Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 5 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 ^Neue Nalional-Zeitung" Archiv — Dr. Lieben war die lebende Registratur, das lebende Archiv. Wir waren bei allen Angelegenheiten auf seine Informationen angewiesen, nur von ihm konnten wir erfahren, was sich in der Vergangenheit zugetragen, in welcher Weise gewisse Angelegenheiten behandelt und erledigt worden sind. Seine Informationen waren unschätzbar, fast möchte ich sagen, wir hätten das Haus zusperren können, wenn Herr Dr. Lieben nicht bei uns gewesen wäre. Das war seine Bedeutung für die Vergangenheit, aber auch für die Jetztzeit ist er die Seele unserer Verwaltung, unseres Beamtenkörpers und wenn wir heute, ich kann es ruhig sagen, einen so musterhaften Beamtenkörper haben, wie ihn kaum eine der autonomen Körperschaften besitzt, wenn wir eine solch große Anzahl braver, tüchtiger, integerer und aufopfernder Beamten haben, so danken wir dies dem Beispiele, das der Chef dieses Beamtenkörpers, Dr. Lieben, gegeben hat und gibt. Dr. Lieben vertritt die Gemeinde auch nach außen hin bei Gericht, bei Behörden, Statthalterei und den Ministerien in würdiger Weise und es ist deshalb kein Wunder, wenn er überall das größte Entgegenkommen findet. Wir können uns gratulieren, Dr. Lieben seinerzeit für unsere Administration gewonnen zu haben und ihn bisher zu besitzen. Wir hoffen, daß er noch recht lange, wenn auch nicht bis 120 Jahre, so doch noch eine große Anzahl von Jahren seines Amtes walten wird. Wir gratulieren ihm aufs allerherzlichste. wünschen ihm ein langes, glückliches Leben und eine recht lange Amtstätigkeit in unserer Mitte.' Von der Anerkennung, welche der Vorstand dem ersten Sekretär als Anlaß seines Doppeljubiläums votiert hat, habe ich Herrn Dr. Lieben mit Ueberschreitung des Amtsgeheimnisses, bereits früher in Kenntnis gesetzt." Erster Sekretär Dr. Lieben dankt in bewegten Worten für die ihm zuteil gewordene besondere Ehrung seitens des Vorstandes, sowie für die durch den Präsidenten in so wohlwollender Weise zum Ausdruck gebrachte Anerkennung seiner Tätigkeit im Dienste der Gemeinde. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Generalversammlung des Vereines Tiferes Bachurim.) Sonntag, den 9. Februar, fand die diesjährige Generalversammlung des Vereines Tiferes Bachurim unter außerordentlicher Beteiligung im Turnsaale der Talmud Thorah statt. Die Abwesenheit Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Fürst, der erkrankt ist, wurde allgemein bedauert. Unter den Erschienenen bemerkte man Herrn Rabbinatsassessor Baumgarten und die Vereinsrabbiner der verschiedenen orthodoxen Bethausvereine: Rabbiner N. Friedmann, Rabbiner M. Fleischmann, Rabbiner H. Schenk, Rabbiner Goldstern, Rabbiner Benedikt, Rabbiner Flesch. Der Vorstand des Adas Jisroel war nahezu vollzählig erschienen, ebenso Vertreter der Bethausvereine Talmud Thora, Marpe Lanefesch, Thora-Ez- Chaim, Machasika Hadas, Einheit u. v. a. Nach Begrüßung durch den Obmann J. H. Pinkas hielt der Oberrabbiner Benjamin S e i d 1 aus Galantha die Festrede. Dann wurde der Rechenschaftsbericht erstattet. Aus demselben ist ersichtlich, daß der Verein in den lezten Jahren, seit er sich unter die Patronanz der Adas Jisroel stellte, einen raschen Aufschwung nahm. Er zählt jetzt 251 ^Mitglieder. Seine Einnahmen betragen ungefähr 2300 K. An zwanzig Wiener Kinder, die auswärts an einer Jeschubah Talmudstudien betreiben, werden Stipendien von monatlich 10 bis 20 K ausbezahlt. Nach der Generalversammlung fanden sich die Freunde des Vereines im Restaurant des Hotel New York zu einem fröhlichen Mahle zusammen. Wien. Samstag, den 15. März d. J., 9V2 Uhr abends, großes Pur-im-Maske nf est des „Her z 1 -Kl u b" im Festsaale des Hotel Continental, II, Taborstnaße 4. Kostüm, Sommer- oder Soiree-Toilette. Entree: Im Vorverkauf K 2.