Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 5 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 5 „Neue National-Zeitung" ___________Seite 35 räumlich näher zu bringen, den Verfolgten in ihrer alten Heimat ein Asyl zu schaffen. Nicht nur, daß einer der besten Bestandteile des überallhin verstreuten Judenvolkes in Palästina eine menschenwürdige Existenz fände, die ihm von seinen südarabischen Nachbarn versagt worden war: es würde auch der große Komplex der jüdischen Palästina- Bestrebungen die allergrößte Förderung dadurch erfahren, daß ein Einwanderungselement ottomanischer Staatszugehörigkeit, in dem sich Intelligenz und Geschicklichkeit, Fleiß und Anspruchslosigkeit in seltener Weise vereinigt finden, für die verschiedenen Bedürfnisse des jüdischen Ansiedlungswerkes im Heiligen Lande zur Verfügung stünde. Die in jahrelanger Erfahrung erprobte, vielfache Verwendbarkeit der yemenitischen Juden in Handwerk und Kunstgewerbe, als Ackerbauer und Taglöhner, wird auch dazu helfen, uns neue Formen der Ansiedlung finden zu lassen, die nicht nur den Yemeniten und anderen durch besondere Anspruchslosigkeit ausgezeichneten Juden des Orients zugute kommen, sondern auch der allgemeinen jüdischen Kolonisation in Palästina neue Grundlagen schaffen helfen werden. Die Lage der Kultusger W i e n, den 26. Februar. Wir haben bereits im Jahre 1910 anläßlich der Kultuswahlen darauf hingewiesen, daß die Wiener Kultusbeamten sowohl in materieller Beziehung als auch in beziig auf die Vorrückungs- und Pensionsverhältnisse sehr ungünstig gestellt sind. Daraus ergeben sich mannigfache Mißstände, die der Würde einer großen Gemeinde nicht entsprechen. Dennoch ist es bisher beim alten geblieben. Die Teuerungsverhältnisse haben sich bei den kleinen Beamten noch empfindlicher fühlbar gemacht; zahlreiche Beamte sehen sich zurückgesetzt und verlieren jede Arbeitslust, da ihnen ungerechter- und inhumanerweise jedes Avancement über den Offizialrang und damit eine Besserung der Existenz e i n für allemal genommen wird. Aber das alles kann den Referenten Hofrat in Pension Dr. Rappaport nicht rühren. So beschlossen nun endlich die Beamten, energisch aufzutreten. Am 24. d. M. hat im Souterrain des Cafe Ronacher eine Versammlung sämtlicher Kultusgemeindebeamten stattgefunden. Es wurde der Beschluß gefaßt, Freitag, den 28. d. M., beim Präsidenten Dr. Stern in corpore zu erscheinen und demselben die Wünsche der Beamtenschaft bekanntzugeben. Diese Wünsche müssen wir als durchaus gerecht bezeichnen. Die Beamten verlangen u. a.: 1. eine Gehaltserhöhung, speziell in den untersten Rangsklassen; 2. die Aenderung der Vorrückungsverhältnisse resp. Hinaufschiebung der Grenze für das unbedingte Zeitavancement, d. h. daß es jeder Beamte nicht wie bisher zum Offizial, sondern mindestens zum Oberoffizial bringen müsse; 3. eine Abkürzung der bisherigen 40jährigen Dienstzeit (im Wiener Magistrat besteht nur die 30- resp. 35jährige Dienstzeit) und Zubilligung eines Teiles der Aktivitätszulage in der Pension (die Magistratsbeamten werden mit der vollen, die Staatsbeamten mit 40 Prozent ihrer Aktivitätszulage pensioniert). Von allen diesen Wünschen ist gewiß der auf Erweiterung des Zeitavancements gerichtete am begründetsten. Wer Beamter der Kultusgemeinde wird, der muß auch die Möglichkeit haben, mindestens den Rang eines Oberoffizials zu erreichen. Ist er so unfähig und unintelligent, daß man ihn zu dieser Stelle nicht vorrücken lassen kann, dann soll man ihn nicht anstellen. Ueberhaupt ist die Kultusgememde kein Zufluchtsort für gescheiterte Existeneindebeamten in Wien. zen, die man versorgen will. Man sei skrupulöser bei der Aufnahme, aber gerechter bei der Beförderung. Ein Kultusbeamten-Proletariat ist der Wiener Kultusgemeinde unwürdig. Wir hoffen, daß Präsident Dr. Stern für seine „braven, tüchtigen, integren und aufopfernden Beamten" — wie er sie einige Tage vordem in der Ansprache an den Chef der Beamtenschaft, Doktor Lieben, nannte — die auch Familienväter sind und leben wollen, im Anschluß an die Worte des Lobes auch dann Wohlwollen hegen wird, wenn dasselbe praktische Konsequenzen erfordert. Die jüdische Oeffentlichkeit wird den um ihr Fortkommen kämpfenden Beamten gewiß ihre Sympathie zuwenden. Das Dienstjubiläum des ersten Sekretärs Dr. Lieben. Wien, den 19. Februar. Der erste Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben feierte zu Beginn dieses Jahres sein 40. Dienstjahr bei der Kultusgemeinde und vollendete gleichzeitig sein 70. Lebensjahr. Wegen dieses doppelten Jubiläums hat der Kultusvorstand in der heutigen Plenarsitzung dem Dr. Lieben eine besondere Ehrung veranstaltet, indem ihn der Präsident in einer Ansprache beglückwünschte, worauf Dr. Lieben antwortete. Wir erhalten darüber folgende Mitteilung: Der Vorsitzende, Präsident Dr. Alfred Stern, hält nachfolgende Ansprache: „Wir haben heute ein höchst seltenes Ereignis zu feiern, gilt es doch, ein Doppeljubiläum zu begehen. Unser erster Sekretär, kais. Rat Dr. Theodor Lieben, wird demnächst seinen 70. Geburtstag feiern und hat bereits sein 40. Dienstjahr überschritten. Zwischen diesen beiden Zeitabschnitten befinden wir uns heute und ich nehme gerne den Anlaß wahr, ihm unsere aufrichtigsten, herzlichsten, innigsten, allerwärmsten — ich bitte, sich noch ein paar Epitheta zuzudenken — Glückwünsche auszusprechen. Was Dr. Lieben dem Vorstande ist, können im vollen Maße nur diejenigen beurteilen, die schon so lange Zeit dem Vorstande angehören, wie es bei mir und meinem Nachbar zur Rechten. I. Vize-Präsident Dr. Gustav K o h n, der Fall ist. Ich kann sagen, zur Zeit, als wir in den Vorstand gewählt wurden, gab es keine entsprechend« Registratur, kein