Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 6 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- Seite 46 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 46 ^Neue National-Zeitun g" Nr. 6 An der Eröffnung haben sämtliche Schichten der jüdischen Gesellschaft, sowie die Vertreter der Staats- und Stadtbehörden teilgenommen. Die Ausstellung bestand hauptsächlich aus lebenden Bildern. Darstellungen von jüdischen Volkssitten in den verschiedensten Ländern zu den verschiedensten Zeiten, ferner aus der Vorführung von Industrien, welche von Juden geschaffen wurden, sowie der jüdischen Hausindustrie und schließlich der Entwicklung der jüdischen Presse in den einzelnen Staaten. Die Ausstellung hat auch eine eigene Abteilung für Palästinaarbeit. Professor Goldzieher in Petersburg. Die Akademie der Wissenschaften hat für Professor Goldzieher aus Budapest das Aufenthaltsrecht in Petersburg erwirkt. Hiedurch wird es Professor Goldzieher ermöglicht, au der in Petersburg tagenden wissenschaftlichen Konferenz teilzunehmen. Bekanntlich haben es wiederholt hervorragende Juden (Oskar Strauß, Herbert Samuel u. a.) abgelehnt, von einem „gnadenweisen** Eintritte nach Rußland Gebrauch zu machen. Die Juden in der russischen Advokatur. Bisher durften die Juden in Rußland wenigstens „Advokatursgehilfen" werden. Jetzt ist ihnen auch dies verwehrt. Seit dem 20. Februar weilt in Petersburg eine Deputation jüdischer Juristen aus Kiew, die im Jahre 1912 an der juristischen Fakultät der dortigen Universität promoviert haben, denen jedoch seitens der Kiewer Behörden die Aufnahme in den Stand der Advokaturgehilfen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum verweigert worden ist. Die Abordnung wurde Ende der vorigen Woche vom Justizminister Schtscheglowitow empfangen, der ihr erklärte, er könne den Wunsch der jüdischen Juristen nicht erfüllen, da es die feste Absicht der Regierung sei, den Juden den Weg zur Anwaltschaft während eines Zeitraumes von mindestens zehn Jahren ganz zu verschließen, damit die Zahl der jüdischen Advokaten die Norm von 3 Prozent der Gesamtzahl nicht überschreite. Die Deputation will sich mit dieser Antwort des Justizministers nicht zufrieden geben und hat um eine Audienz beim Ministerpräsidenten Kokowzew nachgesucht. Auch hat sie ein Expose an die Mitglieder der Duma und des Reichsrates versandt, worin auf die Unbilligkeit und Ungesetzlichkeit der betreffenden administrativen Maßnahmen hingewiesen wird. Jüdisches Museum in Worms. In einer seiner letzten Sitzungen faßte der Vorstand der Kultusgemeinde den Beschluß, ein Museum zu begründen, welches dazu bestimmt sein soll, alle seither an verschiedenen Orten untergebrachten, für die Geschichte des Judentums und der hiesigen jüdischen Gemeinde höchst wertvollen Altertümer unter einem Dache zu vereinigen. Einem Teil von ihnen diente bisher die Raschkapelle zum Unterkunftsort. Unter ihnen befinden sich höchst wertvolle Dokumente, mittelalterliche Pergamente, kunstvoll geschrieben und mit farbigen Initialen versehen, Gebetbücher aus längst vergangenen Jahrhunderten, alte hebräische Drucke, kostbare, goldgestickte Vorhänge für das Allerheiligste aus Samt und Seide und Thoramäntel, goldene und silberne Kelche aus dem 16. Jahrhundert von hervorragender Goldschmiedekunst und andere mit dem Kultus in Zusammenhang stehende gottesdienstliche Gegenstände. Ferner befindet sich unter der wertvollen Sammlung eine große Anzahl im Jahre 1869 bei der Niederbrennung der Stadt durch die Franzosen