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Neue Nationalzeitung · 1913-01-31 · Heft 3 (31.1.1913) · p. Seite 19

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 3 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Soldaten 30. Diese Stadt hat infolge des Krieges von Belgrad her verhältnismäßig die meiste Unterstützung haben müssen. Seskowats (20.000 Einwohner), 150 bis 200 Juden, 20 jüdische Soldaten. Vereinzelte jüdische Familien in K r u s c h e - w a t s, J ä g o d i n a, W a 1 j e \v o, S a i d s c h a r. Die von Serbien eroberten Städte, in denen Juden wohnen, sind folgende: N o v i b a z a r (6000 bis 7000 Einwohner), 40 bis 50 jüdische Familien, vor dem Kriege viel durch Arnauten gelitten, im Kriege nicht. P r i s c h t i n a (15.000 bis 20.000 Einwohner), 60 jüdische Familien, vor dem Kriege ebenfalls durch Arnauten sehr gelitten, im Krieg nicht. Kum.ano\vo (10.000 Einwohner), 10 jüdische Familien, nicht gelitten; bei Kumanowo blutige Schlacht. In S j a n i t z a und F e r i s o \v i t s c h zirka 5 bis 6 jüdische Familien. In M i t r o w i t z a etwa 10, nirgends Juden geschädigt. Ebenso nicht in U e s k u e b (60.000 bis 70.000 Einwohner), über 2000 jüdische Seelen. Die Reichen waren nach Saloniki geflüchtet und sind jetzt zurückgekehrt. Viele zum türkischen Heere ausgehoben; dort waren auch viele türkische jüdische Soldaten aus Saloniki, die beim Rückzug abgeschnitten, hier blieben, unterstützt werden -mußten und später nach Saloniki heimkehrten. Durch direkte Kriegsschädigung haben die Juden Ueskuebs nicht gelitten. Hilfe von außen scheint nicht notwendig. M o n a s t i r (90.000 Einwohner), 12.000 Juden, zirka 30 bis 40 waren zum türkischen Heere ■ausgehoben. Keine besondere Schädigung von Juden erfolgt, sie können im großen und ganzen ohne fremde Hilfe auskommen. Das ist die Lage in Serbien und den von den Serben besetzten Gebieten, die wir durch eingehende Nachforschungen und Untersuchungen feststellen konnten. Diese erfreulichen Resultate lassen erkennen, daß das Verhalten der serbischen Zivil- und Militärbehörden unseren Glaubensgenossen gegenüber ein außerordentlich gutes ist. Auf Schritt und Tritt begegneten wir dem besten Einvernehmen zwischen Juden und Behörden, zwischen Juden und der übrigen Bevölkerung. Jüdische Gemeinden und Private sind stark genug, um etwaige Schädigungen durch den Krieg aus eigener Kraft gutzumachen. Wir reisten in der zuversichtlichen Hoffnung ab, daß die serbische Regierung auch die türkischen Gefangenen jüdischen Glaubens jeden Augenblick freilassen wird gegen die Sicherheit, daß sie nicht wieder gezwungen würden, gegen die Balkanstaaten zu kämpfen. Zu der eventuellen Repatriierung dieser gefangenen jüdischen Soldaten (etwa 50 bis 60 an der Zahl) war Herr S. Molcho als Vertreter ans Saloniki nach Belgrad gekommen, mit dem wir die nötigen Besprechungen hatten. Die Juden in Bulgarien. In der Nacht vom 13. auf den 14. Jänner, der hiesigen Neuiahrsnacht, reisten wir nach Sofia. Die Bahnstrecke war überall militärisch besetzt. Wir kamen am 14. Jänner gegen 11 Uhr (statt fahrplanmäßig 7 Uhr) morgens in Soiia an. Am gleichen Tage um 5 Uhr nachmittags hatten wir eine offizielle Sitzung im Hause des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis, die von Berlin aus bereits telegraphisch vorbereitet war, mit dem Zentralkomitee für Bulgarien. Dazu waren neben den Vertretern aus Sofia auch Vertreter aus Philippopel und Rustschuk erschienen. Eine zweite Sitzung fand am folgenden Tage statt. In der Zwischenzeit prüften wir das vorliegende Material, das, wie sich herausstellte, ganz entsprechend der vom Hilisverein bereits vor Wochen gegebenen Anregung von Herrn Doktor Ehrenpreis in sehr geschickter und sachlicher Weise zusammengebracht worden war. Nur bei dieser minutiösen Vorarbeit war es möglich, in verhältnismäßig kurzer Zeit die ganzen Angelegenheiten zu regeln: 1 -............ Das Zentralkomitee in Sofia. Während wir in Serbien von der Einsetzung eines besonderen Komitees Abstand nehmen konnten, setzten wir in Sofia ein Zentralkomitee ein. Wir hatten keinen Anlaß, irgendeine Aenderung an dem bestehenden spontan gebildeten Zentralkomitee, das unter dem Vorsitz von Dr. Ehrenpreis bereits so hervorragendes geleistet hat und das der Union des Associations Israeliies unterstellt wird. Lokalkomitees. Dem Zentralkomitee unterstehen die in ganz Bulgarien und in den okkupierten Gebieten, soweit eine Verbindung mit diesen bisher herbeigeführt werden konnte, schon eingerichteten Lokalkomitees, die wir gleichfalls bestätigten. Eine genaue Liste fügen wir dem nächsten Bericht bei. W i r k u u g s k r e i s d e s Z e n t r a 1 k o m i t e e s . Ueber den Wirkungskreis des Zentralkomitees konnte man verschiedener Meinung sein. Man kann den Wirkungskreis entweder nach den geographischen oder nach den politischen Verhältnissen abgrenzen. Wir entschieden uns für das letztere, da unsere Komitees nur dann wirksam arbeiten können, wenn in den jetzigen schweren Zeiten die Zivil- und Militärbehörden ihnen ihre Unterstützung leihen. * Die Hilfsaktion in Bulgarien. Art unserer Hilfe. Generell wurde von uns erklärt, daß wir in den vom Kriege nicht berührten Gebieten, die sich in Not befinden, nur subsidiär helfend eingreifen können, nur dann, wenn sowohl die politische Gemeinde wie die jüdischen wohlhabenden Glaubensgenossen selbst entsprechende Zuschüsse machen. Das Zentralkomitee legte uns völlig glaubhaft dar, daß in Bulgarien tatsächlich die Hilfeleistung auch in dieser Weise gehandhabt wird. Es wurde uns nachgewiesen, daß man bisher fast ohne Hilfe von außen ausgekommen sei. Für den Monat Jänner (julianischer Kalender) seien aber die einheimischen Mittel erschöpft, für ganz Bulgarien ist für diese Zeit ein Betrag von 60.000 Francs notwendig. Davon sind von den verschiedenen eingegangenen Geldern von auswärts noch vorhanden 30.000 Francs; 20.000 Francs sollen in Bulgarien aufgebracht werden. Wir fanden es nach Lage der Verhältnisse für richtig, die restlichen 10.000 Francs zu bewilligen. In den eroberten Gebieten liegen die Verhältnisse anders, die Wunden des Krieges sind schwerer, die örtliche Bevölkerung ist selten in der Lage, ihrerseits etwas Wesentliches beizusteuern. Wir bewilligten für diese Gebiete, soweit Bulgarien sie okkupiert hat, vorerst einen Dispositionsfonds von 5000 Francs. Für das ehemalige Bulgarien (also mit Ausnahme natürlich der eroberten Gebiete) halten wir mit unserer Bewilligung die Hilfsaktion für ganz oder doch fast ganz, soweit w i r in Betracht kommen können, abgeschlossen, vorausgesetzt, daß der Krieg nur noch kürzere Zeit dauert, was anzunehmen ist. Hilfe für die Juden in Adrianopel. Die Frage von Adrianopel mußte für sich allein behandelt werden. Wann die Stadt wieder zugänglich sein wird, läßt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, immerhin kann das schon in verhältnismäßig kurzer Zeit eintreten. Es war nötig, in zweifacher Weise Vorsorge zu treffen. Einmal muß das, was in Bulgarien nicht erhältlich ist, aas dem Auslände schon ietzi herbeigeschafft werden; was hier zu bekommen ist, muß angekauft und in die Nähe Adrianopels gebracht werden, damit im Augenblick der Zugänglichkeit für die Kranken und Halbverhungerten sogleich Hilfe vorhanden ist. Wir hatten vielfache eingehende Beratungen mit Fachleuten. Kaufleuten, Aerzten, Politikern und Personen, von denen vorauszusetzen fst, daß sie die Lage Adrianopels gut

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