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Neue Nationalzeitung · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 „Neue Nätional-Zeitung" Nr. t sichtig, bis. zum tödlicheh Haß, wenn der eigene Glaubensgenosse unverbrüchlich treu an dem festhält, was der Judentäufling öffentlich abschwört und was seinen trotzdem unentwegten Freunden gleichgültig, wenn nicht gar lächerlich ist. Und weil heute die moralische Verwirrung unter den Juden noch weit größer ist, als selbst zu den Zeiten der Propheten, müssen wir um so nachdrücklicher von jenen Männern, die ihren Willen zum Juden schon häufig bekundet haben, denen das Judentum nicht eine gleichgültige Sache und ein leerer Begriff ist, verlangen, daß sie sich vor der breiten Oeffentlichkeit den Renegaten gegenüber um so größerer Zurückhaltung befleißen, als ihre Stellung innerhalb einer Gemeinde oder Korporation sie exponiert, und verpflichtet. Wenn sich aber solche durch Annahme und Bekleidung von jüdischen Ehrenämtern verpflichteten, "sonst hoch angesehene und hochachtbare Männer, an der Ehrung eines jüdischen Renegaten, der das allerschlechteste Beispiel des unmotiviertesten Abfalles gegeben, öffentlich beteiligen, so ist es unser unbestrittenes Recht, noch mehr, es ist unsere höchste Pflicht, hiergegen unsere Stimme zu erheben. Noblesse ( blige. Ehrenämter auferlegen E h r e n p f 1 i c h te n. Es würde nur den seuchenartig grassierenden Abtall geradezu ermutigen, wenn die sittlich Schwachen wahrnehmen, daß sich gerade solche Männer, die in der Judenheit eine Rolle spielen, an den Ehrungen von Apostaten unbedenklich und vor voller Oeifentlichkeit beteiligen. Ein solcher Apostat, der früher Abrahamsolin, später Brahm hieß, wurde am 1. Dezember in Berlin beerdigt. Obgleich es dieser Mann als Jude, in seiner Eigenschaft als Theaterdirektor, zu ungewöhnlich hohem Ansehen gebracht, obgleich er als Jude auf kein Hindernis in seiner künstlerischen Entwicklung oder in seinem Ansehen als Mensch gestoßen war, trat er, zur größten Ueberraschung alier, die ihn persönlich oder sonstwie kannten, aus dem Judentum aus, zur großen, unverhohlenen Freude der groben und «.vornehmen" Antisemiten. Es ist hier nicht der Ort und auch gleichgültig, aus welchen Motiven dieser Mann, dem sein Judentum in allen 56 Jahren seines Daseins nicht geschadet hatte, plötzlich ein Abtrünniger geworden ist. Wußte er nichts mehr vom Judentum? Kannte er es nicht mehr? Wollte er nichts mehr von Juden und Judentum wissen? Man darf diese Fiagen anzweifeln. Denn wenn ihm Juden und Judentum gleichgültig waren, warum unterzeichnete er denn bei dem ittzten Wahlgang in der jüdischen Gemeinde am 11. November 1910 ein Flugblatt der jüdischen liberalen Partei? Obgleich? oder deshalb? Wer vermag in die Seelengründe, in die Abgründe von Irrtum und Wirrnis hinabzuleuchten, um hier befriedigend Antwort zu geben! Für unsere Betrachtung ist das auch ganz irrelevant. Ganz gleichgültig ist es auch für uns, ob ein Artur Schnitzler oder ein Samuel Reicher am Sarge des Hingeschiedenen sprachen. Wir haben Artur Schnitzler, trotz mancher literarischer Verdienste, über die erst eine kommende Generation endgültig entscheiden wird, nicht zum Sprachrohr des Judentums ersehen oder anerkannt; von dem Juden Reicher wissen wir nichts. Ebenso kommen für die jüdische Gemeinschaft Oskar Blumenthal oder Walter Rathenau in Betracht. Die