Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 7 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 54 ■.«Neue National-Zeitung" Nr. 7 Jahre wurde der Zweck völlig erreicht, denn zwischen den bürgerlichen Ostern und dein Pessach feste liegen 31 Tage. Ein solcher Zeitpunkt ist allerdings sehr selten, und in den jüngsten 80 Jahren fiel nur zweimal wie dieses Jahr Purini mit den bürgerlichen Ostern zusammen. Der Grund liegt zum Teil darin, daß einerseits der zur Bestimmung des Osterfestes dienende Vollmond nicht der astronomische ist, anderseits bei uns Rausch Chaudesch, wie auch dieses Mal, häufig einige Tage nach dem Mauled (Neumond) fällt. Literatur und Theater. „Dömnes". Als „Dömnes" gelten in der Türkei jene Bekenner des Islams, die von Juden abstammen. Man pflegt sie zurückzusetzen und verschmäht die eheliche Verbindung mit ihnen. Um so mehr halten sie selbst zusammen. Am 10. v. M. hielt in der Berliner „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" Dr. Alphons Sussnitzki über „Die Dömnes — die Nachkommen Sabbatai-Zewis" einen Vortrag. Der Redner schilderte zunächst das Auftreten „Sabbatai-Zewis" und die durch ihn hervorgerufene messianische »Bewegung in der gesamten Judeniheit gegen Mitte des 17. Jahrhunderts. Den dramatischen Abschluß dieser höchst wunderbaren Erscheinung bildete bekanntlich die Gefangennähme Sabbatai-Zewis bei seinem Eintreffen in Konstantinopel im Jahre 1666. Auf Betreiben der Regierung trat er selbst zum Islam über. Nach seinem Tode trat in Saloniki, das von jeher ein Herd der kabbalistischen Mystik gewesen ist, ein angeblicher Sonn Sabbatai- Zewis auf und wunde der Gegenstand göttlicher Verehrung. Seine Anhänger, etwa 400 an »der Zahl, wurden aber bald von den Gegnern bei der Regierung denunziert. Diese wußte bereits aus jüngster Erfahrung, welch große Dimensionen eine derartige Bewegung annehmen kann, und bewirkte durch strenge politische Maßnahmen den Uebertritt dieser Sekte zum Islam. Sie nannten sich aber bloß D ö m n e, »das heißt abgefallen (nicht Konvertit), ohne ein neues Bekenntnis anzunehmen. Sie waren in gewisser Beziehung zur Rolle dier Marannen verurteilt. Das Wesentliche im Bekenntnis dieser neuen Sekte war der Glaube an den richtigen Messias. Ihre Gebete, teils in hebräischer, teils in spanischer Sprache, sind den jüdischen Gebeten sehr ähnlich. Ihr Hauptfeiertag ist der 9. Aw, der Geburtstag Sabbatai-Zewis. Später schlichen sich bei ihnen auch christliche und mohammedanische Bräuche ein. Heute soll ihre Zahl gegen 5000 sein. Der Redner schilderte sodann ihre soziale, wirtschaftliche und politische Stellung in der gegenwärtigen Türkei. Sie nehmen hohe Würden und Ae-mter ein. Die Sekte spaltete sich »in drei Klassen, deren Differenzierung nicht mehr auf religiösem Boden liegt. Durch strenge, jahrhundertelange Inzucht, da sie sich sowohl von den Juden als auch von den Türken abschlössen, zeigen sich bei ihnen heute Symptome der 'Degeneration. Sie sind daher bestnebt frisches Blut aufzunehmen und -gehen mit Vorliebe, da ihnen kein religiöses Verbot im Wege steht, Ehen mit jüdischen und mohammedanischen Frauen ein. Viele ihrer Eigenschaften, besonders ihre scharfe Intelligenz, lassen noch heute ihre jüdische Abstammung »deutlibh erkennen. Durch die neuesten Umwälzungen in der Türkei, besonders durch den Fall Salonikis, sei die Existenz der ganzen Sekte mit dem Untergange bedroht. * Die Dr. Rappaportsche Preisstiftung in Wien. Wie wir erfahren, ist über das Thema „Das Judentum zu Ende des jüdischen Staates" am 31. Dezember v. J. beim