Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 7 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 „Neue National-Zeitung" schmerzlichen Bewußtsein unverdienter, kränkender Zurücksetzung müssen wir auf die nach jeder Richtung hin ungleich günstigere Lage der Wiener städtischen Lehrer sowie unserer Berufskollegen in der Metropole Ungarns und in allen größeren Städten Deutschlands hinblicken, die dank der einsichtsvollen Wertschätzung des Religionslehrerberufes seitens der in Betracht kommenden Behörden vor Not und Entbehrung geschützt sind. Und wir haben doch das Bewußtsein, daß wir in bezug auf Leistungsfähigkeit, geistige Kraft, Bildungsgrad sowie Idealismus für die hehren Aufgaben der Religionsschule nicht im geringsten unseren vom Schicksal begünstigteren Kollegen nachstehen. Darum glauben wir auch nicht, daß es etwa als Unbescheidenheit kommentiert wird, wenn wir uns nunmehr gestatten, an den löblichen Vorstand mit der dringenden Bitte heranzutreten: Ein löblicher Vorstand möge die Güte haben, ehestens die Ausarbeitung einer neuen, den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Gehaltsregulierung zu veranlassen, damit die Lehrerschaft, frei von drückender Not und Sorge, ihrem verantwortungsvollen Beruf mit derselben Freudigkeit wie vor dem Eintritt der jetzigen furchtbaren Teuerung nachzukommen in der Lage sei. Bis zum Inslebentreten dieser vom löblichen Vorstand gütigst zu schaffenden Neuregulierung aber.möge der löbliche Vorstand die besondere Gewogenheit haben, der Lehrerschaft eine Aktivitätszulage im Ausmaße von 15 Prozent des Gehaltes zu bewilligen sowie die Anfallsfristen der — wie wir zu unserer schmerzlichen Enttäuschung erfuhren — erst im September d. J. zur Auszahlung gelangenden Triennien schon für den 1. Jänner d. J. festzusetzen." Wien. („J iidischer Schulverein für den IX. B e z i r k", IX, Seegasse 16.) Mittwoch, den 2. April d. J., präzise halb 8 Uhr abends, findet in den Vereinslokalitäten ein Elternabend mit Diskussion statt. Referent Herr Oberlehrer Jakob Kohn. Gäste willkommen. Berlin. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in 'Palästina, dessen fünfter Jahresbericht eben erschienen ist, kann mit Befriedigung auf seine Tätigkeit im vergangenen Jahre zurüoksehen. Die Institutionen, die von ihm ins Leben gerufen wurden, haben sich weiter gut entwickelt und weisen viele Fortschritte auf. In Jaffa werden zurzeit in der Schule 57 Mädchen beschäftigt gegen 40 im Vorjahre. Das Atelier in Jerusalem ist von 50 auf 150 Mädchen vergrößert. Das Atelier in Tiberas beschäftigt in diesem Jahre 80 Mädchen gegen 30 im Vorjahre. Die feinsten Arbeiten kommen von dort. Neuerdings wird dort auch Nähunterricht erteilt. In Safet ist im Laufe dieses Jahres eine Nähschule für 75 Mädchen eröffnet. Da unter der Bevölkerung in Safet große Not herrscht, kann man annehmen, daß die Schule von großem Segen für die Stadt werden wird. Die Zahl der Heimarbeiterinnen, die bis jetzt aus den Schulen hervorgegangen ist, beläuft sich vorläufig auf 26, da wegen der schlechten häuslichen Verhältnisse das Arbeiten zu Hause noch nicht überall möglich ist. Im Ganzen beschäftigt die vom Verein eingeführte Spitzenindustrie und Näharbeit jetzt 388 Mädchen. Dazu kommen 16 'Lehrerinnen, teils für Spitzen, und Nähen, teils für Hebräisch und Turnen. Mit dem Dienstpersonal sind es rund 410 Personen, denen durch den Verband eine Erwerbsquelle geschaffen worden ist. Auch der Verdienst der Mädchen hat sich gesteigert. Wenn eine mittlere Arbeiterin 25 bis 30 Francs monatlich verdient, so gibt es auch schon Mädchen, die bei feinerer Arbeit und Stücklohn imstande sind, bis zu 50 Francs zu verdienen. In den Schulen wird auf Ordnung