Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 7 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 52 .Neue National-Zeitung" Nr. 7 kunft, in welcher der Genius des deutschen Volkes auch der seiner jüdischen Bevölkerung sei. Dann erstattete die Schriftführerin des Bundes, Frau Henriette May (Berlin), den Jahresbericht. Aus diesem geht hervor, daß sich dem Jüdischen Frauenbunde 160 Vereine und zehn Ortsgruppen mit zusammen 32.000 Mitgliedern angeschlossen haben. Aus der Verbandsarbeit sei besonders hervorgehoben, daß der jüdische Frauenbund gemeinsam mit den beiden anderen Konfessionen ein Plakat zum Schutze alleinstehender Mädchen schuf, das in der III. und IV. Klasse der Eisenbahnwagen aushängt. Ferner wurde geschaffen eine Stellenvermittlung für Mädchen und ein Dienstvertrag. Der von Frau Dr. M. F r a n k 1 (Berlin) erstattete Kassenbericht zeigte einen guten Bestand und wurde genehmigt. Den Schluß der Vormittagsverhandlungen bildete das Referat des Frl. Bertha Pappen he im (Frankfurt a. M.), die über das Thema „Aus unserem Programm" sprach. Sie gedachte der Entwicklung des Jüdischen Frauenbundes, der — auf seiner ersten Tagung in Berlin — sich anfangs in kleinen Kreisen bewegte, aber seit seiner dritten Tagung in München sich als ein wichtiger Faktor in der allgemeinen deutschen Frauenbewegung erweist. Der ideale Teil des Programes soll die latenten Kräfte der jüdischen Frauen lebendig machen, um das Ziel der Bewegung der jüdischen Frauen zu erreichen und den Wunsch zu wecken zur Mitarbeit zur Erhaltung jüdischer Eigenart, der Frau das geistige Leben zugänglich zu machen, damit sie auf dem Boden jüdischer Ethik stehend Trägerin deutscher Kulturarbeit werde. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion. Am Nachmittag behandelte Frau Anna Neuraann (Leipzig) in einem Vortrage „Die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen Leipzigs". Die Rednerin zeigte, wie die jüdische Gemeinde Leipzig von jeher bestrebt war, die Armut der Volksgenossen zu lindern und wie nach und nach die verschiedensten jüdischen Hilfs- und Wohltätigkeitsvereine, Kassen und Institute in Leipzig entstanden, unter denen der schon 1870 gegründete Israelitische Frauenverein der älteste ist. Hierauf sprach Frl. Sidonie Werner (Hamburg) „Zur Schächtfrage". Die Referentin betonte, daß sie die Frauen in dieser Frage erst urteilsreif machen wolle. Sie sprach zunächst über die Schlachtung mit vorhergehender Betäubung, die sie als unsicher erklärt, wobei außerdem die Qualität des Fleisches leide. Das Schächten ist nach Ansicht der Rednerin die weniger schmerzhafte und schnellere Art des Tötens, ist zudem eine religiöse Vorschrift der Juden, die hygienisch beste Schlachtmethode, den anderen mindestens gleich und human. Eine äußerst rege Aussprache, die diesem Vortrage folgte, zeitigte die nachfolgende, einstimmig angenommene Resolution: Die vierte Delegierten-Versammlung des Jüdischen Frauentages in Leipzig am 18. März 1913 erklärt: 1. Das Schächten ist ein jüdisches Religionsgesetz. 2. Das Schächten ist nach dem Urteil von Sachverständigen der Physio- ' logie, der Medizin, der Tierheilkunde sowie zahlreicher Schlachthofdirektoren eine einwandfreie, den anderen Tötungsmethoden durchaus gleichwertige Schlachtmethode. 