unter Melac abhanden gekommener und vor etw a drei Jahrzehnten unter dem Dach der Synagoge wieder aufgefundener sogenannter Wimpeln mit bunter, farbiger Ausführung, welche über die Genealogie vieler noch heute existierender Wormser Familien von hervorragendem Namen Aufschluß geben. Auch das seit über 100 Jahren aus dem hiesigen Archiv verschwundene Minhagbuch des Bar Insba, eines namhaften Wormser jüdischen Gelehrten des 16. Jahrhunderts, das die rituellen Sondergebräuche der Juden in Worms im Mittelalter enthält, welches erst vor wenigen Jahren von einem Wiener Bibliophilen auf einer Bücherauktion in Amsterdam wieder entdeckt, für eine hohe Summe ersteigert und der Gemeinde zum Geschenk gemacht wurde. Zur Ausführung des Planes wurde eine Summe ins Budget eingestellt und eine mehrgliedrige Kommission gewählt. Das Museum wird allen Interessenten zugänglich gemacht werden. Todesnachrichten. Dr. Maximilian Steiner — gestorben. Der jüngst im Alter von 80 Jahren verstorbene Dr. Steiner gehörte zu den ältesten Mitgliedern des Wiener Kultusvorstandes. Er war ein sehr fleißiger Besucher der Vorstandsitzungen und nahm regen Anteil an allen die Wiener Judengemeinde und das riuelle Judentum bewegenden Fragen. Er hatte den Ehrgeiz, den Religionsunterricht zu reformieren; wir haben diesen Reformplan seinerzeit ausführlich behandelt und abgelehnt. Liste der Ausgetretenen. Vom 26. Februar bis 11. März 1913< (Nr. 79—104.) Aldor Emmy, Private, geb. 13. September 1891, Wien IX, Frankgasse 4. Feldbauer Albert, Holzhändler, geb. 13. Juli 1875 in Banjaluka, Wien VII, Neustiftgasse 5. Fischer, geb. Cahmar, Alexandriiie, geb. 4. Oktober 1890 in Bukarest, Wien XIII. Kupelwiesergasse 47. Ftandrak Wilhelm Josef, Agent, geb. S. Juni 1885, Wien IX, Glasergasse 19. Heller Valerie, Private, geb. 31. Juli 1887, Wien VII. Kirchengasse 42. Licht Rosa, geb. 28. Februar 1883 in Jaroslau. Wien II, Große Mohrengasse 34. Lustig, geb. Pick, Elisabeth, Beamtensgattin, geb. 28. April 1889 in Prag. Wien VII, Döblergasse 4. Reichsfeld Paul Otto, Privatbeamter, geb. 2. Juli 1887, Wien IX. Clusiusgasse 6. Schneider Samuel, Architekt, geb. 3. Jänner 1884, Wien IX, Fuchsthallergasse 8. Spitzer Leo, Buchhalter, geb. 5. August 1889, Wien IX, Porzellangasse 53. Qoldarbeiter Cornel Ernst, ledig, Staatsgewerbeschüler, geb. 10. September 1893, Wien VII, Josefstädterstraße 58. Dr. Eisenschitz Emil, Arzt, geb. 6. Jänner 1876, Wien VIII, Piaristengasse 18. Ornstein Jonas Loeb, ledig. Tapezierer, geb. 6. März 1883 in St. Pölten. Wien VI. Laimgrubengasse 3. Bledy Laura, ledig. Private, geb. 19. April 1889 in Budapest, Wien II, Untere Donaustraße 42. Glaser Ida, ledig. Private, geb. 21. September 1890 in Eisengarn, Wien II, Sterneckplatz 11. Pleifer MaLvine, ledig, Kontoristin, geb. 18. Februar 1887, Wien XV, Sorbaitgasse 4. Plenk Otto, ledig, Privatbeamter, geb. 24. Dezember 1884, W7ien IV, Schellinggasse 22. Dr. Tafler Georg, ledig. Privat, geb. 30. April 1888, Wien III, Barichgasse 13. Feldmann Maurice, ledig, Privatbeamter, geb. 17. Juni 1893 in Bukarest, Wien V. Reiuprechtsdorferstraße 34. Löbl Irma, verh., Private, geb. 27. März 1888. Wien II, Ennsgasse 21. Benesch Rosa, ledig, Erzieherin, geb. 14. Dezember 1876, Wien II, Hoienedergasse 1. Seidner Ernst, ledig. Privatbeamter, geb. 25. Juli 1882. Wien II, Ausstellungsstraße 35. Kürschner Ernst, ledig, geb. 25. Mai 1881 in Olmütz, Wien XII, Mandlgasse 17/12. Kwartler Simon, geb. 4. Februar 1899. Oblatt Josefine, geb. Werner, getrennt, Private, geh 1881.