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Neue Nationalzeitung · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 6 (sequence 14)
Language
German
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Seite 6 i.Neue National-Zeitung" Nr.l Adler näher ein. Sodann ergrau der Vertreter-4es königlichen P o Ii z e i p r ä s i d i u m s Geheime^ . Regie rungs rät v. L a 11 o f t das Wort, um dem Vereine -die' besten Wünsche ins .nächste Jahrhundert seines -Bestehens mitzugeben und ihm die weitere Förderung' und Unterstützung .-der Gesellschaftsziele in Aussicht zu stellen. Namens der städtischen Vertretung "der Rcichsbauptstadt sprach ^sodann Stadtverr ordneten Justizrat G a 11 an t, -namens, 'der; jüdischen Gemeinde Berlin Justizrat Breslauer, für den D. J. G, B.. dessen Vorsitzender Professor Dr. K a 1 i s c h e r. Herzliche. Glückwünsche sprachen •dann noch aus: Professor PhiiiHpson namens der „Gesellschaft iür die Wissenschaft■'•des; Judentums", dabei auf den engen Zusammenhang hinweisend, den,bei den. Juden stets Handwerk und Wissenschaft gehabt .haben, und ■zugleich namens des „Verbandes der Vereine für :Jüdische Geschichte und Literatur", •■•.■' Im Auftrage der Großloge, die. am. innigsten mit den /Bestrebungen der feiernden Gesellschaft verknüpft ist, überbrachte Dr. Max G i n s b e r g die herzlichsten Glückwünsche. Nachdem noch in herzlichen Worten die Herren Regierungsbaumeister Grünfeld für. die „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler" und besonders eindrucksvoll Herr Tapezierer Wolff namens des „Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" ihre Glückwünsche zum Ausdruck gebracht hatten, schloß die erhebende Feier mit Chorgesang und Orgelvortrag. /WS ALLEN WELTTEILEN Hilfsverein der deutschen Juden. Das Zentralkomitee hat einstimmig Herrn Oskar Tiet.z (Berlin)hi den geschäftsführenden Ausschuß und <fterni:D..'Wi ss o t'.zky '(Moskau) in das Zentralkomitee gewählt.' Seide "Männer haben sich bereits seit langem um das ausgebreitete Werk des Hilfsvereins in hohem Maße verdient gemacht. Dr. Elias Goldhammer— gestorben. Einer der hervorragendsten Verteidiger in Galizien, Dr. Elias Goldhamm e r, Advokat und langjähriger Vizebürgermeister von Tarnöw, ist im Alter von 62 Jahren am 24. Dezember verschieden. Der Verstorbene war außerhalb seiner Vaterstadt politisch nur sehr wenig tätig. Vor Jahren kandidierte er für den Reidhsrat im Städtebezirke Kolomea, doch ist er gegen Dr. Trachtenberg unterlegen. Er war ungemein oratorisch begabt, politisch aber wenig erfahren. Er schloß sich als Assimilänt immer den Polen an, hat aber von dieser Seite wenig Dank geerntet; einer tiefen Verbitterung darüber gab er in Privatgesprächen wiederholt Ausdruck. Zu spät erkannte er, daß ein ehrlicher jüdischer Politiker einen anderen Weg zu gehen hätte. Professor David Heinrich Müller — gestorben. David Heinrich M ü 11 e r, einer der hervorragendsten Semitologen unserer Zeit und ordentlicher Professor an der Wiener Universität, ist am 20, d. M., 66 Jahre alt, gestorben. Geboren in Buczacz, kam er bereits als Mann nach Wien und begann hier sein Studium, habilitierte, sich und wurde, Professor. Der Verstorbene wurde anläßlich der Gründung' der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in -Wien kh Jähre 1893 ah dieselbe als' Prof essor der jüdischen R e I i g i o n s p h il b s o p h i e 'herrufen, wiewohl er für dieses Fach keine Qualifikation hatte. Man wollte ihm eine Sinekure geben. Wie Dr. Müller; der Rabbiner zu erziehen hatte, biezu geeignet war, beweist folgendes: Seine Söhne haben in der Todesanzeige die Mitteilung, daß ihr Vater auch Professor an der israelitisch-theologischen Lehranstalt war, und daß er auf der israelitischen Abteilung bestattet wird, verschwiegen. Sie haben, sich die Chorbegleitung und die Grabrede des Oberrabbiners Dr. Güdemann verbet e n. Erst