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Neue Nationalzeitung · 1913-01-17 · Heft 2 (17.1.1913) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 2 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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Seite 12 ,,Neue National-Zeitung'' Zum selben Thema schreibt das „Berliner Tagblatt": „Die Juden haben keine Delegierten auf der Londoner Botschafts Versammlung und keine auf dem Kongreß, der ihr folgen soll. Ist dies der Diplomatie ein Hindernis, ein altes, schweres Unrecht gut zu machen? Man könnte Rumänien, dessen Ansprüche man gewiß mit großem Wohlwollen aufnehmen wird, auch an seine den Großmächten gegenüber eingegangenen Verpflichtungen erinnern. Man sollte Rumänien fragen, warum entgegen dem Artikel 44 dort die Juden noch immer nicht in den Dörfern wohnen, nicht Rechtsanwälte, Apotheker, Oifiziere, Beamte sein dürfen? Warum sich das ganze Leben des rumänischen Juden aus „nicht dürfen" zusammensetzt? Die rumänische Regierung würde einen großen Beweis von Loyalität gegenübei den Großmächten geben, wenn sie sich nicht durch kleine Winkelzüge der Aufwerfung dieser Frage widersetzte und in dem Augenblick, in dem sie neue Rechte und neue Vorteile verlangt, die Ausführung alter Pflichten zusagt." Wie wir erfahren, beschäftigt man sich auch in den Kreisen der „A 11 i a n c e" sehr eingehend mit der Idee, an die Londoner Botschafterkonferenz im Interesse der rumänischen Juden heranzutreten. * Eine Denkschrift der rumänischen Juden an das Parlament. Aus Bukarest wird berichtet: Eine Abordnung des Komitees der eingeborenen Juden Rumäniens hat sich vorigen Samstag im Parlamente eingefunden, um dem Senatspräsidenten Cantacucino und dem Kammerpräsidenten eine Denkschrift zu überreichen. Die Denkschrift bezweckt, das neugewählte Parlament zu ersuchen, die Judenfrage im Geiste der Unparteilichkeit und der Gerechtigkeit zu prüfen und den Bedürfnissen und Forderungen der eingeborenen jüdischen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Die Denkschrift beruft sich auf das Wort des Königs Carol, das er einer bei ihm im Jahre 1911 erschienenen Abordnung gegenüber gebraucht hat. Es hatte nämlich damals die jüdische Handwerkerorganisation ein Majestätsgesuch wegen der Präterierung jüdischer Handwerker bei Staatsbauten überreicht, auf welches König Carol persönlich folgendes geschrieben hatte: ..Wird der wohlwollendsten Aufmerksamkeit des Handels- und Industrieministers empfohlen. Eine so zahlreiche arbeitsame Bevölkerung, welche hier seit Jahren ansässig ist und seit vielen Generationen im Lande sich betätigt, darf nicht mehr in die Lage gebracht werden, von der Arbeit abgehalten zu werden." Die Denkschrift führt unter anderem weiter folgendes aus: „Das rumänische Vaterland ist uns ebenso teuer als den übrigen Rumänen. Wir haben unsere tiefste Liebe zum Vaterlande jederzeit bekundet und sind unserem König treu und ergeben und zu höchstem Danke verpflichtet. Wir glauben, daß jetzt der Augenblick gekommen ist, daß uns Gerechtigkeit zuteil werde. Die Regierung und das Parlament sollen den Willen und die Kraft haben, dieses Werk der Gerechtigkeit voll und ganz zu vollführen." * V Neue Judenmorde in Saloniki. Dem Hilisverein der Deutschen Juden geht folgendes Telegramm aus Saloniki zu: „Die jüdische Gemeinde in Saloniki ist wiederum in schwere Trauer versetzt worden. Ermutigt durch die Straflosigkeit der verschiedenen Uebergriffe gegen die Juden in der letzten Zeit, haben sich die Griechen weitere schwere Ausschreitungen zuschulden kommen lassen. Am 24. Dezember 1912, abends gegen 5 Uhr, sind zwei jüdische Kaufleute auf offener Straße durch Griechen ermordet worden. