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Neue Nationalzeitung · 1913-04-21 · Heft 9 (21.4.1913) · p. Seite 68

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 9 (21.4.1913)
Date
1913-04-21
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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Seite 68 .Neue National-Zeiiiing" Nr. 9 War nun die Demission gegeben, so hätte sie auch in parlamentarischer Form erledigt werden müssen. Auch das wäre sich Dr. Stern selbst schuldig, wenn er etwas auf sein Prestige hielte. Die Demission war die Folge eines Mißtrauensvotums, die Rückziehung der Demission hätte nur infolge eines Vertrauensvotums desselben Kultusvorstandes stattfinden können und sollen. Das weiß ja jeder politische Neuling. Nicht so der Herr Dr. Stern. Er ließ sich eine Deputation einiger Freunde aus jener Minorität, die für ihn :und mit ihm gestimmt hatte, ins Haus kommen, und diese Deputation war ihm eine genügende Satisfaktion, um ihn zur Rückziehung seiner Demission zu veranlassen. Aber selbst mit dieser Freunderl- Deputation traute man sich nicht vor die Oeffentlichkeit und um die ganze Lächerlichkeit dieser Demissionskomödie zu vertuschen, wird sie einfach abgestritten. Herr Dr. Stern bleibt uns also in seiner Präsidentenrolle noch länger erhalten, nachdem er bewiesen hat, daß er schließlich auch nachgiebig sein kann, wenn seine Präsidentenwürde auf dem Spiele steht. In der Sache des Kinderspitalbaues selbst wird er sich aber wohlweislich einer jeden weiteren Ingerenz enthalten. Herr Habig berichtigt! Wir erhalten folgende Zuschrift: An die löbliche Redaktion der „Neuen National-Zeitung", Wien I. Oppolzergasse 4. Mit Schreiben vom 15. Jänner 1. J. hat meine Klientin die Firma P. & C. Habig Sie um 'Aufnahme einer Richtigstellung der in ihrem geschätzten Blatte vom 20. Dezember 1912 unter der Aufschrift: „Der jüdische Hausherr und sein antisemitischer Mieter" (Oder: Wie ein armes Ju-;'enmädchen zu einem Vermögen kam) erschieneneu Notiz, ersucht. Da Sie diesem Wunsche meiner Mandantin bis nun nicht nachgekommen sind, fordere ich Sie nunmehr unter Berufung auf § 19 Preßgesetz auf, nachstehende Berichtigung in die nach Einlangen dieses Schreibens nächstfolgende oder zweitfolgende Nummer Ihres geschätzten Blattes aufzunehmen und zwar sowohl bezüglich des Ortes der Einreihung als auch bezüglich der Schrift ga;iz in derselben Weise, in welcher die oberwähnte Notiz zum Abdruck gebracht worden war: „Der jüdische Hausherr und sein antisemitischer Mieter" (Oder: Wie ein armes Judenmädchen zu einem Vermögen kam). Es ist unrichtig, daß der Chef der Firma 'Habig resp. Herr Peter Habig ein in seinem Geschäfte in der Kärntnerstraße angestelltes Fräulein deshalb entlassen hat, weil er in Erfahrung gebracht hatte, daß das Fräulein Jüdin ist. Wahr ist vielmehr, daß von der Firma Habig resp. von Herrn Peter Habig in den letzten Jahren überhaupt keinem Fräulein jüdischer Konfession gekündigt wurde. Weiters ist es unwahr, daß der Eigentümer des Hauses, in welchem sich die Habig'sche Niederlage in der Kärntnerstraße befindet, Herr Baron Gustav Springer ist. Wahr ist vielmehr, daß die Baron Todesco'schen Erben Eigentümer dieses Hauses sind. Es entspricht daher die ganze weitere Darstellung dieser erfundenen Geschichte wie: die Intervention eines Advokaten, dessen Namen Sie nicht nennen, die Mietzinssteigerung usw. nicht den Tatsachen. Endlich ist es unwahr, daß es Geschäftsprinzip des Chefs der Firma Habig