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Neue Nationalzeitung · 1913-04-11 · Heft 8 (11.4.1913) · p. Seite 59

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 8 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 ,Neue National-Zeitung" Seite 59 Ein zionistisch-antisemitisches Wahlbündnis? Von einem Zionisten. Lemberg, 8. April. Die heillose Verwirrung, welche die Landtagswahlreform in den jüdischen Kreisen angestiftet hat, die blindparteiische Haltung der galizisch-jiidischen Presse, die keine Ueberlegung und kein selbständiges Urteil zum Ausdrucke bringt, sondern nur die politischen Geschäfte ihrer Macher nach Kommando besorgt, macht es heute einem ehrlichen und nationalbewußten Juden unmöglich, in irgend einem galizischjiidischen Blatte, selbst in einem zionistischen, eine selbständige Meinung der Oeffentlichkeit vorzutragen. Und doch darf ich nicht schweigen. In zionistischen Kreisen geschehen Dinge, welche über den Zionismus hinaus die nationale jüdische Idee bloßstellen, ja umbringen können. Die Wortführer des Zionismus in Galizien greifen zu Mitteln und Bündnissen, die geeignet sind, zum Vorteile der assimilatorischen Hausjuden und Geschäftspolitiker die ideellen Regungen in den jüdischen Volksmassen in ein sehr bedenkliches Fahrwasser zu leiten und zu vergiften. Die Zionisten in Galizien stehen ganz isoliert da. Das ist richtig. Die Wahlreform wurde zwischen den maßgebendsten polnischen und ruthenischen Parteien abgemacht. Die jüdischen Landtagsabgeordneten haben insgeheim auf Kosten der jüdischen Bevölkerung alle Konzessionen gemacht, um ihrer Clique und den künftigen „mosaischen" Schleppträgern der Polen Gnadenmandate zu ermöglichen. Allein die splendid isolation der Zionisten ist keine Schande. Die jüdische Minorität muß der Uebermacht der vereinigten Polen, Ruthenen und Moschkos unterliegen. Wenn sie nur wenigstens die Ehre und Würde der jüdischen Bevölkerung wahrt und verteidigt. Das muß sie tun. Aber gerade nach dieser Richtung hin begehen die zionistischen Führer die größten Fehler. Sie sind im Begriffe, sich mit den Allpolen zu liieren, den grimmigsten Feinden der Juden, die durch ihre Presse und Agitation den rücksichtslosesten Kampf gegen die Juden entfacht haben. Im letzten Augenblicke, da der neue Entwurf bereits fertig ist, berufen sie Protestversammlungen ein; statt rechtzeitig ihre Wünsche allen kompetenten Faktoren bekanntzugeben, kommen sie nach dem fait accompli mit Schlagworten, um den Schein zu erwecken, als ob sie wirklich etwas tun würden. Wie bei den Reichsratswahlen, so rächt sich auch jetzt an der zionistischen Partei ihr Mangel an einem politischen Programm und an politisch geschulten Führern. Die Partei sucht in ihrer Vereinsamimg dort eine Verbindung, wo sie geradezu widernatürlich ist. Im ganzen Lande hat es einen höchst unliebsamen Eindruck gemacht, daß die zionistische Presse unter einem Jubelgeheul ein Interview mit dem Führer der Allpolen, Glombinski, veröffentlichte, worin dieser Anführer der judenfeindliohsten Partei des Landes die zionistischen Bestrebungen in der Wahlreform lobte und seiner Unterstützung versicherte. Dieses Lob seitens einer Partei, welche die Wahlreform als ein „kosakisch-zionistisches Machwerk" lächerlich zu machen und die schreckliche Boykottbewegung aus Rußland nach Qalizien zu verpflanzen sucht, hat doch gewiß einen sehr zweifelhaften Beigeschmack. Und mit einer Anerkennung von dieser Seite zu protzen, ist doch zumindest