—, an der Abendkassa K 2.50. — Samstag, den 1. März d. J., 1/a9 Uhr abends Vorkränzchen (Akademie mit Tanz) des Purim-Maskenfestes in den großen Souternatinsälen des Cafe Kristall, I, Asperaplatz. Entree: Im Vorverkauf K —.80, an der Abendkassa K 1.—. Wien. Ein Perezaben d.) Der Verein jüdischer Hochsohüler „Cheruth" und der Allgemeine jüdische Arbeiterverein „Po ale Z i 0 n" haben :uns am letzten Freitag die dankenswerte Gelegenheit verschafft, eönen der besten jiddischen Dichter, Jehuda Leib P e r e z aus Warschau, zu sehen und zoi hören. Neben ihm erschien am Vorlesetisch auch Dr. Nathan Birnbaum aus Berlin. Der Festsaal im „Hotel Continental" war vollgepropft. Die beiden Vortragenden und auch Professor Gregori, der die herrlichen .Miiniatur-Skizzen Perez' aus dem Ghetto-Leben mit feinem Nachempfinden wiedergab, fanden viel Beifall. Ein Strom von Enfchusiasnrus durchglühte alle Anwesenden. Denn die Jugend war hier versammelt, die Jugend aus dem Osten, dlie in Perez ihren Dichter verehrt. Dafür haben wieder Perez und Dr. Birnbaum in ihren Vorträgen das Ostjudentum und seine Kultur mit überschwänglichen Worten gerühmt... Wien. (A k a d e m i s che V e r b i n d u n g L i b a - nonia.) Die Chargenwahlen für das XXXVIII. Semester haben folgendes Resultat ergeben: 'techn. Gidale Grünspan X, med. Joachim Kriege! XX' i:Ur- Fritz Kreith XXX- /WS ALLEN WELTTEILEN Der neue Oberbürgermeister von Budapest — Jude. Doktor Franz H e 11 a i,der als erster im königlichen Ternavorschlag zum Oberbürgermeister von Budapest gewählt wurde, ist Ungar — „mosaischer Konfession". Seine Wahl ist uns ein Beweis dafür, daß es in Ungarn ausnahmsweise ein Jude zu einer hervorragenden Stellung bringen kann. Sonst gelten ja in Ungarn für die Juden speziell i n der Armee gerade dieselben Entrechtungen wie in Oesterreich. Auch ein ungarischer J;ude hat zum Auditoriat, Generalstab oder Intendanz keinen Zutritt. Wir haben in Ungarn zahllose jüdische Barone, aber keinen einzigen jüdischen Geheimrat! Und doch handelt es sich bei jedem der zitierten Fälle um prinzipielle Fragen der Staatsgrundgesetze. Also mögen sich unsere Glaubensgenossen jenseits der iLeitha auf ihre „Gleichberechtigung" nicht gar zu viel einbilden. Die Judengemeinde von Gallipoli. Gallipoli, wo jetzt so hochwichtige Ereignisse sich vollziehen, hat eine angesehene Judengemeinde, die in den letzten Jahren verschiedene Katastrophen durchzumachen hatte. Die letzte dieser Katastrophen war dias furchtbare Brdbeben vor einem Jahre, durch welches das Judenviertel von Gallipoli fast vollständig zerstört wurde. Eine Sammlung, an welcher sich die Juden der Türkei stark beteiligt hatten, sowie eine Unterstützung seitens der jüdisch-europäischen Organisationen machte es den Juden in Gallipoli möglich, ihre öffentlichen Anstalten wieder aufzubauen, und wenigstens den am härtesten Betroffenen eine neue Existenzmöglichkeiit zu Sichern. Erst vor einigen Tagen meldete ein Brief aus Gallipoli, daß die Judenstadt daselbst fast wieder vollständig aufgebaut sei, und nun wird diese so