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Neue Nationalzeitung · 1913-01-31 · Heft 3 (31.1.1913) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 3 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 um die Organisierung des Armenfürsorgewesens und der humanitären Institutionen in Prag große Verdienste erworben. Die Informationen der „Blochschen Wochenschrift". Das genannte Blatt berichtet: „Herr Dr. jur. Arthur Edgar Mohr, Sohn des Kultusvorstehers Herrn 'Leopold Mohr in Falkenau, ist zum k. k. Richter am Bezirksgericht Falkenau ernannt worden. Seit 1894 ist das die e r s t e R i c h t e r e r n e n n u n g eines Juden in Oesterreich." „Major Wilhelm Wachtel wurde von Sr. Majestät mit einer allerhöchsten Belobung wegen des von ihm veriaßten Dienstbuches ausgezeichnet." In beiden Fällen ist die Reklame deplaziert. Dr. Mohr ist nicht der erste jüdische Richter seit 1894, sondern es wurden inzwischen, resp. im Jahre 1897 mehrere jüdische Richter in Oesterreich und speziell im Wiener Sprengel ernannt. Der Major im Generalstab Wachtel dagegen ist längst getauft, und es .'ist unerfindlich, warum das Organ der Kultusgemeinde sich über seine Auszeichnung so sehr freut. Uebrigens sollte der militärische Referent der „Wochenschrift" doch wissen, daß eine Allerhöchste „Belobung" gar nicht existiert. Azew — Beamter des Wiener Bankhauses Rothschild. Einige russische Blätter wissen zu erzählen, daß der berüchtigte russische Agent provocateur Azew vom Wiener Bankhause R ot h sc hi ld als Preßagent angestellt wurde. (?) Er figuriere unter dem Pseudonym Wolfmann. Die amerikanischen jüdischen Blätter drucken diese Nachricht ohne jeden Kommentar nach. Eine Hochzeit in der Familie Sassoon. Jüngst fand in London, Hotel Ritz, Piccadilly, die Hochzeit des Herrn David Solomon Sassoon mit Fräulein Seiina P r i n s, Tochter des Herrn und der Frau Moritz Prins, Amsterdam, statt. Fräulein Prins ist die Enkelin des gelehrten Herrn Lipmarin Prins in Frankfurt a. M. sowie des verstorbenen Rabbiner«, Herrn Doktor Lehmann, Mainz. Der Bräutigam, Herr Sassoon, entstammt der allbekannten Familie Sassoon (Schuschan) aus Bombay, Indien, die auch mit der Familie Rothschild verwandt ist. Der verstorbene Sir Edward Sassoon war mit der Tochter des Barons Gustav von Rothschild, Paris, verheiratet. Ein anderer Onkel. Sir Edward Sassoon, Schwager von Leopold de Rothschild, London, genoß die hohe Ehre, den verstorbenen König Edward häufig seinen Gast nennen zu dürfen. König Edward pflegte häufig wochenlang bei ihm zu wohnen und an allen Mahlzeiten teilzunehmen. Der Bräutigam führt ein streng orthodoxes Leben, besitzt eine reichhaltige hebräische Bibliothek, und unter den Hochzeitsgeschenken ist zu erwähnen ein Faksimile des Manuskriptes der Münchener Staatsbibliothek „Der gesamte babylonische Talmud'", sowie das „Machsor Romani". Die Trauung wurde vom Ohach'am Doktor G a s t e r, Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde, und deren Oberkantor, Rev. S. I. Roco, vollzogen. Der Knabenchor der Bevis Marks und Sanderdall Synagoge sang unter Leitung des Herrn E. R. Jessurun. Der Saal, ganz in Weiß gehalten, mit einem Podium versehen, war vollauf besetzt mit der Elite der höchsten Kreise. Die Anwesenheit vieler indischer und orientalischer Gäste in ihren bunten Kostümen, die uralten, feierlichen portugiesischen Melodien, die durchaus das morgenländische Gepräge in ihren zwar monotonen, aber doch sehnsüchtig getiihlsreichen Rhythmen tragen, bildeten einen seltsamen Kontrast mit dem geräuschvollen Treiben der Außenwelt im elegantesten Viertel der Weltstadt. Im wollenen „T a 11 i s" gehüllt, las der Bräutigam selbst die „Kesub&h" vor. Der portugiesische Trauungsritus ist fast identisch mit dem deutschen, nur beginnt jede Broche mit „Besimon tob", und nachdem der Bräutigam das „Hare at niL'kiidesches Ii" vollendet, spricht der Rabbiner „mekuddosch". Der Vorbeter und die Krankenkassa. In ehvei Inter¬ Seite 21 essanten Sache hatte der ungarische Handelsminister eure Entscheidung zu treffen. Neun israelitische Gemeinden des Komitates Vas führten Klage beim Vizegespan, weil die Arbeiterversicherungskasse sie dazu verpflichtete, ihren Vorbeter und Schächter gegen Unfall zu versichern. Die Kultusgemeinden verfochten den Standpunkt, daß das Vorbeten keine Arbeit, sondern ein Genuß sei. das Schlachten aber sei ein ritueller Akt und daher keine Beschäftigung. Der Handelsministei akzeptierte jedoch den Standpunkt des Komitates und erklärte das Vorbeten und rituelle Schlachten nicht als Genuß, sondern als Beschäftigung, weshalb die Schächter gegen Unfall versichert werden müssen. Literatur und Kunst. Dr. Chaim Zytlowski — als Jubilar. Der 30. v. M. wurde in den Judenghettis von Nordamerika, überall dort, wo sich die russisch-jüdischen Emigrauten zur Pflege jüdischer Kultur und Literatur zusammengefunden haben, als Festtag gefeiert. Dr. Chaim Z y 11 o w s k i. der Herausgeber der jiddischen Monatsschritt „Das N a y e Leben" vollendete an diesem Tage den 50. Geburtstag seines ausschließlich dem jüdischen Proletariate gewidmeten Lebens. Er wurde im Jahre 1862 in Wittebsk geboren und beschäftigte sich dann in seiner Studienzeit nur mit Sozialismus und Soziologie. Ihm verdankt die j ü d i s c h e Literatur eine große Anzahl von philosophischen und sozialistischen Arbeiten. Seit 1905 hat er seinen ständigen Wohnsitz in New York, wo er eine selbständige jüdisch-sozialistische Richtung vertritt. Anläßlich seines Jubiläums veranstalteten seine Anhänger eine Ausgabe seiner sämtlichen Werke. Personalnachrichten. Fräulein Paula Knopf in Wien hat sich mit Herrn Josef K o h s, Sohn des Kultusvorstehers Salomon Kotis in Brzesko, verlobt. Todesnachrichten. Eine große Anzahl von Trauergästen hatte sich bei der Beerdigungsfeier eingefunden, als man den Seniorchef der Familie Barber. Herrn Max Barbe r, zur letzten Ruhestätte geleitete. Der Entschlafene zeichnete sich durch großen Wohlrätigkeitssinn aus, gab gern und oft. ohne um Hilfe angesprochen zu sein. Vielen Armen in der Brigittenau sandte er, wenn des Winters Strenge sich fühlbar machte, Holz und Kohlen, ohne daß sie wußten, wer der Geber sei; ihm genügte, daß der Hausbesorger sie als hedürftig empfohlen. Wie a\ ir hören, gedenken seine Witwe, die Schriftstellerin Ida Barber, und seine Söhne das Andenken au den Entschlafenen dadurch zu ehren, daß sie eine Stiftung zum Besten der armen Kinder der Brigittenau ins Leben rufen. Oruckfeh|er-Berichtigung. In den Leitartikel der vorigen Nummer haben sich infolge Unachtsamkeit des Korrektors einige Druckfehler eingeschlichen, die wir hiemit richtigstellen: Seite 9. Spalte 2, Zeile 3. von oben, soll es richtig heißen: „Schüler-K onversatoriu m", nicht Konservatorium, konservieren müssen wir die Schüler nicht. — Seite 10, Spulte 1, Zeile 26 von unten, heißt es statt „diesen", „bei diesem". In derselben Spalte. Zeile 23 von unten, ist dem Substantiv „Kenntnis", die Nachsilbe „nis" stecken geblieben. Dem Setzer genügte „die Kennt" — das „nis" schenkte er sich und den verehrten Lesern. — Seite 10. Spalte 2. Zeile 13, von unten, machte der Setzer aus dem „Borne seines Wissens", aus dem ..Kunrj seines Wissens", w as ein Unsinn ist. Denn aus einem ..Kenu" kann doch kein Mensch schöpieu. »«Neue _National-Zei tuiig"

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