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Neue Nationalzeitung · 1913-01-17 · Heft 2 (17.1.1913) · p. Seite 13

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 2 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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„Neue National-Zeitung"^ Seite 13 Nr. 2 Eine jüdische Schülerin in Brest Litewsk, Rußland, hat unur ihren Freundinnen eine Sammlung zugunsten der türkischen Juden veranlagt und das Ergebnis im Betrage von 14 Rubel der Israelitischen Allianz mit einer hebräischen Zuschritt eingesandt. * Auswanderung nach New York. Wie der Londoner „Standard" mitteilt, wird in den jüdischen Kreisen von Nordamerika eine große jüdische Einwanderung aus den Balkanstaateu erwartet. Diese orientalischen Juden sind in Nordamerika besonders schwach vertreten, doch rühmt man ihnen verschiedene Vorzüge nach, wie Energie und kaufmännische Tätigkeit. Die Konstituierung des Wiener Kultusvorstandes. Wien, Mitte Jänner. Bei der am 5. Jänner stattgehabten Konstituierung des Kultusvorstandes wurden nachstehende Funktionäre gewählt: Präsident: Dr. Alfred Stern (gewählt für eine dreijährige Funktionsdauer) •' I. Vize-Präsident: Dr. Gustav Kohn; II. Vize-Präsident: k. k. Hofrat Dr. Benjamin Rappapor t; Vertreter: Salo Cohn, Dr. Felix Katzau, Dr. Leopold Kohn, kaiserl. Rat Siegmund Kauders, Wilhelm K u f f n ei r, Univ.-Prof. Dr. Josef P o 11 a k, Juris- und Phil.-Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian St e i n e r, sämtliche gewählt für eine einjährige Funktionsdauer. Die zu dieser Sitzung erschienenen zwei zionistischen Kultusvorsteher gaben keine Erklärung, aber bei der Abstimmung leere Zettel ab. Diese Sitzung hat durch zwei Momente besonders peinlich auf jeden politisch reifen Menschen wirken müssen: Der Präsident Dr. Stern hat, was in keiner Körperschaft vorkommt, während seiner Wahl den Vorsitz nicht abgegeben. Diese Eitelkeit ist schon geradezu krankhaft. Es trägt aber gewiß nicht dazu bei, das Ansehen des Kultusvorstandes nach außen zu stärken, wenn seine Leitung unter dem Niveau des simpelsten Vereines steht. Das machte der Zwischenfall mit den Zionisten am besten klar. Als nämlich die Ernennung von Mitgliedern der Bezirkskommissionen auf die Tagesordnung kam, wollten die Herren auch einige Gesinnungsgenossen proponieren. Sie baten ums Wort. Dr. Stern verweigerte es. Sie baten um das Wort zur Geschäftsordnung. Hiezu darf das Wort n i e verweigert w erden, das weiß jeder Zeitungsleser aus den Vorgängen im Parlament, Gemeinderat usw. Wenn beispielsweise der Wiener Bürgermeister einem Mitgliede der liberalen Opposition das Wort zur Geschäftsordnung verweigern würde, dann wäre wohl Dr. Stern der erste, der als gewesener Gemeinderat in larmoyanter Weise über die Verrohung der politischen Sitten schreiben würde. Er macht es aber selbst nicht anders. Beklagenswerter ist es aber noch, daß im ganzen Kultusvorstande kein Mensch den Mut gefunden hat, dem senilen Eigensinn des Präsidenten entgegenzutreten. Keiner traute sich, obzwar viele der Gewaltakt innerlich empörte. Die Zionisten fügten sich und überließen es dem Präsidenten, daß er die Sitzung für geheim erkläre. Damit haben sie aber selbst bewiesen, daß sie ihrer Stellung nicht gewachsen sind. Männer mit Mut lassen sich nicht vergewaltigen. Respekt haben sie sich dadurch nicht verschafft. Waschlappen, die vor dem Präsidenten zusammenknicken, gibt es ohne sie im Kultusvorstande auch genug. Der Präsident hat nach seiner Wahl eine große Programmrede zum besten gegeben. An leitender Stelle ist bereits darüber ausführlich die Rede. Es waren Fragen und Bedürfnisse lokaler Natur, die er behandelte. Was dem Judentum nottut, in welcher Weise in den heutigen Zeiten großer Bedrängnis die Wiener Kultusgemeinde eine leitende Stellung innerhalbder ös ter reich ischen Jude iisc h a f t einzunehmen gedenkt, darüber ging der Präsident mit Stillschweigen hinweg: Spital, Friedhof und Gotteshaus sind ihm das allerwiehtigste. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Dr. Stern in St. Pölten oder Wiener-Neustadt ein sehr guter Präsident wäre. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. Die am 8. d. M. abgehaltene erste Versammlung des „M i s r a c h i" erzielte einen vollen Erfolg. Vor einem zahlreichen Damen- und Herren-Publikum hielt der Referent Vereinsobmann J. A u s t e r 1 i t z einen Rückblick auf die vorzionistische Zeit, auf das Entstehen, die Wirksamkeit und bisherigen Erfolge des Zionismus, urn auf den Misrachi übergehend, die Notwendigkeit dessen Existenz und Wirksamkeit darzutun. Er kam unter reichem Beifall zur Folgerung, dal» sich alle Juden im Zionismus zusammenschließen, alle thoratreuen Elemente aber, und alle diejenigen, die Erhaltung von Tradition und jüdischer Sitte verlangen, dem Misrachi beitreten müssen. An der darauf folgenden Debatte beteiligten sich die Herren Ing. Löwenbein, Lektor Landtmann, Schwerttinger, Leibowitsch aus Budapest, und Rabbiner (loldstein. Nach dreistündiger Dauer schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem warmen Appell zum Anschlüsse an den Misrachi und der Aufforderung, iusbesonders au die Frauen und Mädchen, für die weiteste Verbreitung des Misrachi kräitigst zu wirken. AUS ALLEN WELTTEILEN Eine alte Synagoge in Krakau — erbrochen. Eine der ältesten Synagogen in Krakau, die sogenannte Remoh-Schui" (benannt nach dem berühmten Rabbiner Moses Isseries, auch Remoh), wurde vor mehreren Tagen von einer Diebsbande ganz ausgeplündert. Der Schaden beträgt viele Tausende. Was die Diebe nicht aus den erbrochenen Kassen herausschleppen konnten, haben sie vandalisch zerbrochen und zermalmt, darunter einen kostbaren, zirka 51M) Jahre alten Pokal. Es ist jedoch Hoffnung vorhanden, daß derselbe wieder hergestellt werden kann. Sehr bezeichnend ist es. daß das Krakauer Rabbinat auf eine Anfrage des Betvorstehers, ob die Silbergeräte im saie deposit einer Bank erlegt werden könnten, erklärt hat, die Gegenstände dürfen nicht vom Bethause entfernt werden. Jakob Schiff — Gläubiger des österreichischen Staates. Vor einigen Wochen hat die österreichische Regierung eine Staatsanleihe von 25 Millionen Dollars (125 Millionen Kronen) bei der New Yorker Bankfirma Kuhn, Loeb <k Co. autgenommen. Mitchef dieser Firma ist bekanntlich der jüdische Philantrop Jakob Schiff, der Präsident des jüdischen Einwanderuugs- Regulierungs - Komitees ..Industrial Removal Ofrce".

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