3. Die jüdische Religion verurteilt jede Tierquälerei auf das schärfste. Am Abend fand im Versammlungssaale ein öffentlicher Vortrag der Frau Justizrat Paula O 11 e n d o r f (Breslau) über „Jüdische soziale Hilfsarbeit" statt Sprechsaal. An die hochgeborene Frau Mathilde von Guttmann. Geehrter Herr Redakteur! loh habe mir seinerzeit erlaubt, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß die Hutfabrikantenfamilie Habig, die nicht nur im Begriffe stand, mit der Familie des verstorbenen Präsidenten der „Israelitischen Allianz", David von Guttmann, in verwandschaftliche Beziehungen zu treten, sondern auch die meisten jüdischen Huthändler in Galizien zu ihren Abnehmern zählt, prinzipiell keinen jüdischen Reisenden anstellen will, wiewohl gewiß zahlreiche jüdische Reisende es kraft ihrer Tüchtigkeit und Ehrlichkeit verdient hätten, dieses 'große Geschäftshaus zu vertreten. Seitdem hat auch in der Hutbranche in Galizien eine kräftige Agitation unter der jüdischen Bevölkerung eingegriffen,*) es hat aber auch — in aller Stille und ohne die übliche Ankündigung in den Blättern — die Enkelin desselben David von Guttmann den Herrn Peter Habig geheiratet. Ich hätte nun an Frau Mathilde von Guttmann, geborene Baronin Günzburg, die Schwiegermutter des Herrn Peter Habig, eine Bitte': Möchten Sie doch bei Ihrem Schwiegersohn dahin intervenieren, daß er auch jüdische Geschäftsreisende anstellt! Sie sind das dem Andenken Ihres Schwiegervaters, des sei. David von Guttmann schuldig. Er hat sich eine Ehre daraus gemacht, Präsident der Baron Hirschschen Sohulstiftung für Galizien zu sein. Und er müßte sich im Grabe umdrehen, wenn es in Galizien heißt, daß der Mann seiner Enkelin gern seine Millionen einheimst, aber einem Juden kein Stückchen Brod gönnt. Ich bitte Sie, geehrter Herr Redakteur, im Namen vieler Geschäftskollegen um Veröffentlichung meines Briefes, doch bitte ich, meinen Namen nicht zu veröffentlichen. Mit aller Hochachtung..... Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Petition des israelitischen Religio n sieh rer-Verei nes „Esra".) Dieser Verein hat dem Wiener Kultusvorstand eine Eingabe betreffend Gehaltserhöhung überreicht. In derselben lesen wir: „Der löbliche Vorstand hatte die Güte, im Jahre 1910 eine neue Gehaltsregulierung ins Leben zu rufen. Wir wissen das außerordentliche Wohlwollen, das der löbliche Vorstand durch die Schaffung des neuen Reglements der Lehrerschaft gegenüber dokumentiert hat, vollauf zu würdigen. Bedeutete dasselbe doch immerhin einen unverkennbaren Fortschritt angesichts unserer früheren unerquicklichen Lage. Allein so freudig wir auch damals die für das Wohl der Lehrerschaft bekundete Fürsorge des löblichen Vorstandes begrüßten, sehen wir uns heute dennoch zu unserem lebhaften Bedauern genötigt, dem löblichen Vorstand die traurige Tatsache zur Kenntnis zu bringen, daß infolge der Ungunst der Verhältnisse, insbesondere durch die seit drei Jahren konstant wachsende Teuerung auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens sowie durch die enorme Mietzinssteigerung das durch die Gehaltsregulierung vom Jahre 1910 erlangte Plus nicht nur völlig konsumiert erscheint, sondern daß die Lehrerschaft heute geradezu mitten in einer wirtschaftlichen Katastrophe steht, deren furchtbare Konsequenzen schon jetzt in mehr als empfindlicher Weise zutage treten. Wir glauben wohl der unangenehmen Notwendigkeit enthoben zu sein, diese betrübende Tatsache noch des näheren durch detaillierte Daten zu beleuchten. Hat sich doch der löbliche Vorstand selbst schon im Vorjahre veranlaßt gefühlt, mit Rücksicht auf die Notlage der Lehrerschaft einen Teuerungsbeitrag in Form einer kleinen Ferialzulage zu gewähren. Nicht etwa mit dem Gefühl des Neides, wohl aber mit dem *) Wir glauben, daß eine Konkurrenzfirma dahinter steckt. So wurde uns durch eine Wiener Buchhandlung — offenbar in deren Auftrag und zum Zwecke der Verbreitung — die ganze auf Lager befindliche Auflage jener Nummer abgekauft. Anm. der Redaktion.