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht große Aufregung und Bestürzung. Zahlreiche Familien rüsten sich zur Auswanderung, da sie an einer Besserung der Lage zweifeln. Als vor einigen Tagen n igriechische Soldaten, die aus Monastir zurückkamen, hörten, daß die Angehörigen anderer Truppenteile straflos jüdische Häuser geplündert hatten, begannen auch sie, Plünderungen vorzunehmen." Alle Versprechungen des griechischen Königs sind also nur auf Irreführung der europäischen Oet'tentlichkeit berechnet. * Konferenz griechischer Kultuspräsidenten in Saloniki. In Saloniki fand eine Konferenz von Präsidenten jüdischer Kultusgemeinden aus griechischen Städten statt. An der Konferenz haben außer den Delegierten der Judengemeinde von Saloniki teilgenommen: Abraham Constantinis, Präsident der Gemeinden von Athen, Piräus und Laurium; ferner Advokat J. Samelidis und Alberto Levy aus Athen, Präsident der jüdischen Gemeinde von Volo, spanischer Vizekonsul Gani, der Präsident der jüdischen Gemeinde von Larissa, Albert Cohen, und der Präsident der jüdischen Gemeinde von Trikala, M. Heimaki. In den Beratungen wurden alle Maßnahmen getroffen, welche durch die neugeschaffene Situation notwendig geworden sind. Die Mitglieder der Konferenz wurden von König Georg in längerer Privataudienz empfangen, in welcher sich der König über alle Wünsche der durch die Konferenzmitglieder vertretenen Gemeinden sowie über die Lage der Juden in Saloniki eingehend informieren ließ. König Georg hat wieder Anlaß genommen, die Juden zu versichern, daß zu ihrem Schutze die weitestgehenden Vorkehrungen getroffen wurden. # Der Brief des Chachatn Baschi Jacob Meier — gefälscht. Wie nicht anders anzunehmen war, stellt sich heraus, daß der Brief des Oberrabbiners von Saloniki, wie er zum Zwecke des Dementis der Soldaten-Schandtaten im „Journal des Debats" vom griechischen Gesandten in Paris veröffentlicht wurde, vom Original in den wesentlichsten Stellen a bw i c h. Das ergibt sich aus der Gegenüberstellung mit dem Salonikier jüdischen „Independan t", der das Original publiziert hat. Im Texte des „I n d e p e n d e nt" heißt es: „Was die Klagen anbetrifft, die in den ersten Tagen der Besetzung an mich gerichtet worden sind und unter denen sich solche über Z e r s t ö r u n.g und Plünderung von Synagogen von militärischer oder ziviler Seite nicht befanden, so erkläre ich formell, daß ich diese Klagen ausschließlich und direkt bei den hellenischen Behörden vorgebracht habe" usw. In dem „Journal des Debats" dagegen heißt es: „Seit dem Einzüge der hellenischen Truppen in Saloniki ist mir in den ersten Tagen der Besetzung keinerlei K 1 a ge wegen Zerstörung oder Plünderung von Synagogen, sei es gegen Militär- oder gegen Zivilpersonen, zugekommen." Also, die griechischen Soldaten haben nur Judenhäuser, aber keine Synagogen geplündert und zerstört. Das ist der Kampf des Kreuzes gegen den Halbmond! . . . * Hilfsaktion der Israeltischen Allianz. Der Israelitischen Allianz zu Wien sind bis zum 12. Jänner 1913 zugunsten der durch den Krieg in Not geratenen Juden der Balkanländer insgesamt K 40,318,13 zugegangen. In diesem Betrage ist das Ergebnis einer Sammlung des Verbandes der israelitischen Humanitätsvereine „B'nai B'rith" in der Höhe von 10.000 K, ferner Beiträge von Kultusgemeinden enthalten: und zwar von der israelitischen Kultusgemeindc in Wien 5000 K, von der israelitischen Kultusgemeinde in Prag 1000 K, Brünn 500 K, Teplitz-Schöuau 500 K # *» i

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