im letzten Momente wurde Dr. Güdemann vom Schwiegersohn des Verstonbenen zur Teilnahme am Leichenbegängnisse eingeladen; Trotz aller Pietät für den Verstorbenen müssen (wir dies konstatieren, um den Geist zu charakterisieren, in dem die „Erzieher" unserer Rabbiher innerhalb ihres Familienkreises wirken. Dr. Heinrich Brody — Oberrabbiner von Prag. In der letzten Sitzung der Prager Kultusgemeinderepräsentanz wurde dei bisherige OberrabbinerStellvertreter- Dr. Heinrich B.r.o d y einslimnrig zum Olberrabbiner von Prag ernannt. Angola und kein Ende. Nach der scharfen Kritik, die, das itoistische Angola-Projekt sowohl «bei. der Wiener Itakonferenz selbst als. aiuah bei der jüdischen Presse gefunden hat, hielten wir dasselbe für erledigt. Dem ist nicht so. In der vorige Woche in London, stattgefundenen Generalversammlung des Territorialistischen Zentralvereines ließ sich der Präsident des Londoner Zweigvereines der Ito, der bekannte Schriftsteller und Politiker Lu.c ie iv W;o 1 f, über Angola ungefähr wie folgt aus: „Angola sei herrlich gelegen, sei auch frei von allen den Krankheiten und Epidemien, die in anderen Teilen dieses Kontinents anzutreffen sind. Die Ito besitze die Sympathien der portugiesischen Regierung und er kenne keinen besseren Weg zur Erfüllung der Hoffnungen der Ito-Organisation, als wenn es gelänge, Angola zum erhofften Itoland zu machen. Die Lage Angolas mache es. bei kommender moderner Kultivierung geeignet, ein wichtiges Handelszentrum zwischen Südamerika und Transvaal zu werden, da beide Länder in kurzer Zeit erreichbar sind. Wohl hat das Angolaprojekt schon scharfe Kritiker gefunden, obgleich über dasselbe noch nichts Authentisches bekannt war. Aber auch, die britischen Inseln würden noch heute leer und unbevölkert sein, wenn ihre Kolonisierungseinerzeit so kritisiert worden wäre wie das Angolaprojekt der Ito." Trotz dieses Optimismus halten wir von Angola gar nichts und würden wir das Geld und Menschenmaterial, das da vergeudet werden sollte, nur bedauern, ',. Ein Vortrag über Palästina. In einem der vom Wiener Kultusvorstande veranstalteten Vortragsabende hat sich Rabbiner Dr. Grünwald sehr lobend über die Palästina-Kolonisation ausgesprochen, und empfahl die Gründung eines eigenen Palästina-tKomitees im Kultusvorstande. Auch Präsident Doktor Stern äußerte sich lobend und versprach die Teilnahme des Kultusvorstandes an der Erhaltung des hebräischen Gymnasiums. Die zionistische Presse ist entzückt — von diesen Phrasen. Der Wiener Kultusvorstand hat die einzige bereits bestehende österreichiscu-jüdische I nsti tutio n in Jerusalem — die Lämmelschule — nicht zu erhalten vermocht, und da interessiert sich Dr. Stern plötzlich für das hebräische Gymnasium! Es wäre zu wünschen, daß die zionistische Presse nioht gleich zusammenknickt, wenn irgend ein Kahalpascha vor dem Zionismus seiine Verbeugung macht. . Das hat der Zionismus nicht nötig. Man muß diese 'Herren — die nach, momentanem Bedarf ~, bald Demagogen, bald Autokraten sind, nach ihren Taten beurteilen. ■ •'''; .• \ ■ ■ ■ •■; Rabbiner Benjamin Weiß — gestorbem Arri 12. d. M. starb in Czernowitz der orthodoxe Rabbiner Benjamin Wei ß im Alter von 71 Jahren. — Rabbiner Weiß wirkte mehr als 40 Jahre als Rabbiner der jüdischen Kultusgemeinde in Czernowitz und die Gemeinde nahm wiederholt Veranlassung, ihm Beweise inniger Verehrung zu bieten. Gelegentlich des 40jährigen Dienstjubiläums wurden ihm von nah und fern begeisterte Huldigungen dargebracht und auch die allerhöchsten Auszeichnungen wurden ihm zuteil. , Rabbiner Weiß wurde durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes und später durch Verleihung der Krone zu diesem Verdienstkreuze ausgezeichnet. Auch die Stadtgemeinde Czernowitz ehrte den Gelehrten, indem sie ihn zum Ehrenbürger der Landeshauptstadt ernannte,.

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