der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Die Wahlreform, deren Zustandekommen jedenfalls infolge mannigfacher Opposition noch immer in Frage steht, benachteiligt die jüdische Bevölkerung, wie Sie bereits eingehend dargestellt haben. Neben den drei Handelskammern mit fünf Mandaten wurden im ganzen Lande vier Bezirke mit je zwei Mandaten und sechs Bezirke mit je einem Mandate konstruiert, in denen die Juden auf dem Papiere die Majorität haben, so daß die Juden 19 Mandate erlangen könnten. Allein die Polen verlangen und die Moschkos samt ihrer Presse gestehen es bereits zu, daß die Juden dort, wo sie die zwei Mandate kraft ihrer Majorität behalten können, nur eines für sich in Anspruch nehmen dürfen. Dadurch reduziert sich die Zahl der jüdischen Mandate auf 13, also auf 5,5 Prozent, wiewohl die Juden 12 Prozent der Bevölkerung bilden. Allein sogar diese 5.5 Prozent sind noch fraglich. Die Polen werden in Städten selbst mit jüdischer Majorität für sich beide Mandate verlangen, unter dem Schlagworte — wie es bei den letzten Reichsratswahlen geschah — daß es keine konfessionellen Mandate geben dürfe. Die Moschkos waren bekanntlich damit einverstanden, und so kam es, daß in der jüdischen Stadt Kolomea ein Christ in den Reichsrat gewählt wurde. Aehnliche Ueberraschungen werden bei den Landtagswahlen kommen, denn hier haben Statthalter und Bezirkshauptmann noch mehr zu befehlen. Dagegen aber können nur Organisation, Hebung des jüdischen Volksbewußtseins und die politische Reife der jüdischen Volksmasseu helfen. Da heißt es arbeiten. Das ist schwerer, aber auch ehrenvoller als Allianzen oder Ententen mit den Judenfeindlichen Allpolen. Für die Juden in Rumänien. Ein Aufruf von Abgeordneten Dr. B. Straucher. Die Entwicklung: am Balkan infolge der Sh<ye des Balkanbundes gegen die Türkei hat Rumänien beunruhigt, und es möchte von der Abteilung der Beute auch eb^ns hohen. Sein Aon^t't ist insbesondere auf einen Teil Bulgariens ^ri'-ht^t. wodurch die Juden dieses Territoriums an StH'e cW bulgariscben Oleichbereehtigung die rumäni^he Oewaltherrscbaft zu fühlen bekommen w^rnVn. Das macht der jüdischen Solidarität zur PfMeht. nicht nur reffen jede Ausdehnung des rumn*nicoben Asintenregime«; zu protestieren, sondern anHi alle mo>h>hen Mittel in Bewegung setzen, "m die rumänischen Juden von ihrem Sklavenschicksal zu befreien. Der nnermi'dHche indische Vorkömnf^r. AjyrP_ ordneter Dr. Strnucher. tritt in d°r 0<^rn<~>- witz^r „Vbkswprir" mit einem mächtigen AnrHl an die fVffentlirhkeit der mit nositbron Anreo-nn^en naeh Finberufunp" eine«; jüdischen Kongresses schließt. Dieser Scblnß lautet: -Tch wende mich dnh^r an die R^nr^^ntnprpn der Jndenccbnft unserer Monarchie urd bitte sie, folgend0 Anregung in T^rwacunc zu ziehen: T. Die berufenen Vertreter der gesamten .TMdenerbnft Oesterreich-Ungarns treten s<"hl^"nirrc't in Wien zu einem Kongreß zusammen, deccen Tnnresordn"ncr rjpn einzigen PnnW piilH«" co"- r7monvin^tir>n und Frl^tiornpor d^r ■vollen n~'itic~n~n vW bnrrrpr]ichen Gleichberechtigung d^r Jud°n m Rumänien. TT. Berufung der gepjoretpn M'tt^l d'° 7u e~- greifen wnrpn. um di° rnnRo-ob^rrl^n Vr<^iw ii-> Opc-tprrei^h-Ungarn sowie der ^i^n^tni-rpö^hte He^ f-^prlinpr Vertrages vom Tnhre 78*78 n»»f OrnrH c^?««r vprnfbVMpnden Bp«?t?rnrnnTirPe" für ein^ ^pr+iTp Intervention bpi der königlich rumänischen R°- erier""»' ™ Gewinnen. ITT. Bildung eines Komitees zur Vorbereitung und Abhaltung des Kongresses,

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