die Arbeit. Die juöenverfolgung in Salzburg im Jahre 1404. Originalstich im Besitze Öes städtischen Museums „Carolino-Augusteum" zu Salzburg. (Vgl. das Feuilleton von Prof. Dr. Grünfelo in Nr. 7.)

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