und Sauberkeit gesehen. Die Räume sind hell und freundlich. Auch wird für ärztliche Untersuchung der Augen gesorgt, was speziell in Jerusalem, wo die ägyptische Augenkrankheit an der Tagesordnung ist, von besonderer Wichtigkeit ist. Die Nachfrage nach den Spitzen ist im Wachsen, so daß die Spitzen gut verkauft werden. Die vom Verbände in K i n e r e t h bei T i b e r i a s begründete landwirtschaftliche Haushaltungsschule hat sich als sehr lebensfähig gezeigt. Seinen bescheidenen Mitteln entsprechend hat der Verband mit 6 Mädchen angefangen. Der Versuch gelang ausgezeichnet, und zurzeit sind es 14 Mädchen, die dort arbeiten. Die Mädchen erhalten praktischen und theoretischen Unterricht in Haushaltung und Gartenbau. Neuerdings soll Milchwirtschaft und Geflügelzucht noch dazu kommen. Das Krankenhaus in Haifa, das vom Verbände subventioniert wird, hat sich während der kurzen Zeit seiner Existenz als ein wahrer Segen für die Gegend erwiesen. Die Hälfte der Kranken kommt aus den galiläischen Kolonien, die bis jetzt die Wohltat eines jüdischen Hospitals und eines jüdischen Arztes entbehren mußten. Auch das Jaffaer Krankenhaus wurde vom Verbände subventioniert. An beiden Krankenhäusern bestehen Wöchnerinnenstuben, die von der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes erhalten werden. Die Zahl seiner Mitglieder ist in ständigem Steigen begriffen. Im Jahre 1911 betrugen die Mitgliederbeiträge etwa 10.000 Mark — im Jahre 1912 17.000 Mark. — An Spitzen wurden im Jahre 1911 für 7459 Mark verkauft, im Jahre 1912 für 13.859 Mark. Es ist zu wünschen, daß dem Verbände sich möglichst viele jüdische Frauen anschließen, damit er durch Zuströmung immer reicherer Mittel seine so schön eingeleitete Tätigkeit in größerem Maßstabe ausüben kann. Um der stets wachsenden Arbeit gerecht zu werden, hat der Verband am 1. März d. J. seine eigene Geschäftsstelle eröffnet, von wo aus sämtliche schriftlichen Arbeiten erledigt werden, und wo auch, die in seinen Ateliers angefertigten Spitzen zu haben sind. Die Geschäftsstelle befindet sich im Bürohaus, Börse, Berlin C. 2, Burgstraße 27, Büro Nr. 11 und ist täglich von 9 bis 1 und von 3 bis 7 Uhr geöffnet, mi Ausnahme der Sonnabende und Feiertage. /WS ALLEN WELTTEILEN Die Berufung des Dr. J. S. Bloch — zurückgezogen. Die Verhandlung über die von Dr. J. S. Bloch gegen den Freispruch unseres Herausgebers angemeldete Berufung hat am 3. d. M. nicht stattgefunden. Dr. Bloch hat es vorgezogen, die Berufung zurückzuziehen. Professor Goldzieher reist nicht nach Petersburg. Gegenüber der Nachricht in der vorigen Nummer, daß Professor Goldzieher auf Grund einer gnadenweisen Bewilligung nach St. Petersburg reist, erfahren wir aus den jüdisch-ungarischen Blättern das Gegenteil. Professor Goldzieher will von dieser Gnade keinen Gebrauch machen und verzichtet auf die Delegation. Der auf seine Stelle von der Akademie berufene Ersatzmann Professor König (ein Christ), hat die Berufung abgelehnt. Das Vermögen der Warschauer Gemeinde. Dem letzten Berichte der jüdischen Gemeindeverwaltung in Warschau entnehmen wir folgende Daten: An Wertpapieren besitzt die Gemeinde 1,022.665 Rubel, an unbeweglichen Gütern 1,440.553 Rubel. Die Einnahmen im Jahre 1912 erreichten die Höhe von 564.197 Rubel. Hievon wurden 150.000 Rubel an Gehältern, der Rest für Tempel- und Wohltätigkeitszwecke verwendet. Kalendermerkwürdigkeiten. Bekanntlich wurde das bürgerliche Osterfest auf den ersten Sonntag nach Vollmond nach Frühlingsanfang verlegt, damit es niemals mit unserem Pessachfeste zusammenfalle. Der Zweck wurde allerdings nicht ganz erreicht, denn das Zusammenfallen kam schon wiederholt vor und wird 1923 und 1927 wieder vorkommen. In diesem