Judenheit hat nichts von ihnen zu verzeichnen, auf ihre Mitarbeit fürs Judentum können wir verzichten. Ebenso gleichgültig sind für uns die Träger anderer jüdischer Namen, die sich an der Trauerfeier für Brahm beteiligt haben. Aber die anderen, deren Namen einen guten Klang in der weiten jüdischen Welt hat, hätten wir lieber nicht dort gesehen. Ihre Abwesenheit, wenn sie vermerkt worden wäre, würde ein nachhaltiger und vornehmer Protest gegen alles Renegatentum gewesen sein; ihre Anwesenheit hat dem Prestige unserer Gesamtheit sicherlich sehr geschadet. Ehrenstellungen auferlegen Ehrenpflichten. Das sollten ganz besonders - Männer bedenken, die das Taufjudentum doch ebenso verabscheuen, wie wir selber. Dann dürfen sie ihm aber auch keine Konzessionen machen — auch-nicht au der Bahre. Jede Ehrung eines getauften Juden seitens Juden, gleichgültig wann oder wo, ob passiv oder aktiv, ist eine Ermutigung zum Abfall. Drum,, videant consules! Sprechsaal. Geehrte Redaktion! Bezugnehmend auf Ihre Mitteilung, daß der Sohn des Herrn Hoflieferanten H a big in den nächsten Wochen die Enkelin des verstorbenen Präsidenten der „Israelitischen Allianz" und der „Baron Hirschschen Schulstiftung für Galizien", David von Gut mann, heiratetmöchte ich mir erlauben, folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Die Firma Habig verkauft nach Galizien, und zwar an jüdische Zwischenhändler, eine Unmasse Waren. Der bessere jüdische Mittelstand trägt zum großen Teile Habigs H iite. Trotzde m w e;i g e r t sie h die.se Firma, einen jüdischen Geschäftsreisenden anzustellen! Ich glaube, Herr Habig könnte der jüdischen Braut seines Sohnes keine größere Freude machen, als wenn er an ihrem Hochzeitstage einige jüdische Geschäftsreisende anstellen möchte. Vielleicht doch! Dann bitte ich, lauch an mich nicht zu vergessen. Hochachtend Ein jüdischer Geschäftsreisender der 'Hutbranche. (Namen und Adresse des Einsenders sind uns bekannt.) KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Eine Parlaments-Interpellation für Leopold Hilsner. Wien. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 20. Dezember haben die Abgeordneten Doktor Straucher und Genossen eine Interpellation an den Justizminister gerichtet und eine Wiederaufnahme der Strafprozesse gegen Hilsner verlangt. In dieser Interpellation wurde auch auf die Taufe Hilsners hingewiesen und seitens der Interpellanten bemerkt, daß dieselben trotzdem aus Gründen der Gerechtigkeit und Humanität für Hilsner eintreten. Die „Oesterr. Wochenschrift", welche jeden Anlaß ergreift, um den einzigen jüdischnationalen Abgeordneten in Oesterreich anzufallen, benützt auch diesen Anlaß, um dem Dr. Straucher Leichtfertigkeit vorzuwerfen. Gleichzeitig läßt sich dasselbe Blatt von dem Rabbiner in Krems und jüdischen Seelsorger der Strafanstalt Stein, Doktor Mehrer, berichten, daß die Nachricht vollständig aus der. Luft gegriffen sei. Demgegenüber sind wir auf Grund verläßlicher Mitteilungen in der Lage, unsere Behauptung aufrecht zu erhalten, daß sich Hilsner in der Strafanstalt Pankraz taufen ließ. Es wäre wünschenswert, wenn Herr Dr. Mehrer sich nicht bloß mit einem lakonischen Dementi begnügen, sondern etwas mehr Worte diesem jedenfalls wichtigen Thema widmen würde, insbesondere, ob Leopold Hilsner sich in Stein an religiösen Uebungen be-

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