resp. des Herrn Peter Habig ist, keine jüdischen Angestellten zu beschäftigen. Wahr ist vielmehr, daß einzelne jüdische Angestellte beiderlei Geschlechtes seit Jahren zur vollsten Zufriedenheit im Geschäfte der Firma Habig bedienstet sind. Für die Firma P. & C. Habig. Dr. Weiß. Anmerkung der Redaktion. Nach vier Monaten sendet ans der Schwieger-Enkel des seligen David von Gutmann eine § 19-Berichtigung. Allein, was wird berichtigt? Nur die Geschichte der jüdischen Kanzlistin, nicht aber unsere wiederholten Feststellungen betreffs des s y s t e m a t i s c h e n Boykotts jüdischer Geschäftsreisender d'urch diese Firma. Dies abzuleugnen findet Herr Hab ig keinen Mut. Und damit ist auch der Wert der ganzen „Berichtigung" festgenagelt. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Die Jubiläumssitzung der Israelitischen Allianz. Wien, den 16. April. Die aus Anlaß des 40jährigen Bestandes der Israelitischen Allianz veranstaltete Festversammlung im Sitzungssaale der .Kultusgemeinde unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Stern fand heute statt. Nach einem kurzen Berichte des Präsidenten ergriffen die Vertreter verschiedener Korporationen das Wort, um die Allianz zu beglückwünschen. Es sprachen: Dr. Adolf Stein für die Baron Hirsch'sche Stiftung, Dr. Hieronymus F i a 1 a aus Brünn namens der dortigen Filiale der Allianz, Dr. Schaff, der Präsident der Lemberger 'Kultusgemeinde unter scharfen Ausfällen gegen den Chassidismus, Dawid Rotter in Vertretung der ICA, Dr. Arnold Ascher in Vertretung der Bnei-Brith-Vereine und des Isr. Gemeindebundes, von dem man sonst seit Jahren nichts gehört hat. Schließlich gratulierte Dr. Samuely als Präsident der Oesterr. Isr. Union. Es sprachen noch He; r Dr. iFeuchtwang, der die Verdienste des derzeitigen Sekretärs Dr. iKaminka hervorhob. An den greisen Dr. Moritz Friedländer, der durch Jahrzente als Sekretär im Dienste der Allianz stand und die wichtigsten Aktionen durchführte, hat niemand gedacht. Galizischer Hilfsverein. Wien. Sonntag, den 13. April d. J., fand in den Räumen der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith, IX, Universitätsstraße 4, die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Den Vorsitz führte dessen Präsident Herr Sigmund Mayer. Er sprach vorerst zu Ehren der im letztabgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Vereinsleitung, der Herren Gemeinderat Max Frank und Theodor Wantoch, Worte des Dankes und der Erinnerung, wobei sich die Anwesenden zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben. Hierauf begrüßte er die Erschienenen. Der Sekretär des Vereines, Herr Dr. Wilhelm Löwy, teilte sodann mit, daß Begrüßungen eingelangt seien und erklärt, daß er es nicht für nötig halte, einen Bericht über die Tätigkeit der Vereinsleitung im Jahre 1912 zu erstatten, da sich der gedruckte Tätigkeitsbericht für dieses Jahr seit einigen Tagen in den Händen der Anwesenden befindet. Mitglied des Kultusvorstandes, Herr Dr. I. Samuely, spricht im Namen der israelitischen Kultusgemeinde den herzlichsten Dank aus. Der vom Obmanne des Aufsichtsrates, Herrn Dr. Wilhelm Knöpfelmache.r, erstattete Bericht über die finanzielle Gebarung der Vereinsleitung wird zur Kenntnis genommen und sein Antrag, ihr das Absolutorium zu erteilen, zum Beschlüsse erhoben. Dann iolgen die Wahlen und die Konstituierung des Vorstandes. Auf den Bericht selbst werden wir demnächst zurückkommen.

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