Kuratorium lediglich eine Arbeit eingegangen. Die ungeheure Schwierigkeit des Themas hat, wie wir bereits vorhergesagt haben, etwas anderes nicht erwarten lassen. Die Arbeit wurde dem Preisrichterkollegium zur Begutachtung zugewiesen. Wahrscheinlich wird der Erfolg diesmal ebenso negativ bleiben, wie bei der ersten Preisausschreibung über dasselbe Thema. Wie lange wird sich denn dieses Kuratorium in der jüdisch-wissenschaftlichen Welt noch lächerlich machen? Personalnachrichten. •Dem Oberlandesgerichtsrat Dr. Löwner vom Wiener Handelsgerichte wurde aus Anlaß der Versetzung in den Ruhestand vom Kaiser der Hofratstitel verliehen. Hof rat Löwner war der erste jüdische Oberlandesgerichtsrat im Wiener Oberlandesgerichtssprengel. Allerdings blieb er bei der I. Instanz. Im Gegensatze zu Krakau und Lemberg wird in Wien kein jüdischer Rat dem Oberlandesgerichte zugeteilt. Bei den Wiener Gerichtshöfen fungieren nach Abgang des Dr. Löwner nur mehr vier jüdische Oberlandesgerichtsräte, davon einer bloß mit Titel und Charakter. Todesnachrichten. Louis Feist, der bekannte Frankfurter Wohltäter, ist jüngst gestorben. Am 30. Juni 1857 geboren, trat er nach Absolvierung der Realschule der Israelitischen Religionsgeselschait im Jahre 1872 bei Gründung der Firma Baer, Sondheimer & Co. in diese als Lehrling ein. Infolge seiner genialen Auffassungskraft und seines bewundernswerten Gedächtnisses wußte er sich in seiner Firma solchen Einfluß und solches Ansehen zu sichern, daß er im Jahre 1892 als Teilhaber In diese aufgenommen wurde. Von da an stieg sein Weg im geschäftlichen Leben immer höher. Er war als Vorsitzender der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt ein begeisterter Schüler S. R. Hirsch's und widmete dieser Schöpfung seines Meisters seine tiefe Liebe, seine volle Kraft, seine unerschöpfliche Gebefreudigkeit. Das Werk S. R. Hirsch "s wollte er krönen durch die Verwirklichung der Idee der Weltverbrüderung aller Thoratreuen auf dem Erdenrunde in der Agudas Isroel. Für dieselbe hat der Verstorbene große Opfer gebracht. Liste der Ausgetretenen. Vom 12. bis 25. März 1913. (Nr. 105—122.) Blau Sandor (Alex.), geb. 8. März 1898 in Agram, Wien VIII, Fuhrmanngasse 6. Frankel Lina, Kassierin, geb. 16. September 1886, Wien VII, Kirchengasse 15. Hermann Sonia, Opernsängerin, geb. 30. März 1879 in Tiflis, Wien VII, Lerchenfelderstraße 31. Laufer Siegfried, Schneidergehilfe, geb. 16. Oktober 1888, Wien XVII, Nattergasse 15. Löwy Martha, Privatbeamtin, geb. 26. April 1884 in Prag, Wien IX, Altmünstergasse 4. Reach Sarah Anna, geb. Hynek, geb. 26. Juli 1838 in Kremsier, Wien XVI, Thaliastraße 132. Weinberger Wilhelmine, geb. 18. August 1892, Wien XX, Klosterneuburgerstraße 47. Wetzler Katharina, geb. 10. März 1891 in Tyrnau, Wien XXI, Weinholzergasse 157. Alberti Leo, Dr., ledig, Kaufmann, geb. 27. August 1884 in Neudörfel, Wien IV, Schleifmühlgasse I a. Schlesinger Irma, ledig, Privatbeamtin, geb. 10. März 1865, Wien I, Elisabethstraße 4. Glasel Adrienne, ledig, Schauspielerin, geb. 6. Dezember 1882 in Brünn, Wien VII, Zieglergasse 73. Fischer Isidor, Reisender, geb. 24. Februar 1881, Wien XIII, Testarellogasse 3. Grünholz Robert, ledig, Kaufmann, geb. 12. Februar 1883, Wien III, Streichergasse 10. Großmann Ernst, Dr., ledig, Arzt, geb. 20. Dezember 1877 in Prag, Wien IV, Johann Straußgasse 24. Deutsch Martha, ledig, Private, geb. 12. Februar 1885 in Stockerau, Wien II, Taborstraße 24 a. Geliert (Grün) Oskar Franz, geb. 6. Dezember 1886. Kohn Ilona Julia, geb. 2. Jänner 1885. Gefall Olga, geb. 27. August 1883.