Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 5 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34 ,Neue National-Zeitung" Nr. 5 vom modernen Fortschritt, hat keine Selbstachtung und keine Eigenliebe. Wird er beleidigt, so stellt er sich, als ob-er nicht verstände. Ein arabisches Kind wirft Steine gegen ihn, und er flieht eilends Yemeniten-Typen — Vater und Sohn. (Aufnahme von H. Burchardt.) davon. Er müht sich um kümmerlichen Lebensunterhalt; die Kinder sind hübsch und sanft, lernen und fassen schnell, worin man sie unterweist. Sobald der Unterrichtsleiter von meiner Ankunft hier erfahren hatte, beeilte er sich, eine Schule im jüdischen Viertel zu eröffnen. Zwei Rabbiner, von denen einer Arabisch versteht, ein Lehrer des Türkischen, der dreimal wöchentlich kommt, erteilen den Unterricht. Das kostet 100 Frcs. monatlich; der Staat trägt alle Ausgaben. Abgesehen davon, daß hier türkisch gelehrt wird, ist kein Unterschied gegenüber einer Talmud-Thora-Schule. 50 Kinder sind in einem Raum zusammengedrängt. Sie sitzen nebeneinander auf der Erde, kein Zoll Platz ist ungenützt, man kann sich kaum rühren. Alle Kinder sind im ungefähren Alter von 10 bis 13 Jahren. Ihre Kenntnisse im Hebräischen sind gleichmäßig, sie fangen gleichzeitig das Arabische und Türkische an. Sie schreien aus vollem Halse. Es ist zum Tollwerden. Ich habe sie bitten müssen, zu schweigen, damit ich es bei ihnen aushalten könne. Die Gemeinde hat sehr abgenommen. Während der jüngsten Belagerung sind Hunderte von Häusern eingestürzt, und die bewohnten haben kaum den dritten Teil der früheren Bevölkerung. Ich habe die ganze Woche hindurch an einer Zählung unsere** Glaubensgenossen gearbeitet. Wir haben im ganzen 2700 Seelen — Männer, Frauen und Kinder. Die Rabbiner und Notablen wollten ihren Augen nicht trauen. Was? So wenig? Bei meiner Ankunft hatten sie mir gesagt, sie wären über 10.000, und jetzt sind nur no^h 5000. — Nein, ihrer sind 2700, und ich glaube nicht, daß wir mehr als 100 Personen haben übersehen können. Vor allem sind die Schwächlichen und Kranken zugrunde gegangen. Jetzt weiß ich, weshalb ich nur große und starke Männer treffe und Frauen majestätischen Wuches, die den Kopf hoch tragen. Diese Rasse wird sich schnell vermehren." Das Hilfskomitee will den Yemeniter Juden die Auswanderung nach Palästina und Ansiedlung dortselbst ermöglichen. Vieles würde erreicht, wenn es gelänge, das Hilfswerk durchzuführen und die Tausende yemenitischer Juden aus ihrer Abgeschiedenheit uns Yemenitische Juden in der Synagoge von Sana'a. (Aufnahme von h. Burchardt.)